Full text: Hessenland (1.1887)

In einem Schreiben vom 9. Oktober 1688 
theilt Landgraf Carl dem Obersten Alexander 
Hermann von Wartensleben Folgendes mit: 
„Wir, von Gottes Gnaden, haben beschlossen, 
um Unsere auf den Beynen habende Milice 
zu verstärken, ein Regiment Dragons von 6 
Compagnien, jede von 70 Köpfen, aus Leuten, 
welche schon zu Felde gedient haben, zu errichten." 
Es wird dann bestimmt, daß die Leute mittel 
mäßigen Alters und Deutsche sein sollen, auch 
genau angegeben, worin die Montirung und 
Bewaffnung zu bestehen habe. Für letztere wird 
die Bemastung von Degen und Bajonetten, 
Flinten von Monsquetten und guten Pistolen 
angeordnet, „damit durchgehens ein Blei ge 
schossen werden könne." Zum Sammet- und 
Lausplatz werden dem Obersten die Aemter an 
der Diemel und in der Grafschaft Schaumburg 
angewiesen und als Werbegeld dem Obersten für 
jeden Dragoner 30 Thaler berechnet. Das als 
bald errichtete Regiment erhielt nach dem da 
maligen Gebrauch den Namen seines Chefs, 
hieß anfangs Wartensleben- dann Graeffendors- 
und seit 1695 Erbprinz-Dragoner-Regiment. 
Nachdem Erbprinz Friedrich den schwedischen Thron 
bestiegen hatte, wurde es Köuigs-Dragoner- 
Regiment genannt und vertauschte diesen Namen 
1751 mit „Leib-Dragoner-Regimcnt," welchen 
es bis zum Jahre 1806 geführt hat. Im 
Jahre 1788 wurde dem Regiment das aus 
2 Schwadrons bestehende, im Jahre 1702 er 
richtete Regiment Miltitz und bei seiner im 
Jahre 1813 erfolgten Wiedererrichtung das im 
Jahre 1688 errichtete Landgraf Friedrichs- 
Dragoner-Regiment einverleibt. Im Jahre 1821 
wurde es bei der Neuformirung des kurhessischen 
Armeekorps zu einemHusaren-Regiment(2.Husaren- 
Regiment) umgeformt. Im Jahre 1832 gab 
das Regiment eine Eskadron an die Garde du 
Corps ab und wurde mit dem 1. Husaren- 
Regiment vereinigt und unter dem alten Namen 
wieder als Leib - Dragoner - Regiment dessen 
1. Division es bildete, formirt. 
1840 wurden beide Divisionen getrennt. Jede 
formirte ein Dragoner-Regiment zu 4 Escadrons, 
und zwar die 1. Division das 2. Dragoner- 
Regiment, welches 1845 in das 1. (Leib-) Husaren- 
Regiment umgewandelt wurde und dann 1866 
geschlossen in den Verband der preußischen Armee 
überging. 
Das mitten in der Kriegszeit errichtete Regiment 
nahm schon im Jahre nach seiner Errichtung 
1689 und in den folgenden Jahren bis zum 
Ryswiker Frieden 1695 an allen Kümpfen gegen 
Frankreich, am Rhein, an der Maas und in den 
Niederlanden theil, namentlich auch am 4. Januar 
1693 am Entsätze der Feste Rheinfels, welche 
von 4000 Hessen gegen 18000 Franzosen rühm 
lichst vertheidigt wurde. 
In dem bald darauf (1702) begonnenen spanischen 
Erbfolgekrieg hatte das Regiment vielfach Ge 
legenheit, sich in den blutigen Kämpfen am Rhein, 
in den Niederlanden, Bayern und Italien be 
sonders hervorzuthun. In der für die hessischen 
Truppen so unglücklichen Schlacht am Speyer 
bach, 15. November 1703, war es wie schon 
sein in dieser Schlacht erlittener Verlust erkennen 
laßt, au Muth und Standhaftigkeit hinter den 
anderen Truppen nicht zurück geblieben. Ans dem 
Schlachtfelde fanden den Tod zwei Rittmeister, ein 
KornctchreinndzwanzigUnteroffiziere und Dragoner, 
verwundet wurden zwei Rittmeister und zweiund 
zwanzig von der Mannschaft, iVerlustlisten in 
der Wilhelmshöher Bibliothek.) Den größten 
Ruhin aber erwarb sich das Regiment, sowie 
überhaupt die hessische Kavallerie am 13. August 
des folgenden Jahres in der Schlacht bei Hoch- 
staedt. 
Lange hatte der Kampf bei Blindheim, welches 
von 27 französischen Bataillonen und 4 Dragoner- 
Regimentern besetzt war, geschwankt, als der 
Erbprinz Friedrich mit der auf dem linken Flügel 
der Schlachtlinie gestandenen hessischen Kavallerie 
die Schlachtlinie der Franzosen durchbrach und 
den Feind gegen Hochstaedt zurücktrieb. An der 
Brücke kam es zu einem furchtbaren Handgemenge, 
eine große Anzahl Franzosen wurde niedergehauen 
und 30 ihrer Schwadronen in die Donau ge 
trieben, in der fast alle ihren Tod fanden. Hier 
war es anch, wo 2 Dragoner des Regiments 
den französischen Marschall Tallard gefangen 
nahmen. Als er dem Erbprinzen Friedrich von 
dessen Adjutanten, Oberstlieutenant von Boyne- 
burg, vorgeführt wurde, redete dieser ihn mit 
den im Regiment sprichwörtlich gewordenen 
Worten an: „Ah, bon jour, Monsieur Tallard, 
c’est revanche pour Speyerbach.“ Groß war 
der Erfolg der Schlacht. 20000 Franzosen blieben 
todt oder schwer verwundet ans dem Schlacht 
feld, 16000 wurden gefangen, davon 13000 von 
den Hessen, 3000 waren in der Donau ertrunken. 
Erbeutet wurden 100 Kanonen, 30 Fahnen und 
Standarten, 14 Paar Pauken, sowie die Kriegs 
kasse des Feindes. (Sorgel, Geschichte der 
europäischen Kriege, Beck, Kriegsgeschichte der 
Hessen.) — 
Zahlreich waren die in diesem Kriege und auch 
in den früheren und späteren Kämpfen vonr 
Regiment erbeuteten Kanonen, Fahnen und 
Standarten. Sie wurden im Kasseler Zeughause
	        

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