Full text: Hessenland (1.1887)

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nicht auf dem Friedrichsplatz. Was hat der 
Künstler mit der Politik zu schaffen! 
Ich weiß auch, wie liebevoll mir einige Freuude 
unter den Kasseler Kollegen nachgesungen haben, 
als ich nicht wiederkam. Arme Mäuse! Nur 
Thoren können es als einen Grund mit für das 
schnelle Ende des Theaters ansehen, daß ich nicht 
wieder kam und die Heinefetter wegblieb. Das 
ist dummes, albernes Geschwätz, wenn es auch 
meiner Eitelkeit schmeichelt." 
Die beiden Bürgergardisten Gerber und 
Schmale fanden alsbald auswärts Engagement, 
ersterer übernahm die Direktion des Stadt- 
theaters in Bremen und Schmale wurde Mit 
glied des Hoftheaters in Schwerin, iu welcher 
Stellung er, von allen Seiten anerkannt und 
geschätzt, bis zu seinem vor etwa 2 Jahren er 
folgten Tod geblieben ist. Das Engagement 
des alten Schmidt war nur von kurzer Dauer, 
schon nach 2 Jahren wurde er mit einer Gnaden 
pension von 5 Thalern monatlich entlassen. Da 
er damit sich, Frau und Tochter nicht ernähren 
konnte, war er auf die Unterstützung alter Freunde 
und Bekannten angewiesen, die ihm dann auch zu 
theil wurde. Mancher erinnert sich wohl noch 
der originellen Erscheinung des alten Künstlers, 
wenn er in Kniehosen, hohen Stiefeln, grünem 
Bieberrock und Pelzmütze Bekannte begrüßte und 
Loose zu einer, von ihm veranstaltelen Ausspiel 
ung eines Papagei, einer Kiste Cigarren, eines 
von Napoleon getragenen Hosenträgers und 
dergl. anbot. Man beruhigte sich gern, wenn 
man nachher ans Befragen von ihm hörte, daß 
seine Tochter Carolina oder ein Göttinger Student 
den Gegenstand gewonnen habe. 
Auf das Theater war er noch seinem Abgang 
schlecht zu sprechen, es sei jetzt dramatischer 
Kloak, früher das wäre eine Bühne gewesen, 
Scydelmann und er, und was hätte er Geld 
gehabt, manchmal für 1000 Thaler Silber auf 
dem Leihhaus. 
Glücklicherweise sind die Zeiten vorüber, wo 
einst verdiente Hofschauspieler ein unverschuldet 
trauriges Ende nehmen, jetzt, wo Pensionsanstalten 
und die Bühnengenossenschaften so segensreich 
wirken. R.-s. 
Kasseler Maler iu den Jahren 1840 dis 1850 
Bon 
g 0 ui & Kertzerrsteirr. 
(Schluß). 
Ickur kurze Zeit der Kasseler Akademie ange- 
M, hörend, waren damals noch einige Maler, 
^ welche später zu Ruf und Ansehen gelangten, 
August von Wille, vor wenigen Wochen in 
Düsseldorf gestorben, ebenso tüchtig alsLandschafts- 
wie als Genremaler, Carl Arnold seit vielen 
Jahren in Berlin, ein vielseitiger Künstler, her 
vorragend besonders in der Darstellung von 
Hunden und endlich Gustav Süß, der sich 
ein bescheidenes Genre erwählt hatte, in diesem 
aber wahrhaft Geniales leistete. Seine Hühner 
bilder sind der ganzen Welt bekannt geworden; 
wen hätte nicht schon jenes kleines Bild gefesselt, 
welches ein eben aus dem Ei gekrochenes Küch 
lein darstellt und wer hätte sich nicht ergötzt an 
dem „Wettlopen tüschen dem Hasen und dem 
Swinegel auf der Lüneburger Haide." Süß 
zählte zu den namhaftesten Düsseldorfer Künstlern. 
Er starb im Jahr 1882. 
Auf der Gemäldeausstellung in 1842 machte 
das lebensgroße Bildniß einer Italienerin, in 
dem malerischen Kostüm von Procida, das Werk 
eines kasseler Malers, Eduard Jhlee. be 
rechtigtes Aufsehen und hatte das seltene Glück, 
in den landesherrlichen Besitz überzugehen. Jhlee 
war ein talentvoller, ernster und fleißiger Künstler 
und wandte sich, nicht ohne Erfolg, der Geschichts 
malerei zu. Aber auch er gehörte zu Denen, 
die in Kassel weder Anerkennung noch Anregung 
fanden. Er lebte längere Zeit in Frankfurt, 
geschätzt als Portraitmaler und ging dann nach 
Italien, wo er sich fast ausschließlich dem Kopiren 
der alten Meister hingab. Zum Professor an 
der hiesigen Akademie ernannt, kehrte er zurück 
und wirkte noch einige Jahre als solcher. Die 
Gemälde-Gallerie hat die zahlreichen Kopien der 
Verstorbenen erworben und in einem eigenen 
Saale aufgestellt; Jhl4e ist aber in diesen Ge 
mälden nur unvollkommen repräsentirt, es sind 
nur kühle Erinnerungen an die Originale, deren 
Farbenzauber nicht erreicht ist. 
Ganz abseits von allem Verkehr mit anderen 
kasseler Malern lebte und arbeitete KarlNahl, 
aus einer, an bedeutendenKünstlern reichen Familiie 
hervorgegangen. Mir ist es nicht bekannt, wem er 
seine Ausbildung verdankt, ich vermuthe nur, daß 
er wesentlich Autodidakt war. Bei der Wahl 
des Stoffes zu seinen Gemälden, hatte er iu 
erster Linie solche im Auge, die ihm Gelegenheit 
gaben, seine Geschicklichkeit in der Malerei von 
prächtigen Gewändern, blitzenden Geschmeiden 
und vor Allem in wirksamer Lampen- nnd Mond-
        

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