Volltext: Hessenland (1.1887)

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Reben ihm der junge Siegfried, Roland und die 
Helden alle, 
Schwabens, Bayerns Ritterblüthe, ziehen nun mit 
Waffenschalle 
Hier vorüber; hoch zu Rosse schau' ich Dich, o Taillefer, 
Dich auch, wackrer Schenk von Limburg, der so 
wuchtig schwingt den Speer! 
Doch wie dort der Friedensbogen jetzt nach kurzem 
Regenschauer 
O)b der Kirche bunt sich wölbet und in Freude 
wandelt Trauer: 
So steigt aus den Kampfeswettern mild das Friedens- 
ued empor, 
And statt dumpfen Schwerterschlages hört man hellen 
Jubelchor! 
Da, wo wilde Stürme brausten, wehen nun die 
linden Lüfte, 
Herchenwirbel statt Drommeten, Minnesang und 
Veilchendüfte, 
«Es erblüht das fernste Thal, die Blumen sprießen 
sonder Zahl, 
„Alles, alles muß sich wenden, banges Herz vergiß 
der Qual!" 
Uhland I Wo in Volkesweise Dein Kam'radenlied er 
klungen, 
Hast Du selbst als Kamerad Dich in das deutsche 
Herz gesungen, 
Und wo deutsche Jugend wandert in dem lichten 
Maienschein, 
Tönt das Lied von den drei Burschen, die gezogen 
über'n Rhein! 
Das ist unser treuer Eckhardt, der Poet „von Lenz 
und Liebe, 
„Und von sel'ger goldner Zeit, von Männerwürd 
und Freiheitstriebe" 
So, wie du, hat kaum ein Andrer deutscher 
Herzen Glut geschürt, 
Dank Dir, „Deines Geistes hab' ich droben „einen 
Hauch verspürt." 
Dv. M. F. (Kassel). 
Aus alter «ad «eaer M. 
Nekrologe. Am 30. April verschied dahier nach 
'langem Leiden einer der angesehensten Bürger Kassel's, 
dessen Namen weit hinaus über die Grenzen unseres 
Heimathlandes bekannt ist und mit Achtung genannt 
wird, der Justizrath Dr. Hermann Weigel in 
seinem 59ten Lebensjahre. Von Jugend auf erfreute sich 
der Verblichene vermöge seiner persönlichen Liebens 
würdigkeit der allgemeinen Beliebtheit. Er war aus 
gestattet mit den vorzüglichsten Gaben des Geistes 
und des Herzens, reich an Kenntnissen, wohlwollend 
gegen Jedermann, ein treuer Freund und angenehmer 
"Gesellschafter, und so konnte es denn auch nicht fehlen, 
-daß sein Hinscheiden tief empfunden und allgemein 
beklagt wird. Ueber seinen äußeren Lebensgang 
mögen uns folgende Notizen gestaltet sein. Hermann 
Weigel war am 20. December 1828 hier in Kassel 
geboren, er genoß in seiner Jugend die sorgfältigste 
Erziehung, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, 
studirte von 1847 bis 1851 in Bonn, Marburg und 
Berlin Rechtswissenschaft, war von 1852—1856 
Referendar am hiesigen Obergerichte, trat dann aus 
dem juristischen Vorbereitungsdienste aus, um sich 
volkswirthschaftlichen Studien zu widmen. Von 1858 
bis 1862 war er Sekretär der Handelskammer und 
Syndikus der Börse in Breslau, verfaßte in jener 
Zeit mehrere nationalökonomische Schriften, über welche 
sich die Kritik sehr günstig aussprach. Er nahm her 
vorragenden Antheil an den Verhandlungen des Volks" 
wirthschaftlichen Kongresses, dessen ständigem Aus 
schüsse er angehörte. Im Herbst 1862 ließ er sich 
als Advokat rn seiner Vaterstadt nieder, Bon 1863 
bis 1866 war er Mitglied der kurhessischen Stände 
kammer, im Jahre 1867 war er Vertreter des Wahl 
kreises Kassel-Melsungen in konstituirenden Reichstag. 
Zum ersten Reichstag gleichzeitig in den Kreisen 
Kassel-Melsungen und Hanau-Gelnhausen als Pbge- 
ordveter gewählt, nahm er die Wahl im letztgenann 
ten Kreise an und vertrat denselben ununterbrochen 
bis zum Jahre 1878. Er war Mitglied der Depu 
tation, welche im December 1870 vom Reichstage 
nach Versailles entsendet wurde, um dem König von 
Preußen die „Kaiseradresse" zu überbringen. Am 
1. April 1876 wurde Weigel an des verstorbenen 
Oberbürgermeisters Nebelthau Stelle auf Präsentation 
der Stadt Kassel als Mitglied auf Lebenszeit in das 
§ errenhaus berufen, in das er am 18. Mai desselben 
ahres eintrat. Seit 1863 bis an sein Lebensende 
war er Mitglied der Kasseler Gemeindeverwaltung, 
von 1870 bis 1873 bekleidete er die Stelle des zweiten 
Bürgermeisters. Eine lange Reihe von Jahren war 
er auch Vertreter der Stadt Kassel im hessischen 
Kommunallandtage. — Weigel hat sich vielfach um 
seine Vaterstadt verdient gemacht, die in ihm einen 
ihrer besten Söhne verloren hat. Ehre seinem Andenken. 
Gleichfalls am 30. April starb im Kapuzinerkloster 
zu Eichstädt der Pater Bruno Freiherr von 
Korff, der frühere Präfekt des Priesterseminars 
und Direktor des Knabenseminars zu Fulda. Einem 
altadeligen Geschlechte Westfalens angehörend, — er 
war ein naher Verwandter des Bischofs v. Ketteler von 
Mainz —, widmete er sich zunächst der militärischen 
Laufbahn. Er war Offizier im brandenburgischen 
(Zieten'schen) Husaren-Regiment Nr. 3 und machte u. W. 
als solcher 1849 den badischen Feldzug mit. 
Als Premierlieutenant nahm er hiernach seinen Ab 
schied, um sich dem geistlichen Stande zu widmen. 
Am 23. Januar 1852 wurde er in Fulda zum Priester 
geweiht, und verblieb in dieser Diözese, bis er zu Anfang 
des Kulturkampfes int vorigen Jahrzehnt zu Würzburg 
in den Kapuzinerorden trat. Als Präfekt des fuldaer 
Knabenseminars hatte er sich die Liebe und die An 
hänglichkeit seiner Zöglinge iu seltenem Grade erworben, 
als Kapuzinerpater wirkte er namentlich als Beicht 
vater und Volksmissionar. Er war ein frommer,
        

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