Full text: Hessenland (1.1887)

aufbewahrt, aber säinmtlich von den Franzosen ! 
im siebenjährigen Kriege bei ihrer wiederholten ! 
Besetzung Kassels nach Frankreich hinweggeführt. , 
Nur eine Trophäe des Regiments ist in Kassel 
zurückgeblieben. Im Kasseler Museum, (Erd 
geschoß der Bildergallerie) werden noch Hut und 
Schwert aufbewahrt, welche Tallard bei seiner 
Gefangennahme getragen hat. 
Im Jahre 1706 kämpfte das Regiment in 
Italien, namentlich in der Schlacht bei Castiglione 
und machte dann den Zug gegen Toulon mit. Auch 
an den letzten Schlachten des spanischen Erbfolge 
kriegs bei Ondenarde und Malplaquet war das 
Regimentbetheiligt, insbesondere in letztererSchlacht 
am 11. September 1709 in welcher Erbprinz 
Friedrich die hessische Kavallerie zum Siege führte 
und mit ihr in erbittertem Kampfe die französische 
Infanterie aufrieb. 
Im österreichischen Erbfolge-Krieg (1741—48) 
kämpfte das Regiment dann wieder in Bayern, 
am Rhein und in den Niederlanden. Das Journal 
des Regiments, welches hierüber spezielle Aus 
kunft giebt, erwähnt u. A., daß kurz nach dem 
Ausmarsch des Regiments eine Abtheilung des 
selben, bestehend aus 1 Rittmeister, 2 Lieutenants 
und 120 Dragonern den hauptsächlichsten Antheil 
an der Gefangennahme von 4—500 Oesterreichern 
in der Stadt Barkhausen gehabt hat. Be 
sonders wird auch in dem Journal der wesent 
liche Antheil des Regiments an der Erstürmung 
der Kron-Weißenburgee Linien hervorgehoben. 
Aus einer Notiz des Journals ergiebt sich, 
daß dem Regiment damals schon als besondere 
Auszeichnung das Recht, Pauken zuführen, ver 
liehen war. Es wird darin erwähnt, daß einer 
von den 9 alten venerabelen Dragonern „der 
Paukenwart" gestorben sei, deren Lebensalter zu 
sammen 554 Jahre betragen habe. Mit ihren 
grauen Häuptern und weißen Bärten hätten sie 
dem Regiment nicht wenig zur Zierde gereicht. 
Den größten Ruhm erwarb sich das seit 1751 
„Leib-Dragoner-Regiment" genannte Regiment 
im siebenjährigen Kriege, wie aus den noch vor 
handenen Berichten über seine hervorragende 
Thätigkeit in den glücklichen und unglücklichen 
Schlachten dieses Krieges hervorgeht. 
So berichtet General Wutginau über die vor 
treffliche Haltung der Leib-Dragoner und der 
andern hessischen Kavallerie-Regimenter in der 
Schlacht bei Hastenbeck (26. Juli 1757). „Der 
Herzog von Braunschweig hat öffentlich seine 
Bewunderung über die von den Hessen im hef 
tigsten Geschützfeuer bewährte Standhaftigkeit 
ausgesprochen. Als die Retraite befohlen war, 
machte die hessische Kavallerie eine sehr eontenan- 
§irte Schwenkung. Die Infanterie, welche be 
reits auf dem Rückzüge war, zog sich zum Theil 
durch die Intervallen der haltenden Kavallerie 
zurück. Das Schwenken und Stillhalten dieser 
imponirte dem Feind und machte ihn stutzen. 
Hierdurch gewann Alles Zeit, sich in bester 
Ordnung zurückzuziehen, so daß der Feind nicht 
die Kühnheit hatte, nur im mindesten nachzusetzen, 
wohl aber noch einige Kanonenschüsse auf die 
Kavallerie zu thun, wobei auch Lieutenant von 
Eschstruth vom Leib-Dragoner-Regiment todtge 
schossen wurde." 
(Schluß folgt.) 
Die Doktorin Dirke. 
Eine biographische Skiye von Fr. von Hohenhausen. 
(Schluß). 
Erinnerung an die drei glücklichen Tage 
in Pyrmont gab ihr den Muth, sich in 
f7 ^' ihrer großen Noth an den jetzt so berühmten, 
mächtigen Mann zu wenden. Sie schrieb unter 
Herzklopfen und Thränen folgenden Brief: 
„Nicht an Eure Excellenz, nicht an den königlich 
preußischen Minister — nein an den unver 
gessenen, unvergesslichen Jugendfreund schreibe 
ich, dessen Bild ich eine lange Reihe von Jahren 
verehrend im Gemüth bewahrt habe, der nie 
wieder von dem jungen Mädchen hörte, das ihm 
einst begegnete, mit dem er drei glückliche fröhliche 
Jugendtage verlebte in jenen schönen Gefühlen, 
die uns später in der Erinnerung wohl noch 
beide beseligt haben. Der Name, auf den die 
Welt mit so großen Erwartungen blickt, der Platz, 
auf den Sie so früh durch geistige Begabung ge 
stellt sind, machte es mir nicht schwer von Ihnen 
oft zu hören und Sie mit meinen Gedanken zu 
begleiten. ... Ich habe das liebe Blättchen 
unter den kleinen Heiligthümern der Jugend sorg 
fältig vor allen anderen bewahrt, als das einzige 
Pfand und Siegel der reinsten und zugleich der 
einzigen Lebensfreude, die mir das Schicksal 
zugewogeu. Dies Blättchen, das ich mir zurück 
erbitte, wird Eurer Excellenz an eine Bekanntschaft
	        

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