Full text: Hessenland (1.1887)

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trachtet werden solle. Diese Versicherung war 
aus einem Papierbogen ausgefertigt und die Be 
vollmächtigten der Königlichen Höfe hatten sie, 
während der Zurichtung der Bundes-Akte bereits 
unterfertigt. Nachdem die österreichischen und 
preußischen Bevollmächtigten die Bundes-Akte 
unterzeichnet hatten, hielt Fürst Metternich noch 
eine kurze Anrede, bat um Entschuldigung, wenn 
sie wegen dringender anderweiten Geschäfte dem 
Akt der Unterzeichnung nicht weiter beiwohnen 
könnten, und sagte der Gesellschaft Lebewohl. 
Darauf verließen alle vier gemeinschaftlich d-n Saal. 
Von allen Bevollmächtigten hatte keiner seine 
Ungeduld lebhafter an den Tag gelegt als der 
Freiherr von Gagern; jetzt bat er um die Er 
laubniß, sofort unterschreiben zu dürfen, that 
das, für die Unterschriften der königl. dänischen, 
bayerischen und sächsischen Bevollmächtigten einen 
etwa vier Finger breiten Raum lassend, ver 
traute mir sein Petschaft, um es an gehöriger 
Stelle aufzudrücken, und eilte zu seinem, freilich 
schon seit mehr als zwei Stunden wartenden 
Wagen. 
Unglücklicher Weise brauchten die beiden Grafen 
von Bernstorff zu ihren Siegeln so viel Platz, 
daß sie den ganzen vom Freiherrn von Gagern 
freigelassenen Raum einnahmen, wodurch dann 
der Mißstand veranlaßt wurde, daß zwar die 
Unterschriften der Bevollmächtigten von Bayern 
und Sachsen noch über der des Freiherrn von 
Gagern angebracht werden konnten, deren Siegel 
aber nicht neben, sondern weit unter ihren Namen, 
und nun zwischen der Unterschrift des Freiherrn 
von Gagern und der des Grafen Münster ein 
drei Finger breiter leerer Raum blieb. 
Die nicht königl. Bevollmächtigten überließen 
nach Maßgabe eines früheren Vorgangs größten- 
thcils mir, ihr Siegel aufzudrücken und setzten 
dann ihre Namen daneben. Während ich damit 
beschäftigt war, ereignete sich am Nebentische, 
wo die Versicherung für Württemberg unterfer 
tigt wurde, ein neues Mißgeschick. Auf der 
j ersten Seite hatten noch die Namen und Siegel 
l der königlichen Bevollmächtigten in zwei Kolumnen 
Platz gefunden, auch die erste Kolumne der 
zweiten Seite keine Schwierigkeit dargeboten; 
die zweite Kolumne gebot Behutsamkeit; da hatte 
jedoch einer der fürstlichen Bevollmächtigten, ohne 
zu bedenken, daß das auf der Rückseite befind 
liche Siegel durch die Hitze nothwendig erweicht 
werden müsse, sein Siegel aufgedrückt und mittelst 
des auf der Rückseite befindlichen Siegels des 
Grafen von Münster die Urkunde auf den Tisch 
oder richtiger gesagt die grüne Tischdecke festge 
siegelt. Ich wurde zu Hülfe gerufen, es gelang 
mir mit Hülfe eines spitzen Federmessers die 
Urkunde von der Tischdecke abzulösen, freilich nicht 
ohne Beschädigung derselben. Man ging nun 
behutsamer zu Werke. 
Nach dem Beispiele der höheren empfahlen 
sich übrigens sämmtliche Bevollmächtigte, sobald 
sie unterschrieben hatten; nur die vier städtischen 
hielten bei mir aus, es war 4 Uhr vorbei, als 
wir den Saal verließen. 
Wer es der Mühe werth hält, das Original 
der Bundes-Akte sich zeigen zu lassen, der wird 
im Vorstehenden die Aufklärung finden, weshalb 
die erste Hälfte des dritten Blattes etwas enger 
geschrieben ist als der übrige Theil und wodurch 
der große leere Raum nach der Unterschrift des 
Freiherrn von Gagern veranlaßt worden ist, 
sowie auch die vielen grünen Fasern auf dem platt 
gedrückten Siegel des Grasen Münster unter 
der ohnfehlbar im Staatsarchiv in Stuttgart 
aufbewahrten Versicherungs - Urkunde von der 
Wahrhaftigkeit meiner Erzählung zeugen werden. 
g^z- G. F- Frhr. von L. 
(Schluß folgt). 
Mittheilungen 
als Antrag rar Geschichte des stSheren karhesßfche« I. lZeibj - Hssare« - Segimeuts, 
jetzt tzöagU. preußisches I. hessisches Hasaren-Kegiment Ar. 13. 
Von einem früheren Officier dieses Regiments. 
Jianter den hessischen Truppen, welche sich auf 
M so vielen Schlachtfeldern unvergänglichen 
~ Kriegsruhm erworben haben, nimmt das 
Regiment, welches zuletzt den Namen 1. (Leib-) 
Husaren-Regiment führte, keine der letzten Stellen 
ein. Mehr als 40 Jahre hat es in hessischer 
Zeit im Felde gestanden und in mehr als 20 
Schlachten und Gefechten sich ruhmvoll bewährt. 
Die im früheren kurhessischen, jetzt preußischen, 
Kriegsarchiv aufbewahrten Rapporte und Berichte 
geben uns Kunde, wie oft gerade das Verhalten 
dieses Regiments in allen seinen Kämpfen die 
größte Anerkennung, auch bei den obersten Hceres- 
befehlshabern, gefunden hat. 
Dort aufbewahrt ist auch noch die Urkunde 
über die Errichtung des Regiments.
        

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