Full text: Hessenland (8.1894)

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ist ziemlich regulär gebaut, hat ohngefähr 1000 
mehrentheils hölzerne Häuser, davon aber viele 
von außen recht ansehnlich sind, und verschiedene 
große Kirchen. Die Religion ist darin sehr ver 
schieden, mehrentheils aber Sekten; Quäker, Wieder 
täufer möchten die größte Zahl sein, danach kommen 
Herrnhuter und eine englische Episkopalkirche. Die 
zweite hessische Brigade und besonders das 
Huyne' sche Regiment lag nahe am Wasser, gegen 
dem Feind über, der uns manche schlaflose Nacht 
machte. Verschiedene Nächte mußte das Regiment 
unter dem Gewehr stehen." Während dieser 
Winterruhe erhielt die Abtheilung auch am 
2. Januar 1777 Besuch von „sehr edlen Ladies". 
„Den 20. Februar bin ich mit Herrn Regiments 
quartiermeister und Auditeur in die Stadt gezogen, 
wo wir unser Quartier in einem Hause nehmen 
mußten, wo die große Equipage des Regiments 
war. Da wir nun bei den Regimentern wegen 
großer Beschwerden und Weitläufigkeiten, so damit 
verknüpft waren, in denen Wintertagen nur gar 
selten Kirche halten konnten, so half ich dem 
Herrn Pfarrer Schrecker in der Stadt, wo 
wir unsern Gottesdienst in einer sehr wohl ge 
bauten Presbyterialkirche hielten. Die Besatzung 
hatte alle möglichen Vortheile vor denen übrigen 
Regimentern, und der kommandirende General, 
Anfangs Lord Klington und nachdem Lord 
Percy sahen besonders darauf, daß der Staat 
und das Glänzende in der Garnison bewahret 
würde. Die Hauptwache wurde von einein Kapitän 
und zwei Offiziers aufgeführt und gehalten, zwei 
Offiziers wurden ferner detachirt, einer auf 
S ü t e n d und einer auf L o u g w a h, ein Offizier 
hatte täglich die Ordonnanz bei dem kommandirenden 
General. Es wurden auch Anstalten vor das 
Plaisir gemacht, zweimal wöchentlich war Konzert 
in dem Kron-Kaffeehaus. Vor die Offiziers war 
es angenehm und kommode genug, aber der ge 
meine Mann genoß wenig davon, indem die 
Soldaten alle in ledigen Rebellenhäusern ihre 
Quartiere hatten und dabei wegen der Theuerung 
nur wenig frisches Fleisch und am Ende gar keins 
mehr bekommen konnten. Im April zog Lord 
Percy nach England als Parlamentsmitglied; 
etliche Tage vorher wurde ihm des Abends um 
10 Uhr eine Nachtmusik gebracht von denen 
Offiziers der L o ß b e r g' s ch c n Brigade. Mit ihm 
verlor die Garnison einen großen Theil ihrer 
Lebhaftigkeit und die Einwohner der Stadt einen 
gar lieben menschenfreundlichen Gouverneur. Sie 
gaben eine Denkschrift ein, worin sie seinen ehr 
würdigen Gemüthscharakter ganz erstaunend erhoben 
und rühmten, daß sie nur wenige und fast gar 
keine Kalamitäten des Kriegs unter seiner Regierung 
erlebt. Er machte beträchtliche Präsente an die 
Armen und die englischen Kirchen. Genug, er 
bewies sich als einen außerordentlich leutseligen 
Herrn. Sein Abschied war Schmerz vor jede», 
der nur seinen Namen kannte. Nach ihm erhielt 
der General Richard Prescot das Kommando. 
Dieser war denen Eingeborenen nicht gut, weil 
er ehemals unter den Rebellen in Gefangenschaft 
gewesen und darin vieles Ungemach ausgestaudeu. 
Sobald er nur die geringste Gelegenheit hatte, 
jemanden etwas zu beschuldigen, so setzte er ihn 
gleich in das Gefangenhaus. Die Leute der Insul 
hatten also auch den größten Haß auf ihn; den 
sie auch nach der Hand wahrscheinlicher Weise 
bewiesen. Den 18. Mai wurden die beiden Re 
gimenter Leibregiment und Prinz Karl und 
das 54. Regiment Engländer embarquirt und 
mußten bei New-Pork zur Armee stoßen, Ditfurth 
und das 22. englische Regiment blieben in der 
Stadt bis den 26., dann rückten sämmtliche Re 
gimenter in ihre Lager, die sämmtlichen drei 
englischen Regimenter, Wutgenau und Ditfurth 
bei Prestol-Ferry unter der Brigade des 
Obristen v. Huyne, Huhne, Bünau aber nahe 
an der Stadt. Ich, der Herr Regimentsquartier 
meister und Auditeur logirteu uns in einem nicht 
weit vom Lager gelegenen steinernen Haus. Das 
Lager war überaus augenehm auf einer Wiese, 
die Front hatte nach der See. Es wurde alle 
Sonntage gepredigt und Dienstag und Freitag 
Abends 5 Uhr Betstunde gehalten. Die Regimenter 
gaben die Wacht in die Stadt und ein Kommando 
ans C o n n a n i c u t, eine kleine Insul gegen dieser 
über. In der Nacht vom 10. zum 11. Juli hatten 
wir die Fatalitäten, daß der kommandirende 
General Prescot von denen Rebellen hinterlistiger 
Weise nebst seinem Regiments-Adjutanten geholet 
wurde. Der Unvorsichtigkeit der Wache war 
freilich dieses beizumessen, allein wahrscheinlicher 
Weise hatten Einwohner dieses Eilandes diesen 
Streich zur Rache vor seine harte, jedoch ihnen 
gerechte Regierung gespielt. Er hatte sich in ein 
unsicheres Haus ans dem Lande zu weit von 
einem Lager gelegt. Die Begebenheit erweckte 
ein großes Aufsehen und Vorsichtigkeit. Im Juli 
kam der neue kommandirende General Pigot 
mit einer Fregatte in den Hafen. Er wurde 
durch ein Kommando von einem Offizier und 
24 Mann und Hoboisten vom Regiment Huhne 
empfangen. Den 5. August wurden die Rebellen 
von einem englischen Kommando überfallen, bei 
diesem Ueberfall wurden zwei getödtet." 
Das eigentliche Tagebuch schließt hier leider. 
Allein wir können aus den Vermerken über die 
Handhabung der Seelsorge noch vielerlei Inter
        

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