Volltext: Hessenland (1.1887)

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Schloff Sporrgenverg. 
Am Thurm empor der Eppich Aeste windet — 
Die wilde Rose rankt sich in's Gestein, 
Die runden Fenster glotzen halberblindet 
Aus andern Zeiten in die Welt hinein. 
Des Ringes Mauern bröckeln Tag für Tage, 
Im Graben schießt die Erle dunkel vor 
Und heimlich zweifelnd, ob den Fuß sie trage, 
Schreit' ob der Brücke ich hinauf zum Thor. 
Das Wappen Hessens seh' ich drüber schweben, 
Schon decket Moos geheimnißvoll den Schild — 
Die Löwen trauern! Meines Volkes Leben, 
Ist dies dein Zeichen? Ist so grau dein Bild? 
Doch nein, mein Volk! Hier lebten deine Helden! 
Mit stillem Schauer trat zum Hof ich ein — 
Hier zog der Schütz, von dem die Lieder melden, 
Mit Margaret von Cleve herrlich ein. 
Die Wendeltreppe führt hinauf zum Saale — 
Wie hallt mein Schritt in dieser Grabesruh! 
Ich öffne ringsum Zimmer, öde, kahle 
Und stöhnend fallen schwere Thüren zu! 
Durch lange Gänge und durch nackte Räume, 
Durch der Gefang'nen Zellen geht mein Fuß. 
Vergess'ne Sagen, Spukgeschichten, Träume 
Entbieten aus den Ecken staub'gen Gruß. 
Wie schaurig ist der Ort, an dem ich weile! 
Ein enges Zimmer ohne Licht und Luft! 
Nur Moderduft und als ich fröstelnd eile, 
Mich zu entziehen dieser feuchten Gruft, 
Bleibt an der grauen Wand mein Auge hangen, 
Zwei Zeilen stehn dort oben festgebannt: 
„Ich bin seit fünfzehn Jahren hier gefangen" 
Das schrieb er hin —dann sank ihm stumpf die Hand. 
Ein Mensch ist der Verzweiflung hier erlegen — 
War vor dem Tode hier lebendig todt! 
Horch — wie sich rings die wilden Klagen regen, 
Geweckt vom unbegrab'nen Schrei der Noth! 
Und hoch aufathmend flieh' ich von der Schwelle 
Sala's y Gomez in der Menschen Reich. 
O gebt den Tod dem Mörder auf der Stelle, 
Denn solche Gnade kommt der Hölle gleich. 
Zum Erker trugen mich die Schritte wieder — 
Wie groß und freundlich schimmert das Gemach! 
Die Fenster gehen in das Thal hernieder — 
Hollunderzweige winken licht vom Dach. 
Einst schmückten bunte Fresken hier die Wände. 
Es sind noch Spuren seltsam rings zu sehn. — 
Ein Ritterharnisch; dort erhob'ne Hände — 
Ein droh'nder Speer, vor dem sie angstvoll flehn. 
Und dort — o Wunder! Aus Zerstörungsmitte — 
Ragt unversehrt ein Frauenangesicht, 
In großen Augen dringend heiße Bitte: 
„O Zeit — verwische meine Schönheit nicht!" 
Hat sie gelebt? Ist sie dereinst gewesen 
Des Künstlers Lieb, sein süßer Erdentranm? 
Hat er in ihren Augen Glück gelesen? 
Ward sie sein eigen? Ward die Hoffnung Schaum? 
Vorüber längst! . . Sie schauet traumverloren 
Herab auf mich aus ihrer Einsamkeit. — 
Hast du die holde Schönheit dir erkoren, 
Sie zu bewahren, schnelle Frau —‘o Zeit? 
Bewahr' sie gut! Und wenn die Mauern fallen 
Und Wappen, Schrift und Bildniß untergehn, 
Pflanz' Blumen auf die hingesunk'nen Hallen — 
Doch ob dem Bild laß eine Ros' erstehn. 
Th. Kellner. 
Die Spennstorri. x ) 
(Schwälmer Mundart.) 
Bann de Bür höt äusgedräsche, 
Ö die Kärmes es verbei, 
, Alles Weißzeik fresch gewäsche, 
Knächt ö Mähre Werre frei. 
Dos Gebäulzig^) weckgeschnerre, 
Kemmt die liewe Spennstow werre. 
Bann die Glock es äwe sewwe^) 
Nemmt die Ann dos Spennrod schweng, 
Get zü Nochbersch Elz do drewwe, 
Bo die ahnre Mäje seng. 
Em dos Licht in Krees fee mache, 
Spenn ee Spül voll, senge, lache. — 
Höt de Hedd (Hirt) die Ning^) geblose. 
Hon die Bosch sich igestahlt, 
Ö so mancher kecke lose 
Stehlt in Monz") sich met Gewählt, 
Froht: „Na, schiene Mäje, wolle 
Mer net dahnze mol in Dolle?" — 
Em zah Ühr »nütz alles rauwe.") 
Jehrer brengt seng Mäje heem. 
Da demm Schätzche därfs net grauwe 
Weil söst licht ze Schohre kähm. 
Heembegleere!?) bei de Menste 
Gelt dos noch fers Allerschenste. 
Knrt 
h Spinnstube; ') kurzes, ährenreiches Futterstroh; 3 ) sieben; 
*) nenn Uhr; 5 ) einen Kuß: *) ruhen: 7 ,> Heimbegleiten. 
Schneeglöckchen. 
Ei» reizendes Blümchen an zartem Stiel, 
So weiß wie der Schnee, der vom Himmel fiel. 
Und zart wie seine Flöckchen: 
Das grüßet mich wieder im stillen Hain 
Und läutet den lieblichen Frühling ein 
Mit allen seinen Glöckchen.
        

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