Full text: Hessenland (1.1887)

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Heid" müssen wir uns eine krein.e Berichtigung dahin 
gestatten, daß dasselbe nämlich schon im Jahr 1838 
öffentlich erschienen ist, und zwar im „Hessischen Album 
für Literatur und Kunst" herausgegeben von Franz 
Dingelstedt. Es befindet sich hier auf S. 177 unter 
der Bezeichnung „Reliquie eines Verschollenen", ohne 
daß dessen Namen genannt wäre. Es führt außerdem 
noch die Ueberschrtft „Das heimliche Lied", wohl durch 
Druckfehler statt „Leid" gesetzt. 
Ferner möchten wir die bezügliche Legende nicht un 
erwähnt lassen, daß nicht das ganze Gedicht von E. 
Koch herrühren soll, vielmehr nur die drei letzten 
Strophen, welcher Zusammenhang folgendermaßen er 
läutert wird. Der Verfasser soll in einer Gesellschaft 
die ersteStrophe von einerSängerin haben vortragen hö 
ren, und als diese aufgefordert, das Lied doch zn Ende zu 
singen, erklärt habe, daß sie die weiteren Verse nicht 
kenne, soll Koch ihr nach einigen Tagen diese von ihm 
versuchte Vervollständigung des Gedichts überreicht 
haben. Hieraus würde auch hervorgehen, daß ein Gedicht 
mit der gleichen Anfangsstrophe von älterem Ursprung 
vorhanden sein dürfte. Zngleich besagt auch noch die 
Ueberlieferung, daß es im Original in er zweiten 
Strophe, Zeile 2 von unten, statt „jubelnd" eigentlich 
„nimmer" geheißen habe, was allerdings dem Sinne 
nach entsprechender wäre. 
Hessische Mcherschau. 
Sappho, Drama in 1 Akt von G. Conrad. 
Berlin. W. Strikker. Der erlauchte Verfasser ist 
wohl mit Recht zu den Autoren von hessischer Ab 
kunft zu zählen, denn er ist ein Urenkel des Kurfürsten 
Wilhelm I., nämlich der Prinz Georg von Preußen, 
geboren 1826 zu Düsseldorf. 
In einer hochpoetischen Widmung an Grillparzer, 
»bcr ebenfalls eine Sappho dichtete, sprich: sich die 
ideale Tendenz des Autors deutlich aus. In der 
reinen Form der Antike — sapphisches Bersmaaß — 
wird ein blühender lebensvoller leidenschaftlicher Jn- 
chalt dargeboten, gleichsam glühende Rosen in weißem 
Marmor! * * * 
Die bleibende Bedeutung der Brüder 
Grimm für die Bildung der deutschen 
Jugend an den Märchen, Sagen, der Heldensage 
und Mythologie dargelegt von Dr. R. I. Eugen 
Labes. (4°, 32 S.) Wissenschaftliche Programm- 
Beilage des Gymnasiums zu Rostock 1887. 
Verfasser hat sich die dankenswerthe Aufgabe ge 
stellt, durch genaueres Eingehen auf einzelne Werke 
des großen hessischen Brüderpaares, durch Gewinn 
ung eines Einblicks in ihres Geistes Eigenart, ihre 
bindende Bedeutung für die Bildung der deutschen 
Jugend darzulegen. Er zeigt, was die Bildung 
unserer Jugend iynen auf den verschiedenen Gebieten 
btx Wissenschaft, der Kunst und Religion verdankt, 
mit einem Hinweis darauf, daß manches von dem, 
was sie uns erarbeitet haben, erst noch von uns er 
worben und angeeignet werden muß, damit wir es 
in Wahrheit unser eigen nennen und für die Bildung 
kommender Geschlechter verwerthen können. 
Zum Schluss seiner Ausführungen giebt Verfasser 
den Anfang von Jacob Grimm's in Göttingen (am 
13. XI. 1830) gehaltener Antrittsrede „Be desiderio 
patriae“ zum ersten Male in deutscher Uebersetzung. 
Das Manuskript zu dieser Rede hat Gust. Hinrichs 
im Jahre 1880 entdeckt und in der Steinmeyer'schen 
Zeitschrift für deutsches.Alterthum N. F. XIII., 3.1881 
veröffentlicht. Bis dahin war nur ein freier Auszug 
der Rede veröffentlicht worden. Wir können es uns 
nicht versagen, hier einige Stellen aus der Ueber 
setzung mitzutheilen. „Nichts gewährt uns größere 
Sicherheit und wehrt mehr den Sorgen, als das Vater 
land. Da heißen wir doch gewiß sicher und geborgen, 
wo wir zu Land und Heuten das größte Ver 
trauen haben und nichts von denselben zu fürchten 
haben. Zu welchem Lande können wir auf dem ganzen 
großen Erdenruude volleres Vertrauen haben, als zu 
dem, das uns nährende Mutter gewesen, in dem wir 
von Kindesbeinen an jeden Weg und Fußsteig durch 
wandert? In dem wir verlebt der Jugend goldne 
Zeit, an deren süße Erinnerung keine andere^ eines 
Menschenlebens auch nur von ferne heranreicht. Da 
schauen Berge und Hügel so freundlich uns an, da' 
reden gleichsam Flüsse und Bächlein so befreundet zu 
uns eine Rede, welche Auswärtige und Fremde nicht 
verstehen. Welchen Menschen ferner können wir zu 
verlässiger Glauben schenken, als denen, die uns er 
zeugt und erzogen, deren zärtliche Liebe gegen uns 
leuchtende Zeugnisse auf das deutlichste bezeugen. 
Reden nicht aus dem Grabeshüstel unserer Eltern, 
deren Asche ruht in der heimatlichen Erde Mutter- 
schooße, Stimmen, deren mächtige Mahnung wir 
deutlich zu vernehmen glauben? Etwas Großes ist 
es, durch die gleichen Denkmäler sich der Thaten 
unserer Vorfuhren zu erinnern, Gotteshaus, Gottes 
dienst und Grabmäler grmeinsam zu haben. U. s. w." 
— Wahrlich Jacob Grimm giebt uns den Beleg da 
für, daß die Liebe zur engeren Heimat recht 
gut in Einklang steht mit der Liebe zum 
großen deutschen Vaterlande. A. 
Krirstaste«. 
Schw.; N. F., Kasset; N. n., Melsungen. Dankend 
angenommen 
6. W., Kassel. Von der Jahreszeit bereits überholt. 
H. F., Bromberg. Wir werden einige der Gedichte 
gern abdrucken. 
Ph. v. A., Marburg. Wir sehen weiteren Beiträgen 
gern entgegen. 
H. O., Hanau. Natürlich stehen Ihnen wie jedem 
Leser unserer Zeitschrift, Exemplare derselben in der ge 
wünschten Anzahl, behufs Verbreitung, zur Verfügung. 
Inhalt der Nummer 3 des „Hessenland": „Auf 
Wilhelmshöhe", Gedicht von Feodor Löwe; „Bon den 
Schätzen des alten Kurfürsten"; „Kasseler Maler in den 
Jahren 1840—1850", von Louis Katzenstein; „Krieg im 
Frieden", ein Genrebild aus der Rococozeit, von Joseph 
Grineau (Schluß); „Klärung", Gedicht von A. Trabert; 
„Immer weiter", Gedicht von Karl Preser; Aus alter 
und neuer Zeit, Briefkasten. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zw enger in Kassel. Druck von Wilh. Thiele in Kassel.
	        

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