Full text: Hessenland (1.1887)

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Wachsam war auch Merwig, Rodwalt´s Sohn, 
denn Tag und Nacht durchspähte er den Wald, 
und lugte von Baum und Fels in´s Land hinunter. 
Auf dem Hügel an dem seine Hütte stand, 
war ein leichtgefügter Holzstoß aufgerichter und 
mit dürrem Reisig durchsetzt, den wenige Funken 
jählings emporlodern lassen konnten, so daß seine 
Flamme weithin auf den Bergen sichtbar war, 
ein Zeichen, daß der Feind nahe. 
Tag und Nacht mußte auch das Herdfeuer 
brennen in Merwigs Hütte, denn am Tage sollte der 
Rauch bei brennenden Holzstoßes das Zeichen sein. 
Auf vielen Höhen, die Grenze entlang und 
weit in das Land hinein, erhoben sich die hoch 
aufgethürmten Holzscheite, um das Warnungs- 
zeichen weiter zu tragen, von wo es auch zuerst 
gegeben ward. 
In der Thüre seiner Hütte erfcfjien Slerwig, 
ber ©äeßter, ßodß unb fdjlant non ©eftalt, traft» 
nott an ©fiebern. 
@r trug ba« enganliegenbe lanbe«üblid)e wollene 
©atmn«, unb Kiemen umwanben bidßt bie untere 
ftülfte be« deines. 
Ja« fterbfeuer beftraßlte ba« gebräunte narbige 
Slntliß, eingeraßmt non rötßtidßem Sart, unb ben 
leidsten Speer mit ber meißelartigen Spiße, ber 
in ber nernigen ftanb rußte. Sieben ißra, wie 
er, im Sdßeitte be« lobernben ^euer«, ftanb fein 
©eib'Jßeuba, an ßoßem ©udß« faft ben SDiann 
erreidjenb, nnb wie ber entblößte 3lrm unb ba« 
fidß um bie ©lieber fdßtniegenbe lange ©ewanb 
au« rauhem Sinnen geigten, non fdßöncn unb 
ftarten formen. 
Jurd) bie geöffnete Jßür erbliche man an ben 
©änbett ©eßörne be« ©lernt«, be« Ur« unb be« 
ftirfdße« nadß Jägerart befeftigt, batteben ©affen 
nnb gagbgerätß. 
„®eße nidßt, SRermig,“ fagte bie grau. 
„©« tßut SRotß", entgegnete biefer; „audß fließt 
midß ber Sdßlaf, mir ift unrußig gu Sinne. 
Jtreimal ßeuttc ber ©olf in ber 9iadßt, unb auf 
bem Heimweg berührte midß faft ber glügel be« 
ÜRadßtboget« — e« ift Unßeil am ©ege." 
„©ölten gießen am ftimmel, ÜSRerwig, 5Du 
fießft bie Sfabe nidßt." 
Jer äRann ladßte. (( J>ie finb idß ge» 
fdßloffenen 31uge«. SRur bie Sdßludßt will idß 
burdßfpäßen, bann feßre idß gurücf. ftüte mir 
ba« geuer Jßeuba, fei wadßfam unb geße nott 
$eit gu auf ben ftiigel, J)idß umgufdßauen 
nadß glütntmengeidßen." 
©r wanbte fidß um non bannen gu geßett, a(« 
ein fdßlante« fnöblein, wetdße« woßl füttfgeßn 
Sommer gefeßen ßabett modßte, au« ber ftütte 
ßufdßte, ben langen Sogen ber ©ßattentnaben 
in ber ftanb unb fidß an feine Seite ftellte. 
,,©a« ift’«, ©olnotß? 
„9Rit Jir geßen will id) Sater, unb ben 
9iömer fpüren.“ 
gärtlidß rußten bie Slugen ber ©Item auf 
dem ßodßgewadßfenen fdßönen Knaben, beffen 
lange« ftaat golbig unt ba« bräunlidße 3tntliß fiel. 
äRerWig ftreidßelte ißm bie ©ange: „ J>u 
bleibft bei ber SRutter, finb; fofl fie aßein 
ßaufen, wenn ber geinb im ©albe fdßleidßt?“ 
J)er fnabe neigte ba« ftaupt geßorfant. 
„Stiß! gurüdf!" fußr plößlidß SRerwig auf, 
unb brängte Seibe in ben Sdßatten, wäßrenb er 
bie Jßiir fdßloß. 
©in £icßtfdßimnter bort im ©albe nadß bem 
©ßattenlanbe ßin ßatte ba« fdßarfe gägerauge 
berüßrt. Sdßweigenb ßartlen bie J>rei im 
Junfel. Der Sdßein tarn näßer, unb in bem 
gleidßmäßigen uttb bod) förbernben Jrott ber 
Sotentäufer naßete ein güngling, ber einen langen 
brennenben fienfpan in ber einen ftanb trug, 
um burdß ißn feinen ‘fJfab gu erleucßten, wäßrenb 
bie anbere ben gefdßälteu Sudßenftab, ba« .geidjeu 
be« Soten ßielt. SRerwig ertannte ißn al«balb 
unb rief: „ilRatßgi«! ftier!" ©ilig bewegte ftdß 
ber Jräger be« Spaßn« auf ißn gu. 
„fteil Jir, ©ädßter! Jtidß fudße idß." 
„Spridß." 
„ Jtie 3llten fagen Jir burdß utidß: ber (Römer 
ift im gelbe, fei wadßfam." 
„gdß bin’«!" 
„Jtie gugunt tton ber £aßn gießt ßcratt, ber 
Jaufenbfatß wiß bie Sdßlud)ten ßatte« ?“ 
„©o liegt ber Ütömev?“ 
„ÜRidßt weiß idß’«., ftüte bie glamnte!“ 
„SRein ©eib unb id).“ 
„Sewadße audß beu geßeimen ^fab,"
	        

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