Full text: Hessenland (1.1887)

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der arme Mosenthal, und ich — nun. ich lachte 
gewiß auch nicht." — 
Ordinarius der Tertia war damals der hochge 
schätzte, noch unter uns lebende Prof. Dr. Ftuegel. 
Dieser hat, wie er mir mitgetheilt, damals nicht 
in Tertia den deutschen Unterricht gehabt und weiß 
überhaupt nichts von dem, was Dingelstedt von 
ihm in Beziehung auf Mosentyal erzählt; letzterer 
habe ihm nur zu der Zeit ein von ihm verfaßtes 
Gedicht überreicht, welches er bis jetzt aufbewahrt 
habe. 
Wenn nun dieses mir gütigst zurVerfügurlg gestellte 
bisher ungedruckte Gedicht Moscnthals auch nur als 
„Schnahelstudie eines noch nicht flüggen Sing 
vogels" zu betrachten ist, so möchte die hier 
folgende Veröffentlichung desselben bei der Be 
deutung, welche dieser vaterländische Dichter später 
erlangt hat, doch wohl von Interesse sein. 
KaUrenstein.*) 
Wenn du auf den Taunus wanderst, über Thal und Berg 
und Höh'n, 
Wird dein Auge, aufwärts blickend, eine alte Feste seh'n. 
Bon dem Morgenroth bestrahlet, glänzte ehmals sie so hehr, 
Aber jetzt ist sie verfallen und sie glänzt, sie glänzt nicht 
mehr. 
Ehmals Feste, jetzt Ruine und ein grau bemoost Gestein 
Und ein Horst der wilden Vögel steht dort oben Falkenstein. 
Seine Thürme sind zerfallen und dahin ist seine Pracht, 
Seine Zimmer sind zertrümmert und der Erde gleichgemacht. 
Bon dem ganzen Werke raget nur ein Thurm noch riesen 
groß, 
Zeuget von gefallener Größe, zeugt von allem irdischen Loos. 
Ach! so sinket alles Große, einem dunkeln Loos geweiht, 
Bon dem Zahn der Zeit benaget, in den Schooß der 
Ewigkeit, 
Und von allem unserem Ruhme bleibt uns nichts auf 
dieser Welt 
Als des Angedenkens Blume, die der Nachwelt sich erhält. 
Hohe Burg, Du liegst zertrümmert, Deines Landes Schutz 
und Zier! 
Schaurig ist mir Deine Nähe, aber heilig ist sie mir. 
Wenn auch einsam Deine Mauern, dennoch sind sie sonder 
Graus, 
Und des Staubgebornen Schicksal, offen breitet sichs mir au-. 
Sieh' den Fels, in dem derMeisel eine Stiege sich erbaut, 
Al- der Herzog sein geliebtes Nassau jüngstens überschaut! 
Ach! auch dieser Fels zersplittert liegt er bald in einem Nu, 
Und auch Du, v Herzog, eilest Deinem Grabe zu! 
Hat vielleicht der Feste Gründer auch von hier hinaus geschaut. 
Auf das Werk, das er so herrlich uns dem Felsen sich erbaut? 
Ach! der Herr und seine Ahnen, schlummern im tiefen Grab. 
Und da sinkst auch Du, o Herzog, sinket jeder Mensch hinab. 
Rühe aus, mein treuer Führer, lagere Dich ins schöne Grün 
Und der greise Führer ruhte, und ich ruhte neben ihm. 
Als ich .nach der Feste Ursprung, ihn zu fragen nun begann, 
Wie die hohe Burg entstanden? hub der Führer also an: 
Graf Philibert, der Getreue, ist's, der diese Feste hier 
Aufgebaut des Landes Wehre und der Gegend Schmnck 
und Zier; 
*) Die Burg Falkeuftein liegt im Taunus auf einem Hügel am 
Fuße des Feldbergs. Die Eytstehungsgeschichte ist völlig erdichtet, 
ich weiß nicht, ob eine andere Sage von der Burg eristirt. 
