Full text: Hessenland (8.1894)

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antwortete die alte Baronin, „so schmerzlich ich 
Deine Gegenwart entbehren werde." 
Die kleinen Nichten, zwischen denen die Tante 
saß, schmiegten sich von beiden Seiten an sie 
und schmeichelten: „Nimm uns mit nach 
Münikerode." 
Agnese strich zärtlich über die goldblonden 
Lockenköpfe: „Bittet Euere Eltern nur recht 
schön, Euch mir zu gönnen als Trosteinsamkeit." 
Eckebrecht saß stumm da, mit dem Gefühl 
eines bestraften Schulknaben, es gährte gewaltig 
in seinem Innern und rang danach, zur Klarheit 
zu kommen. — 
Am Abend dieses bedeutsamen Tages war der 
Entschluß gereift, Eckebrecht schrieb an seine Frau, 
ihr die Hand zur Versöhnung bietend. Agnese 
aber stand lange vor dem Bilde Tankmar's, 
gleichsam Zwiesprache mit ihm haltend. „Ge 
liebter," sagte sie, „ich gehe nicht selbstgewählte 
Wege, sondern die mir von der Pflicht vvr- 
gezeichneten. Ich weiß es, Du bist zufrieden mit 
Deiner Agnese." 
— 
Irhmr.dk drng Glrrk, srhmrdt es sekwst. 
(Schwälmer Mundart.) 
Schmedt, v schmedt deng eejnes Gleck; 
Hew ö schweng de ftahrke Orm 2 ); 
Vor 8 ) met (Sott, ö nie zereck; 
Glich fl dos' Eise, schmedt es worin! 
Het es het fl. O sprach net: „morse"; 
Het, jo het schv wehr de Sorje! 
Rehs") dich fleißig, bauw deng Fäld, 
Bauw ö büt ö wart des Härrn; 
Fell fl deng Platz, off de dich stellt 
Gnürig fl Gött; deng Gleck cs net fürn; 
Sichs fl i der nür, sichs net dräüße! 
Es Gleck schüchzend Nechtsdüh, Schmäuse 10 ) ? 
Härzensfreere n ), Manuesmüt, 
Froher Glööwe 'fl, Liew, Gemiet 
Bleiw deng höchstes, scheustes Güt. 
Ros ö Nälk'fl verwalkt, verblieht; 
Schieheet 'fl, Jüjend, Kraft verschwenge; 
Liew ö Glööwe seng ewge Denge. 
Fest grongdier 'fl de eejene Härd, 
Sammel, spor der fer die Not; 
Fiehrst dü Färrer, Hack örer Schwärt 'fl, 
Wehr dcmm Fengd'fl, der Deitschlahnd droht! 
Wart des Herrn 'fl, deng Votcr wedd'fl schünke 
Hei der Gleck, deng ewig danke. 
_ Kurt Muhn. 
’) Schmiede dein Glück, schmiede es selbst. 2 ) Hebe 
und schwinge den starken Arm. 3 ) Vorwärts. 4 ) Glühe. 
’’) Heute ist heute. °) Rege. fl Fülle. 8 ) Gnädig. 9 ) Suche 
es. ,0 ) Ist Glück jubelndes Nichtsthun und Schmausen? 
"1 Herzensfrieden. '“) Glaube, 'fl Rose und Nelke, 
'fl Schönheit, 'fl Gründe, 'fl Führst du Feder, Hacke 
oder Schwert, 'fl Wehre dem Feinde, 'fl Harre des 
Herrn, 'fl Wird. 
Aus Avi math und Fremde. 
Am 7. .März feierte die Seniorin unserer 
hessischen Dichterinnen und Schriftstellerinnen Frau 
Elise von Hohenhausen in Berlin ihren 
zweiundachtzigsten Geburtstag. Die Ver 
fasserin der „Berühmten Liebespaare", eines Werkes, 
das gleich bei seinem ersten Erscheinen ungewöhn 
liches Aufsehen erregte, erfreut sich einer seltenen 
Jugendfrische des Geistes. Sie ist heute noch 
literarisch thätig und schaffenssreudig. Ein Leben, 
das reich an mühevoller Arbeit gewesen ist, aber 
auch reich an schönen Erfolgen, liegt hinter ihr. 
Noch vieles wird sie uns bieten' können, das An 
spruch auf volle Anerkennung hat. Ihre Erin 
nerungen reichen bis zu Heine, Jmmermann, Rahel 
von Varnhagen; die Träger der besten Namen 
der Gegenwart: Wildenbruch, Annette von Droste- 
Hülshoff, Luise von Francois, Hedwig von Olfers, 
Prinz Georg von Preußen, Graf Stadion, Richard 
von Meerheimb, Baronin Ebener-Eschenbach re. re. 
stehen in Beziehungen zu ihr, und es ist zu 
hoffen, daß sie m$ noch manches davon erzählen 
wird. Von ihren Werken führen wir hier außer 
den bereits erwähnten „Berühmten Liebespaaren" 
das ebenso fesselnd geschriebene Buch „Berühmte 
Freundschaften" an. Dann schrieb sie den „Roman 
des Lebens", das „Brevier der guten Gesellschaft", 
die „Romantischen Biographien aus der Geschichte" 
und „Goethe's Herzensleben". Aus der neuesten 
Zeit stammen ihre Schriften „Drei Kaiserinnen" 
und „Neue Novellen". Auch als Uebersetzerin hat 
sie sich durch ihre trefflichen Uebertragungen von 
Poung's „Nachtgedanken" und Longfellow's „Gol 
dene Legende" einen Namen gemacht. Möge es 
der gefeierten Dichterin, die zu den begabtesten 
und geistig hervorragendsten Schriftstellerinnen der 
Jetztzeit in erster Linie zählt, noch recht lange 
vergönnt sein, bei gleicher geistiger Frische und 
körperlicher Rüstigkeit zu wirken und zu schaffen 
wie seither. Ein umfassendes Lebensbild unserer 
hochverehrten hessischen Dichterill Elise von Hohen-
        

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