Full text: Hessenland (1.1887)

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Zur Zeit seines Kasseler Aufenthaltes arbei 
tete er in Gemeinschaft mit seinen Freunden 
Fr. Gunkel, dem Historienmaler, und dem Bild 
hauer Gustav Kaupert in einem überaus 
bescheidenen Raume am Steinweg. 
Gunkel, aus ärmlichen Verhältnissen hervorge 
gangen, war ein tüchtiger Zeichner und hatte 
«inen feinen Farbensinn. Er komponirte seine 
geschichtlichen Darstellungen mit seltener Noblesse 
und galt unter uns für die eigentliche Perle der 
Kasseler Maler. Seine weitere Kunstthätigkeit 
bewies indeß, daß ihn seine Freunde überschätzt 
hatten. Er ging nach Rom und bekam dort 
durch Fürsprache einflußreicher Gönner einen Auf 
trag vom König Ludwig von Bayern, für das 
Maximilianeum in München, ein Kolossalbild — 
die Hermannsschlacht, zu malen. Das Bild 
wurde gemalt, entsprach aber den Erwartungen 
nicht. Das Können des Künstlers reichte dafür 
nicht aus. Vielleicht war es dies Gefühl und 
daß man ihn allmälig fallen ließ, was ihn immer 
trübsinniger machte und schließlich zum Selbst 
mord trieb. 
Der Dritte in diesem Bunde, noch lebend und 
rüstig schassend als einer der genialsten deut 
schen Bildhauer, gegenwärtig in Frankfurt, war 
Gustav Kaupert, wenn ich mich recht erinnere, 
ein Schüler Schwanthalers. Die Gestalten 
dieses gemüthvollen Künstlers zeigen bei aller 
Kraft eine seltene Grazie und Innigkeit der Em 
pfindung. Kaupert ist der jüngere Bruder des 
vor einigen Jahren verstorbenen ausgezeichneten 
Goldschmieds, der ein ächter Künstler in seinem 
Fache und eine Zierde unserer Stadt war. 
Seine sympathische. Allen bekannte Persönlichkeit 
erinnerte in ihrer schlichten Einfachheit wohl an 
jene unsterblichen Kunsthandwerker, welche das 
alte Nürnberg berühmt gemacht, an Adam Krasft 
und Peter Bischer. 
(Schluß folgt.) 
Krieg im Friede«. 
Gin Genrebild aus der NococoM von Joseph Grineau. 
(Schluß). 
rglühend und dann wieder jäh erbleichend schlug 
sie die Augen nieder wie eine ertappte Diebin. 
„Was treibt denn die Demoiselle für Contre- 
bande?" fuhr der Fürst fort, indem sein Blick 
den Korb am Boden streifte, aus welchem ver- 
rätherisch ein Flaschenhals hervorlugte. 
„Ach Gnade, hochfürstliche Gnaden, Gnade!" 
Mehr brachten die bebenden Mädchenlippen nicht 
hervor. 
Da raschelte es mit einem Male hinter der 
hohen regelrecht gezogenen Laubwand, und Einer, 
der dort schon eine ganze Weile auf der Lauer 
gestanden und sich nun den Ruhm einer stolzen 
Kriegesthat sowie auch die für die Entdeckung 
ausgesetzten zehn Gulden nicht entgehen lassen 
wollte, trat hervor und meldete: 
„Hochfürstliche Gnaden, der Wachtmeister von 
den Leibhusaren macht die allersubmisseste Meldung, 
daß er den Spion auf dem Thorthurm entdeckt 
hat." 
Der Fürst blickte überrascht den Krieger an. 
„So nehm' er ihn gefangen," kam es dann 
kurz von seinen Lippen. „Doch halt, ein paar 
von seinen Leuten sollen ihn begleiten." 
„Barmherzigkeit, allergnädigster Herr Fürst 
bischof," schrie Nanderl, jetzt wirklich in die Knie 
finkend. „Er ist ja gar kein Spion, er ist bei 
meiner Seel' der ehrlichste Mensch von der Welt, 
denn sonst wär' er nicht gekommen." 
„Und wer ist die Demoiselle?" 
„Ich heiße Nanny Buchmann aus Würzburg 
und bin die Nichte des Wildmeisters —" 
„Auch aus Würzburg!" unterbrach sie der 
Fürst mit einem durchbohrenden Blick. „Und 
da ist Sie wohl in heimlichem Einverständniß 
mit dem Burschen?" 
„Ja, gnädigster Herr Fürst, das bin ich," 
schluchzte Nanderl. „Schon seit zwei Jahren 
haben wir uns heimlich gern und er ist mir 
immer treu gewesen. Und wenn er das Examen 
erst gemacht hat, dann wird auch gewiß der Vater 
nichts mehr dagegen haben; — er mag nur die 
Studenten nicht, — ach, der Kilian ist doch gar 
so brav." 
„Stehe Sie auf," sagte Amandus, denn der 
Wachtmeister nahte jetzt mit vier Leibhusaren, 
die alle auf des Letzteren lautes Kommandowort 
den Karabiner vor ihrem Fürsten präsentirten. 
„Nehme Er dem Gefährlichen gleich alle Schrift 
stücke ab, und bringe Er ihn einstweilen in die 
Wachtstube, später soll er denn auf die Festung 
transportirt werden, wo wir sichere Verließe 
haben," befahl der Fürst und wandte sich, um 
rasch dem Schlößchen zuzuschreiten. 
Nanderl aber weinte so kläglich aus Herzens 
grund, daß der Herr Wachtmeister nicht umhin 
konnte, ihr tut Vorbeimaschieren zuzuflüstern: 
„Ja, schönstesJnngfräulein, derMusje Liebste wird
        

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