Full text: Hessenland (1.1887)

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Als Hornfeck sein schönes Liedlein vorgetragen 
hatte, sah er mich mit stolzer Siegeszuversicht 
an und rief: „Mach' auch so Eins, wenn Du kannst." 
„„Warum nicht?"" entgegnete ich; „es kommt 
nur auf's Probiren an. Sei nur so freundlich, 
recht artigzuzuhören."" Und nun las ich mein 
Liedchen, das so lautete: 
An meiner Brust als Blume nur 
Und doch, wie herrlich ruhst Du hier! 
Vergessen könnt' ich der Natur, 
Denn schöner als in Wald und Flur 
Wird's grün im eig'nen Innern mir. 
Du mußt ein Schlüsselblümlein sein. 
Das heimlich mir das Herz erschloß. 
Wie käm' der Frühling sonst hinein, 
Daß auch so ganz von Sonnenschein 
Und Blüthenduft es überfloß? 
Diesmal wurde nicht kritisch genörgelt, obschon 
Hornfeck stark in der Versuchung war, denn 
eigentlich ärgerte er sich ein wenig, weil sein 
Sieg nicht so zweifellos war, wie er sich's ge 
dacht hatte. Schließlich aber beschlossen wir, 
da wir auf der Bergfeste Spangenberg einen 
Richter doch nicht gut finden konnten, alle sechs 
Gedichte heimlich, auf verbotenen Wegen, meiner 
Braut zu schicken. Diese aber schrieb auf dem 
selben Wege dem Zellenbewohner Nr. 6: „Ich 
finde Ihre drei Gedichte ganz ausgezeichnet schön;" 
und mir auf Nr. 5 schrieb sie noch viel heimlicher, 
nur für mich allein: „Die Deinigen aber ge 
fallen mir doch noch viel besser!" Was konnten 
wir noch mehr wollen? Das Urtheil dieser 
Richterin machte uns alle beide glücklich. 
An dev Küste. 
Von schroffer Felsenküste blick ich hinab auf's Meer, 
Der Brandung lautes Tosen schallt machtvoll um mich her! 
Und weiterhin, da schimmert's so ruhig hoheitsvoll, 
Mein Herz, o Meer, fragt stürmisch, ob es dich lieben soll! ? 
Doch hinter mir, da rauschet der Buchenwald mir zu: 
„Dort drunten haust Verderben, hier findest Leben Du!" 
Da gellet aus der Brandung ein wilder Todesschrei, 
Doch eh' ich kam zu retten, war alles längst vorbei! 
Und wie ich von dem Felsen nun trauernd niederschau', 
Da glänzt es nicht mehr ruhi?. 's ist alles leichengrau, 
Und schwefelhafte Wolken, die hängen schwer herab, 
Und Blitze sausen zuckend in's wüste Wcllengrab! 
Die Hölle scheint entfesselt, der Sturm braust über's Meer 
Und zerrt und peitscht die Wogen allmächtig vor sich her t 
Gespenstisch jagt ein Schiff dort wild schwankend durch 
die Fluth: 
„Gott schütze euch, ihr Armen und stähle euren Muth!" 
NanbrichtderMast! Entsetzlich! „Herr, lenke ihrGeschick!" 
Jst's Regenfluth, — find's Thränen, was mir getrübt 
den «lick? 
„Zurück! Zurück zum Walde!" mein Herz nun schaudernd 
„Das ^kett, ich kann's bewundern, doch lieben kann 
ich's nicht!" 
Ä«S» Lrsderking. 
Girre Uhtands-Uachfeiev 
in Rauschenberg (Är. Mrchhain). 
(27. April 1887). 
Droben, wo die Tannen rauschen auf des Rauschen 
berges Höhen, 
Seh' im Geist ich einmal wieder alle Herrlichkeit erstehen: 
Jenes Schloß mit soviel Fenstern, als das Jahr an 
Tatzen zählt, 
Wo für keinen Tag an neuem Luginsland es hat gefehlt. 
Doch „wo blieben nun die Fenster Rauschenbergs?",, 
fragt man in Hessen, 
Wenn versunkne Pracht so bald schon, ach so bald 
schon wird vergessen, 
Wenn der Großen Trotz und Hochmuth kommt zu 
solchem jähen Fall, 
Wie uns Uhland singt von eitlem Gluck und'Glas 
von Edenhall. * 
Unser Uhland! Also tönt's herüber aus dem Festessaale 
Wo bei seiner Jubelfeier gestern noch in Silberschale 
Gold'ne Früchte hell erglänzten, wo des „Schäfer's 
Sonntagslied", 
Wo das Glöcklein der „Kapelle" wiegten uns in 
Himmelsfried! 
Aber horch! Regt sich's nicht dorten in den alters- 
arauen Mauern? 
Hörst Du da nicht Schwerter klirren, fühlst Du nicht 
geheimes Schauern? 
Ja, der Rauschebart, der Greiner, steigt dort aus 
des Grabes Bann, 
Sammt dem Heldenwort: „Mein Sohn, der fiel, .ist 
wie ein and'rer Manu!"
        

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