Full text: Hessenland (8.1894)

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Kraft, guter Rath und rechte Starke kommen, 
sei Du auch unter uns und verlasse uns 
nicht. Zeug mit uns und beschirme besonders 
unseren kommandirenden General, segne seine 
Entwürfe und Unternehmungen. Nimm auch 
in Deinen Schutz unsere ganze Generalität, 
Stabs- und andere Offiziere, Gemeine und 
was zu diesem Regiment gehört. Herr, gedenke 
stets unser nach Deiner großen Barmherzigkeit, 
hilf, daß wir uns nie auf unsre eigene Macht, 
sondern auf Deinen allmächtigen Arm ver 
lassen. Begleite uns ferner auf allen unseren 
Wegen und weiche mit Deiner gnädigen Obhut 
nicht von uns. Behüte uns, reiner Gott, 
durch Deinen heiligen Geist vor Sünden, mit 
welchen wir Dich erzürnen und unseren Nächsten 
betrüben. Erhalte uns bei guten Lebens- und 
Seelen-Kräften, daß wir in unserem Berufe 
Dir getrost dienen können. Heile die Kranken 
und Schwachen; die Du aus der Welt 
fordern wirst, denen stehe mit Deinem Geist 
bis an ihren letzten Lebenszug bei, erhalte sie 
mit Trost von Vergebung der Sünden, damit 
sie nicht verzweifeln. Die aber in Deinem 
Dienste bleiben, die führe nach Deinem Rath 
und nimm uns alle endlich ;u Ehren an. 
Erhöre unser Gebet um unseres Heilandes 
Jesu Christi willen. Amen. Unser Vater 
u. s. w." 
Nach dieser Abschweifung lassen wir Kümmell 
weiter erzählen: „Nach geschehener Musterung, die 
sehr speziell war, und abgelegter Huldigung 
marschirten gedachte Regimenter mit klingendem 
Spiel an das Wasser und wurden auf Nachen 
zu den Schiffen gebracht, die von verschiedener 
Größe waren, theils an 900, 700 und 400 
Tonnen. Wir beiden Feldprediger und zwei 
Auditeurs von der zweiten Division hatten Ordre, 
nicht mit einzuschiffen, sondern uns zum General 
stabsquartier nach Otterndorf zu verfügen, Ivo 
schon vor uns die Quartiere bestellt waren. Ich 
logirte daselbst beim Goldschmied Herrn Meyer, 
der mich sehr gut bewirthete und mit vielen 
Viktualien bei unserer Abreise beschenkte. Wir 
blieben daselbst bis den Donnerstag (6. Juni). Den 
5. wurde das Regiment von Wissenbach bei Ritzebüttel 
embarqnirt. Den 6. kam die Reihe an uns. Wir 
marschirten mit dem Generalstab an den Hafen, 
passirten dort mit dem Regiment v. Bünau 
die Musterung und wurden, nachdem dieses und 
das Regiment v. W u t g e n a u verpflichtet 
worden, auf das Schiss ,5 Systersh so 400 Ton 
nen hält, embarqnirt. Der Kapitän Mell 
vom Bünan'schen Regiment war Kommandeur 
vom Schiffe, es befanden sich darauf fünf 
Offiziers nebst einer Kompagnie. Der Schiffs 
kapitän war ein geborener Königsberger Namens 
1. G. Schulz. Wir lagen bis den 9. vor 
Anker, da wir des Morgens um 5 Uhr segelten. 
Die ersten zwei Tage hatten wir ziemlich Wind, 
der sich aber hernach drehte und uns ganz 
konträr war, svdaß wir auf den 20. Juni zu 
Portsmouth ankamen. Den 28., Abends 
7 Uhr, segelten wir von da ab, um unsere Reise 
so schleunig als möglich gerade nach Amerika 
fortzusetzen, allein der Wind wilrde so konträr, 
daß wir den 6. (Juli) in den Hafen von 
Plymouth einlaufen mußten. Den 14. wurden 
wir von dem unangenehmen Schiff ,5 Systers' 
debarquirt und von Herrn General Schmidt 
zu sich auf ,4 gute Freunde', wo beinahe drei 
Kompagnien vom H u y n e 'scheu Regiment sich 
befanden, aufgenommen. Den 20. segelten wir 
ab, hatten aber beständig schlechten Wind, sodaß 
wir erst am 28. aus den Kanal bei Lands 
Ende kamen. Den 20. August kamen wir 
zwischen den Azorischen Inseln durch, St. Michael, 
Maria, Floris und der große Berg Pico. Den 
28. September wurde ein kleines Schiff mit 
Kaper gefangen genommen und mitgeführt. Den 
2. Oktober hatten wir so guten Wind, daß wir 
in 24 stunden 35 Meilen segeln konnten. 
Nun hatte" schon unsere Reise ziemlich lange 
gedauert, unser Verlangen, an Land zu kommen, 
wurde immer stärker, bis wir endlich den 16. 
das erste Land, Brock Island*) genannt, er 
blickten. Den 20. des Morgens warfen wir 
Anker vor New-Pork; ein ansehnlicher Ort und 
einer der vornehmsten in Amerika, hat zwar sehr 
viele bretterne Häuser, jedoch sind die mehresten 
von Stein, schöne Kirchen, breite Straßen, zwei, 
deutsche Kirchen, eine reformirte und eine lutherische 
die aber zu den jetzigen Zeiten wegen der Rebellion 
sehr ledig stehen. Ein ansehnlicher Theil der 
Stadt war durch die Rebellen in den Brand 
gesteckt worden. Die erste Division war schon 
im August angekommen und hatte die Stadt 
von den Feinden ledig gemacht. Die mehrsten 
der hiesigen Einwohner waren rebellisch gesinnt, 
sehr viele und fast die Hälfte der Häuser standen 
ledig, nach und nach zogen sie sich wieder in 
ihre Wohnungen, nachdem ihnen das Betragen 
der Hessen andere Begriffe von denselben bei 
gebracht hatte. Man hatte ihnen gesagt, daß 
der Hessen Kinder fräßen und in allem sehr 
feindselig wären. Man sah vorher und noch im 
Oktober in der Stadt keine Kramläden, alles 
*) Hiermit wird die Insel Block-Island gemeint sein 
an: Eingang vom Long-Jsland-Sund.
        

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