Full text: Hessenland (8.1894)

' 
— 68- 
4. Kassel, Neue Realschule. Rustebuef, eiu 
srauzösischer Dichter des 13. Jahrhunderts. 
Bon Adolf Kreßner. 
5. Fulda, Gymnasium. Das Participium 
des Aorists bei den Tragikern. Von 
Philipp Sch äs er. 
i*. 
Hanau. Das Unternehmen, dem Begründer 
der Neustadt Hanau,. Grasen Philipp 
Ludwig II., ein Denkmal in hiesiger Stadt zu 
errichten, ist um ein Wesentliches gefördert worden. 
Voll unterrichteter Seite wird der „Hanauer 
Zeitung" mitgetheilt, daß ein hieraus bezüglicher 
Vertrag zwischen den Konsistorien der Wallonischen 
und der Niederländischen Gemeinde und dem Direktor 
der Königl. Zeichenakademie, Professor Wiese, ab 
geschlossen worden ist. Die beiden Gemeinden ge 
denken ihren 300jährigen Gründungstag am 1. Juni 
1897 festlich zu begehen, und zwar besonders 
durch eine Stiftung der Wallonischen Diakonie zu 
niUbeu Zwecken und durch Errichtung eines Denk 
mals des Grafen Philipp Ludwig II. auf der 
französischen Allee. Die Ausführung dieses Denk 
mals ist Professor Wiese übertragen worden. Auf 
einem etwa drei Meter hohen Postamente von 
rothem geschliffenen Granit, das auf der Vorder 
seite die Widmung und das gräflich hanauische 
Wappen trägt, aus der Rückseite eine bildliche 
Darstellung der Einweihung der französischen Kirche 
aufweist, wird sich die Büste des Grafen in un 
gefähr dreifacher Lebensgröße erheben. Modellirt 
wird dieselbe von Professor Wiese nach einem 
Oelgemälde, das den Grasen in seinem 25. Lebens 
jahr darstellt, sowie nach Münzen der Zeit, die 
sein Bildniß tragen. Jenes Bild, das sich ohne 
Ueberschrift oder nähere Bezeichnung früher im 
Stadtschlosse befand, ist das beste, das vom Grafen 
Philipp Ludwig II. überhaupt existirt, und ist die 
Auffindung und Bestimmung desselben Herrn 
Dr. Suchier zu verdanken. 
Hessische Sücherschau. 
Die Flüchtlinge, eine Erzählung von der Land 
straße. Von Wilhelm Speck. Leipzig, bei 
W Grunow. 
Der Name des Verfassers ist den Lesern der 
Zeitschrift „Hessenland" nicht unbekannt. Unser 
Kasseler Landsmann Wilhelm S p e ck hat manches 
schöne Gedicht in derselben veröffentlicht, und vor 
allem hat „Ursula", eine Geschichte aus Waldes 
gründen, mit den trefflichen Charakter- und Natur 
schilderungen Beifall gesunden. Und so konnte 
man denn auch aus das neueste Werk des Ver 
fassers „Die Flüchtlinge", eine Erzählung von der 
Landstraße, wohl gespannt sein. Und gerade darin 
hat er feine ausgezeichnete Begabung glänzend be 
wiesen. 
Wie die Ueberschrift andeutet, schildert der Ver 
fasser darin das Schicksal eines durch Schuld 
flüchtig gewordenen Liebespaares, welches, noch 
jung und unerfahren, auf der Landstraße einem 
Erzspitzbuben von Landstreicher in die Hände fällt, 
der es recht gründlich auszunutzen versteht. Um 
sich aus dem Netze dieses Schelmen zu befreien, 
laden die Liebenden eine neue Schuld auf sich, 
deren Sühne den Schluß der Geschichte bildet. 
Es ist ein wahrer Genuß, die einfache und er 
greifende Dichtung zu lesen. Eines der schönsten 
Volkslieder hat dem Dichter bei der Abfassung 
der Geschichte ersichtlich vorgeschwebt: „Es fiel ein 
Reis in Frühlingsnacht". Äehnlich dem alten Liede, 
in welchem geschildert wird, wie ein Knabe ein 
Mägdlein lieb hatte, wie sie beide ohne Wissen 
der Eltern weit hinaus in's fremde Land liefen, 
wie sie ohne Glück und Stern verdorben und ge 
storben sind und wie dann schließlich auf ihrem 
Grab Blaublümlein blühten und sich treu wie sie 
im Grab umschlangen, läßt Speck in seiner Er 
zählung die wundersamen Harmonieen heißer Liebe 
und namenlosen Schmerzes, welche durch wehmüthig 
süße Akkorde einen trüben, aber folgerichtigen Ab 
schluß finden, in ilnsere Herzen klingen. Die Liebe 
der Flüchtlinge, ihre Flucht durch Wald und Feld, 
die Schilderungen der Morgen- und Abendstimmungen, 
überhaupt der Natur sind durchweg von dem Hauche 
echter Poesie bethaut und erquicken den Leser doppelt 
in einer Zeit, wo die rechte Dichtkunst so selten 
geworden ist. Ebenfalls erquickend, wenn auch in 
anderer Weise, wirken die Geschehnisse in der 
„Penne", der Landstreicherkneipe, in welcher sich 
das Landstreichervolk zusammenfindet, um in seiner- 
derben und urwüchsigen Art für den Abend Unter 
haltung zu suchen. Die Komik ist an vielen 
Stellen von durchgreifender Wirkung. Das Buch 
kann somit allen Freunden guter Poesie recht 
warm empfohlen werden. K. 
Briefkasten. 
K. W. in R. In Beantwortung Ihrer Anfrage ersuchen 
wir freundlichst um Einsendung der Abonnementsbeträge 
für 1893 und I. Quartal 1894. D. V. 
L. S. in B. Wir werden so frei sein, den Abonne 
mentsbetrag für 1893 und I. Quartal 1894 vermittelst 
Postauftrag zu erheben. D. V. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zw enger in Fulda, Druck und Verlag vonFriedr. Scheel in Kassel.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.