Full text: Hessenland (1.1887)

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Dementi geben und die Besitzergreifung zurück- 
uehmen kann. Allein ich werde Befehl ertheilen, 
daß man die kurfürstlichen Behörden in der 
Justiz- und Civil-Verwaltung, Steuererhebung rc. 
in jenen Ortschaften in keiner Weise störe, dann 
mögen die affigirten Patente hängen bleiben, bis 
Regen und Wind sie herabfallen machen. Sind 
Sie damit zufrieden? Begreiflich war ich es 
und sprach meinen Dank aus. Das verdanken 
Sie Ihren Akten, lachte er. Nun von etwas 
Anderem. 
Beim Mittagsessen war er sehr aufgeräumt, 
und ich schmeichle mir, daß es mir gelang noch 
einige meinem Herrn nachtheilige Ansichten zu 
berichtigen. Wir schieden im besten Vernehmen. 
Während des Wiener Kongresses wartete ich ihm 
etlichemal auf, ihm das Interesse meines Herrn 
zu empfehlen, doch sein Einfluß war damals 
schon sehr im Sinken. Für die deutschen An 
gelegenheiten, insbesondere die Herstellung von 
Landständen in den einzelnen deutschen Staaten 
interessirte er sich vorzüglich. Darum ließ er 
mir auch für die Note der nicht königlichen deutschen 
Bevollmächtigten vom 16. Oktober 1814, wozu 
ich den ersten Entwurf gemacht hatte, Anerkennung 
zu Theil werden. 
Im Jahre 1819 besuchte ich ihn in Nassau, 
er war sehr freundlich, zeigte mir seinen Thurm 
und Garten, von Geschäften war aber nicht die 
Rede, so wenig als späterhin in Frankfurt, wo 
er im Allgemeinen verstimmt und mit dem Gange 
der öffentlichen Angelegenheiten wenig zufrieden 
war. Vielleicht entfremdete mich auch die Oppo 
sition gegen Preußen, welche ich damals im 
Interesse meines speciellen Vaterlands Hessen zu 
manuteniren half, dem vormaligen preußischen 
Minister, doch glaube ich seine persönliche Achtung 
behalten zu haben, und bin stolz daraus. 
gez. G. F. Frhr. von Lepel. 
— — 
Mittheilungen 
als Antrag M Geschichte des früheren kurhMchr« I. Eeibj-Hnsaren-Regiments, 
jetzt lriiaigl. preußisches I. hesfisches Hasaren-Kegimeat Nr. 13. 
Von einem früheren Officier dieses Regiments. 
(Schluß). 
f erselbe General Wutginau berichtet über die 
hessische Cavallerie in der siegreichen Schlacht 
bei Crefeld (23. Juni 1758): 
„Die hessische Cavallerie hat sich unvergleich 
lich gehalten. Das Leib-Dragoner- und das 
Leib-Cavallerie-Regiment haben großen Antheil 
an dem errungenen Siege, indem sie die feind 
liche Cavallerie, auf die sie trafen, über den 
Haufen warfen und zur Flucht nöthigten. Zu 
letzt noch ritten sie unter wesentlicher Unter 
stützung der von Lieutenant von Ende komman- 
dirten Artillerie des Infanterie-Regiments Prinz 
Karl zwei französische Cavaüerie-Regimenter nie 
der und eroberten 3 Standarten, eine davon 
Oberst von Stein mit eigener Hand." 
Nicht minder wird das Verhalten der Leib- 
Dragoner- und aller hessischen Truppen in der 
Schlacht bei Minden (13. August 1759) gerühmt. 
Wutginau berichtet darüber an den Landgrafen: 
„Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht treuen Hessen, 
vom höchsten bis zum niedrigsten, Cavallerie, 
Infanterie, keinen ausgenommen, muß nach 
meiner Pflicht das Lob beimessen, daß jeder seine 
Schuldigkeit mit ausnehmender Bravour gethan 
und mit solchem Muthe und Tapferkeit dem 
Feinde unter die Augen und in's Feuer nicht 
gegangen, sondern gelaufen ist. Die hes 
sische Cavallerie hat sich sehr distinguirt und aus 
nehmende Proben ihrer Tapferkest erwiesen, wo 
von sie eroberte Kanonen, Fahnen, Standarten 
und Pauken aufzuweisen hat." 
Das Leib-Dragoner-Regiment selbst hatte eine 
Fahne erobert, und kommen auf die ihm später 
einverleibten Truppentheile an Trophäen dieses 
Tages außerdem noch: 3 Kanonen, 3 Fahnen und 
ein Paar Pauken. Nach dem Journal des Regi 
ments haben die Leib-Dragoner und andere 
hessische Cavallerie an diesem Tage auch noch 
unter dem Kommando des Generals von Urff 
bei Verfolgung des Feindes dessen schwere Be- 
gage erbeutet und 6 bis 700 Mann der Be 
deckung gefangen genommen. Nach einem Be 
richt des Regiments-Komandeurs General von 
Hanstein haben die Leib-Dragoner in dem Ge 
fecht bei Duderstädt am 2. und 3. Februar 1761 
mitgefochten und am 15. Februar bei Langen 
salza ein sächsisches Bataillon attaquirt und ge 
fangen genommen, dabei auch 1 Fahne und 3 
Kanonen erobert. Der Berichterstatter schließt 
mit den Worten: 
„Cw. Hochfürstliche Durchlaucht werden mir 
also zu Gnaden halten, daß dem löblichen
        

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