Full text: Hessenland (1.1887)

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Honorarprofessoren gewählt': der Philosoph Hartig; 
die Theologen Theremin, Frommann, v. d. Goltz, 
Brückner; ferner Generalarzt Lauer, Aegidi, Lazarus 
und der Chirurg Edm. Rose. A. 
* . * 
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Gegen Ende März d. I. stieß in Ertzebach; 
einem kleinen Waldorte bei Hersfeld, ein Bauer beim 
Graben auf einen mit Brakteaten, d. h. blatt- 
ärtig dünnen Silbermünzen, gefüllten Topf. Im 
Ganzen mögen es gegen 150 Stück gewesen sein, 
die aber nicht alle in einer Hand vereinigt werden 
konnten. Die meisten gehörten ihrer Umschrift nach 
den Aebten Siegfried von Hersfeld 1180—1200 und 
J'chann I. von Hersfeld 1201—1213 an. Außer 
diesen sind noch einige Dynastenbrakteaten vorhanden. 
Die Größe der Stücke beträgt etwa diejenige eines 
2 Thalerstücks, nur sind sie natürlich viel dünner; die 
Erhaltung und Prägung ist vortrefflich, überhaupt 
gehören diese Brakteaten zu den schönsten, welche je 
mals in Hessen gefunden sind. O. 
Hessische Kiicherscha«. 
„Der Born der Liebe. Eine hessische Sage. 
Dichtung in zehn Gesängen von Hugo Freder- 
king. Bromberg. Mittler'sche Buchhandlung (E. 
Fromm) 1885." Der Inhalt der hessischen Sage, 
welche der Verfasser seinem Epos zu Grunde legt, 
ist kurz der folgende: 
Ein junger Handwerksmeister liebt die einzige 
Tochter des Bürgermeisters von Spangenberg. Letzterer 
sucht seinen Lebensruhm darin, den Mitbürgern eine 
Quellenleitung zu verschaffen; diese Aufgabe 
kostet Geld und unsägliche Schwierigkeiten. Der 
Alte läßt sich zur Verbindung seiner Tochter mit dem 
von ihm gehaßten Neffen unter der Bedingung her 
bei, daß letzterer in einem Jahre das Brunnenkunst 
stück vollbringe. Die Fertigstellung des Brunnens 
wird schließlich durch den Tod der beiden Liebenden 
erreicht, welche an den Folgen der überanstrengenden 
Arbeit sterben. Der halb wahnsinnige Bürgermeister > 
sieht sein schwer errungenes Werk Abstehen und endet 
dann gleichfalls. 
Ort und Zeit, in welcher der Dichter uns versetzt, 
sind uns durch Kinkels Dichtung „Otto der Schütz" 
nahegerückt. So haben wir einen festen Boden unter 
den Füßen und Frederking versteht es, diesen historischen 
Hintergrund in geeigneter Weise zu verwerthen. 
Gut ist die Charakteristik der einzelnen Personen, die 
in lebensvoller Wirklichkeit vor uns treten; die Be 
handlung zeugt von poetischer Begabung und Form 
talent, nicht zum Mindesten in den eingestreuten Lieder, 
obwohl diese den epischen Charakter des Ganzen zu 
durchbrechen scheinen. In Bezug auf die Behandlung 
des Reimes möchten wir wünschen, daß der Verfasser 
bei einer zweiten Auflage noch etwas nachfeilen wollte. 
Wir glauben, daß das Buch (dessen Preis bei elegantem 
Einband 4 M. beträgt), in Hessen viele Freunde ge 
winnen wird, um so mehr, als es ein erfreuliches 
Zeichen ist, daß auch in unserer Zeit die strengere 
epische Dichtung noch Jünger findet. S. 
Heim athskunde von Kassel und Um 
gegend. Bearbeitet von A. Gltd, Kassel. Ver 
lag von Ferdinand Keßler. 1885. Preis 60 Pfg. 
Die vorliegende Schrift ist keineswegs nur Schulbuchs 
sie biejet vielmehr auch des Interessanten genug für 
jeden Bewohner von Kassel und Umgegend, dann aber 
auch für jeden Auswärtigen, der Kassel und seine Um 
gegend kennt oder genau kennen lernen will, wie ins 
besondere noch für jeden Lehrer, der seinen Heimathsort 
und dessen Umgegend, gemäß den neuesten Forderungen 
der Methodik an den hochwichtigen Gegenstand der 
speziellen Heimathskunde, bearbeiten will. Dazu ent 
hält das Büchlein eine Beschreibung des Regierungsbe 
zirks Kassel, die für jede Schule in der vorliegenden 
Form benutzt werden kann. Der Bewohner von Kassel 
findet in demselben den wesentlichen Inhalt der Ge 
schichte von Kassel (man könnte das Büchlein iu 
diesem Sinne den „Kleinen Piderit" nennen), der 
Auswärtige einen „Führer", der nichts Wesentliches 
unerwähnt und unerklärt läßt, der Lehrer ein brauch 
bares Unterrichtsmittel. Wir empfehlen daher 
das Büchlein auf das Angelegentlichste. Z. 
Knestksie«. 
Mehrere Mitarbeiter. In Folge eines Versehens^ 
das wir zu entschuldigen bitten, erfolgt theilweise erst 
heute an dieser Stelle die Beantwortung mehrfacher an 
uns gerichteter Briefe u. s. w. 
F. T., J. L. in Kassel, C. Pr. Wächters bach^ 
H. Fr. Bromberg. Wird baldigst benutzt. 
R. T. Kassel, E. B. Marburg, J. T. Sontra, 
A. 8. Arnstadt. Bereits Gedrucktes können wir nicht 
verwenden. Wir bitten Sie daher, uns recht bald durch 
Einfeudung von Originalbeiträgen zu erfreuen. 
Ehemaliger Hcrsfelder Gymnasiast, Kassel. Würden Sie 
uns nicht Ihre Adresse angeben? Wir hätten mit Ihnen 
wegen etwaigen Abdruckes Ihrer Einsendung Rücksprache 
zu nehmen. 
R. Hanau. Wird nach Wunsch besorgt. 
Nach Frankfurt a. M. Mit dem Artikel „Die Schätze 
des alten Kurfürsten" beginnen wir in der nächsten 
Nummer unserer Zeitschrift. 
R. J. Colima (Mexiko). Freundlichsten Dank und 
hessischen Gruß „Uebels Meer." Die Einsendung wird 
demnächst verwendet werden. 
Inhalt der Nummer 8 des „Heffenland": „DaS heim 
liche Leid", Gedicht von Ernst Koch; Georg Ferdinand 
Freiherr von Lepel (Schluß); „Mittheilungen als Beitrag 
zur Geschichte des früheren kurhesfischen Iten (Leib-tz 
Husaren-Regiments, jetzt königlich preußisches 1. hessisches 
Husaren-Regiments Nr. 13", von einem früheren Offizier 
dieses Regiments (Schluß); „Wie mein Vater um 1825 die 
Schwälmer fand", von H. von Pfister; „Krieg im Frie 
den", ein Genrebild aus der Rococozeit von Joseph Gri- 
neau; (Forts.); „Erinnerung", Gedicht von D. Saul; 
„Lenz", Gedicht von I. Lewalter; Aphorismen von 
Feodor Löwe; Aus alter und neuer Zeit; hessische 
Bücherschau; Briefkasten. 
Verantwortlicher Redakteur nud Verleger F. Zwenger iu Kassel. Druck von Wilh. Thiele in Kassel.
        

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