Full text: Hessenland (1.1887)

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Regiment das Lob beilegen muß, daß cs sich in 
der Attaque ganz cxtraordinair gehalten hat. Ich 
nehme mir daher die unterthänigste Freiheit Ew. 
Hochfürstlichen Durchlaucht dasselbe zu fernerer 
hohen Gnade unterthänigst zu rekommandiren." 
Nachdem das Leib-Dragoner-Regiment an den 
Schlachten bei Vellingshausen am 16. Juli 1761, 
bei Wilhelmsthal am 24. Juni 1762, bei 
Grueningen am 25. August 1762 rühmlichen 
Theil genommen, war ihm noch am Schluß des 
blutigen Krieges ein besonderer Ehrentag am 
11. September 1762 unter den Augen des Her 
zogs Ferdinand von Braunschweig in der Affaire 
bei Atzenheim beschieden. 
In dem Journal des kommandirenden hessischen 
Generals vom 9. bis 14. September wird da 
rüber gesagt: 
„Bei dem Rückzug kam die Arriöregarde ruhig 
bis Atzenheim, wurde aber hier von dem Feinde 
beunruhigt. Die Affaire wurde je länger, je 
serieuser. Der Feind, wenigstens 1000 Pferde 
stark, attaquirte unsere zu äußerst marschirenden 
Truppen dergestalt, daß sie sämmtlich in Kon 
fusion zurückgingen und dem Leib-Dragoner- 
Regiment dergestalt nahe kamen, daß selbiges 
fast keine Zeit hatte, sich zu formiren. In 
zwischen that solches alles, was man von braven 
Leuten erwarten konnte, es behielt alle conte- 
nance, formirte sich in der äußersten Geschwindig 
keit und hieb in die feindlichen Escadrons so 
iurioso ein, daß es selbige trennte, eine außer 
ordentliche ma88acre unter denselben anrichtete 
und sie dergestalt zurückschlug, daß sie sich nicht 
unterstanden, den Marsch unserer Arrisregarde 
weiter zu beunruhigen. Gefangene wurden we 
nige gemacht, da die Leib-Dragoner sich mehr 
bemühten, die Feinde niederzuhauen, als ge 
fangen zu nehmen. 
Da das ganz außerordentlich brave Betragen 
dieses Regiments im Angesicht des Herzogs 
geschehen, so haben Hochdieselben noch an diesem 
Abend im Hauptquartier zu Schweinsberg dem 
Prinzen von Anhalt mit ganz besondern Aus 
drücken und Elogen Ihre Zufriedenheit hierüber 
bezeigt und befohlen, dem Regiment in Höchst- 
derselben Namen Ihre Danksagung abzustatten, 
und daß die bezeigte Bravour und Conduite der 
ganzen Armee bekannt gemacht und angerübmt 
zu werden meritirte."— 
In den für die hessischen Truppen so be 
schwerlichen und unglücklichen Feldzügen gegen 
das französische Revolutionsheer in den Jahren 
1792 bis 1795 in der Champagne, am Rhein, 
in Flandern und Westphalen haben Mißgeschicke 
aller Art die Manneszucht, den Muth, die Trene 
und Ausdauer der braven Dragoner niemals zu 
beugen vermocht, wohl aber werden zahlreiche 
Beispiele ihrer vortrefflichen Haltung io der Ge 
schichte dieser Kriege erwähnt.. 
So theilt von Ditfurth in seinen Erzählungen 
aus der hessischen Kriegsgeschichte Folgendes mit: 
Am Morgen des 19. April 1794 passirte die 
hessische Kavallerie (bei Denain) vor sehr über 
legenen Streitkräften einen Engpaß im gestreck 
ten Galopp. Da erscholl plötzlich von hinten dev 
Ruf: Hessen Leib-Dragoner Kehrt schwenken, den 
Oberst heraushauen, der Oberst ist gefangen. 
Wie auf Kommando machte das Regiment Kehrt 
und jagte zurück, stieß aber auf eine ebenfalls 
im Galopp zurückgehende Escadron der hessischen 
Carabiniers, wodurch ein furchtbares Gedränge 
entstand. Allein das Regiment ließ seinen ge 
liebten Kommandeur Oberst v. Schenk nicht im 
Stich, wenn auch bei dem erfolgten Zusammen 
stoß mit dem Feinde 6 Offiziere und 70 Dra 
goner theils den Tod fanden, theils in Gefangen 
schaft geriethen. 
Ein österreichischer Offizier, Rittmeister von 
Nasty, erzählt von den Leib-Dragonern in Flan 
dern in seiner Schrift „Züge aus dem Soldaten^ 
leben". Folgendes: 
Ein aus hessischen Leib-Draganern bestehendes 
Kommando machte ganze sieben Wochen lang in 
dieser Zeit die Arrivregarde, kein Pferd wurde 
abgesattelt und jedes den Abend aufgezäumt. 
Offiziere und Soldaten legten sich neben ihre 
Pferde, um auf den ersten Schuß bereit zu sein. 
Das Regiment hat den ganzen Krieg über 
mit den österreichischen Regimentern den gleichen 
Dienst gethan, während es doch nur die halbe 
Stärke hatte, also alles Ungemach, das unglaub 
lich groß war, doppelt getragen. Mit der größ 
ten Munterkeit haben sie allen Elementen, Hunger 
und Durst Trotz geboten und es sich nie zu 
Schulden kommen lassen, überfallen zu werden." 
Wie das gesammte hessische Heer, wurde auch 
dieses Regiment im Jahre 1806 beurlaubt. 
Seine letzte Garnison war Fritzlar (3 Escadrons) 
und Gudensberg (2 Escadrons). 
Im Jahre 1809 erichtete Kurfürst Wilhelm 
I. in Prag eine Escadron des Regiments, welche 
aber noch in demselben Jahre nach Besiegung 
der Oesterreicher wieder beurlaubt wurde. Diese 
Escadron hatte an den Streifzügen nach Sachsen 
und Bayern, an der Einnahme Dresdens und 
dem Wilsdruffer Gefecht theilgenommen. Das 
nach Wiederherstellung des Kurstaates wieder 
einberufene Regiment war in den Freiheitskriegen 
im Jahre 1814 bei den Belagerungen von Metz 
und Thionville und im Jahre 1815 bei den Be
	        

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