Full text: Hessenland (1.1887)

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strophe im Jahre 1806 gemacht sein. Dieser 
Posten war in dem oben erwähnten Kapitalien- 
verzeichniß nicht eingetragen. Trotzdem nun, daß 
Bremen eine französische Stadt wurde, Weser 
und .Elbmündnng wurden mit Frankreich ver 
einigt, der cs leicht werden mußte, den Nachlaß 
der Schuld von Napoleon zu erlangen, zumal 
nach Vereinigung des Staats Bremen mit dem 
Kaiserreich dieses Schuldner wurde, verlautete 
über diese Schuld während der Franzosenzeit 
nichts. Unaufgefordert ka>n dagegen der Bürger 
meister Smidt im Jahre 1814 nach Kassel, und 
zahlte dem Kurfürsten persönlich das Kapital 
und siebenjährige Zinsen. Auf die Frage, was 
denn der Kurfürst gesagt habe, erwiderte Smidt: 
er sagte zu mir. Sie sind ein Ehrenmann, leider 
kann ich das nicht von allen meinen Schuldnern 
sagen. 
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Kasseler Maler in den Jahren 1840 bis 1850. 
Bon 
gjdrni* Katzerrste Irr. 
enn man zurückblickt auf die stattliche Reihe 
MW von Künstlern, talentvolle und zum Theil 
* hochbegabte Männer, welche in dem obigen 
Decennium theils längere, theils kürzere Zeit in 
Kassel thätig waren, so muß man sich wundern, 
daß ein eigentliches Kunstteben trotzdem hier 
niemals hat zur Blüthe kommen können, daß 
wahrhaft Bedeutendes in Bezug auf Malerei 
in jener Zeit hier nicht entstand. Und doch war 
unsere schöne Stadt mehr wie manche andere 
von gleicher Bedeutung dazu angethan, um eine 
anregende Heimstätte für die bildenden Künste 
zu werden. Die Bedingungen dazu waren vor 
handen, in so fern eine herrliche landschaftliche 
Natur und ein Schatz von Meisterwerken der 
Malerei aus der Blüthezeit der niederländischen 
Kunst, wie ihn kostbarer kein Ort der Welt aus 
zuweisen hat, genügt hätten, um Künstler heran 
zuziehen. Aber freilich, was nicht vorhanden 
war und ohne welches ein Gedeihen der Kunst 
nicht denkbar ist, das war eine lebendige Theil 
nahme der Bevölkerung an künstlerischen Dingen 
und die Gilnst und das Verständniß eines kunst 
sinnigen Fürstenhauses. 
Kassel besaß schon seit vielen Jahren eine 
Akademie der bildenden Künste, in deren Statu 
ten noch der Geist jenes kunstfreundlicheu Land 
grafen Karl zu leben scheint, der es verstanden 
hatte eine bedeutsame Künstlerthätigkeit in Kassel 
hervorzurufen. 
Ich kann mir es nicht versagen, aus einem 
„Regulativ für die Akademie der bildendeu Künste" 
vom Jahre 1839 einige Paragraphen anzuführen, 
zum Beweise für den Ernst und das Wohlwollen, 
mit welchen man die Künste fördern wollte. Es 
heißt da: 
§. 26. Um ihrem angegebenen Zwecke zu 
entsprechen, bildet die Akademie den Mittel 
punkt eines weitern Vereins von in- und aus 
ländischen Künstlern, Kunstfreunden, Gelehrten 
und überhaupt von solchen Personen, welche 
durch Talent, Geschmack, Wissenschaft und 
sonst geeignete Verhältnisse im Stande sind, 
der Kunst zu nützen und durch Mittheilung 
theoretischer und praktischer Kenntnisse. Kunst 
und Kunstindustrie zu befördern. 
Das Streben dieses Kunstvereius und jedes 
einzelnen Mitgliedes desselben wird dahin ge 
richtet sein, sich von allen Erscheinungen im 
Gebiete der bildenden Kunst Kunde zu ver 
schaffen, verborgene Talente aufzufinden und 
überhaupt alles sonst vereinzelte Kunststreben, 
zunächst im Jnlande um einen festen Mittel 
punkt zu sammeln, damit Kunst und Künstler 
vor jedem einseitigen und beschränkten Streben 
bewahrt bleiben, n. s. w. 
§. 27. Dre Akademie ist verpflichtet, auf 
Anordnung des Ministeriums bei allen Gegen 
ständen des Geschmacks, bei Errichtung von 
Gebäuden und Denkmälern, namentlich von 
öffentlichen, bei Einrichtung größerer öffent- 
Feste, bei Verfertigung von Modellen, Münzen, 
nicht nur ihren Rath zu ertheilen, sondern auch 
eine geeignete Mitwirkung eintreten zu lasten. — 
Wie wenig in neuerer und neuester Zeit 
im Sinne dieses letzten Paragraphen in unserer 
Stadt verfahren wurde, bezeugen die zahlreichen 
Geschmacklosigkeiten, die wir in Bezug auf plast 
ischen Schmuck haben entstehen sehen. — Jene 
von wahrer Kunstliebe dittirten Bestimmungen 
scheinen aber bald in Vergessenheit gerathen zu 
sein, oder wurden nur in kümmerlichster Weise 
erfüllt. Die Ungunst der Verhältnisse war so 
groß, daß man in Kassel kaum Kenntniß von 
der Existenz der Akademie hatte. Der kurfürst 
liche Hof verhielt sich gleichgültig, ja ablehnend 
gegen alle Kunstbestrebungen, und es kam so weit, 
daß unsere herrlichen Sammlungen dem Studium
	        

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