Kassel, 3. August 1837. 
Denn der Köniasteiner drüben, dessen Burg am Berge lag, 
War an Höh' ihm überlegen und besiegt ihn jeden Tag. 
„Eine Burg will ich mir bauen, sprach Philibert groß 
und frei, 
Die die andern überstrahle und der Schmuck der Gegend sei." 
Ritt hinaus zum höchster Gipfel, ließ drei große Stämme 
hau'n. 
„Droben, wo die Bäume liegen, will ich meine Feste bau'n." 
Aus den Schlünden ließ er graben Sand- und Kalkstein 
roth und weiß, 
Fensterscheiben ließ er blasen, hell, wie damals Winterreis, 
Und schon wölbte sich die Kuppel aufmärtS zu des Himmel- 
Blau, 
Und schon grenzt die hohe Säule nahe an der Wolken Grau, 
Eine Mauer ließ er ziehen, fest, wie sie noch immer steht, 
Und es hoben sich die Thürme auf in prächtiger Majestät. 
Aber — eh' die Burg vollendet, eh' das Werk noch- ganz 
vollbracht — 
Da ertönt wilder Kriegsruf und das Banner winkt zur 
Schlacht. 
„Leb denn wohl, Du traute Feste, ach ich muß von hinnen 
geh'n, 
Aber, wenn ich wiederkehre, werd' ich Dich vollendet seh'«." 
Und es fühlt das Roß die Sporen und es zieht Philiberts 
Macht, 
Und es schmettern die Trompeten und das Banner winkt 
zur Schlacht. 
Sieh! Philiberts treuer Falke seinen Käfig schnell verläßt, 
An den Arm des theuren Herren klammert er sich fest und fest, 
Klatschet freudig mit den Schwingen', hält sich fest mit 
aller Macht, 
„Geh, Du bist zum Jagen tauglich, doch Du taugest nicht 
zur.Schlacht." 
Doch der-Vogel hält sich mächtig, seinen Herrn er nicht 
verläßt, 
Freudig klascht er mit den Schwingen, klammert fester sich 
und fest. 
„Nun so komm, Du treuer Vogel, zieh' dann mit mir 
Hirt zum Krieg, 
„Theile mit mir Müh' und Sorge, theile mit mir Ruhm 
und Sieg!" 
Jetzt nun donnert das Geschütze und die blanke Lanze klirrt 
Und es fallen viele Schüsse und der scharfe Schwerthieb 
schwirrt. 
Furchtbar knallt die Donnerbüchse, blitzend haut des 
Schwertes Stahl 
Und das Echo wild erdröhnet und voll Schreckens ist da- 
That 
Und es sieget Graf Philibert uud es siegt sein Heldenmuth. — 
Doch — er selber stürzt getroffen und der Boden trinkt 
sein Blut. 
So nun lag er — eine Leiche — starr und kalt am Boden da,, 
Doch das Auge, halbgebrochen, auf den theuern Vogel sah.' 
Schwarzes Dunkel deckt die Erde, grauserfüllet wir- die 
Nacht, . 
Aber fest bei seinem Herren der getreue Vogel' wacht, 
Und er krächzt aus tiefer Kehle, schlägt die Flügel mit Geschrei 
Und man hört die Klagetöne; „eilet hilfreich schnell herbei" 
Und nun finden sie den Falken, er bewacht des Helden Blick 
Und Philibert ruht, wie schlafend, neben ihm in treuer Hut. 
Eilig nehmen sie den Grafen, hüllen ihn in Tücher ein, 
Bringen ihn mit wilden Flüchen zu der Feste Königstein. 
Sorgsam heilt man seine Wunden, denn nicht frommt 
brochenes Herz, 
Leben soll er, sehen soll er, fühlen soll er seinen Schmerz 
Und was hilft dem Grafen Hilfe, die er bei dem Feircke 
fand? 
Sterben konnte er als Freier, nun lebt er in Feinde- Haüd,
        

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