Full text: Hessenland (8.1894)

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folgten Adelige mit den fürstlichen Insignien des 
hohen Verblichenen. Den Mittelpunkt dieser Ab 
theilung bildete der von acht Pferden gezogene 
Trauerwagen. Die Pferde wurden von Adeligen 
geführt. 24 Adelige trugen die Zipfel des Bahr 
tuches. Hinter dem Trauerwagen zunächst schritten 
die nächsten Anverwandten des Fürsten, die Söhne 
Karl, Wilhelm, Philipp und Georg. Sodann 
folgten die Abgesandten der fürstlichen Verwandten, 
die Damen des fürstlichen Hanfes, die Abgeordneten 
der hessischen Städte, an ihrer Spitze Bürgermeister 
und Rath von Kassel. Jetzt kam das Personal 
des fürstlichen Marstalls, Zünfte und Gilden. Den 
Schluß des Zuges bildeten 2 Kompagnien Musketiere. 
Seinen Weg hat der Zug jedenfalls über den 
Graben genommen und konnte bei der unterwegs 
aufgestellten trauernden Volksmenge nur langsam 
vorwärts kommen. Landgraf Wilhelm VI. wurde 
von feinem Volke aufrichtig und tief betrauert, 
hatte doch fein Hauptstreben darin bestanden, die 
Wunden zn heilen, welche der 30jährige Krieg 
geschlagen. Er war einer der tüchtigsten und 
gelehrtesten Fürsten, die Hessen besessen. Er war 
erst 34 Jahre alt, als ein plötzlicher Tod ihn 
ereilte. Nachdem Dr. Grotefend geendet, erhielt 
Oberlehrer Dr. Knabe das Wort zu dem Vortrag 
über: „Leben und Wirken Friedrich Albert 
Langels (ehemaligen Professors zu Marburg, ge 
storben 1875)." Die sehr interessanten Aus 
führungen des Redners, in welchen er ein an 
schauliches Bild vom Leben und Wirken Langes 
und dessen Bedeutung gab, fanden den warmen 
Beifall der Versammlung. (K. Attg. Ztg.) 
Am 14. Februar feierte zu Bremen Dr. Her 
mann Alexander Müller, der älteste unter 
den bremischen Gelehrten, feinen achtzigsten Ge 
burtstag. Der Jubilar ist in unserem Hessenlande 
nicht unbekannt. Fast zehn Jahre lang hat er an 
den Gymnasien zu Rinteln, Kassel und Fulda als 
Lehrer gewirkt und die Gymnasialschüler aus den 
30 er und 40 er Jahren werden sich feiner noch 
wohl erinnern. Er war ein sehr gelehrter Herr, 
ein anregender Lehrer, der nicht blos über philo 
logisches Wissen verfügte. Geboren war er am 
14. Februar 1814 zu Bremen, studirte von 
1832 — 1836 in Bonn, Berlin und München 
klassische und neuere Philologie und wurde am 
30. Juli 1836 auf ein Specimen feiner 1837 in 
Bonn vollständig erschienenen Schrift „Pan- 
athenaica“ zum Doctor philosophiae promovirt. 
Zu Ostern 1837 wurde er am Gymnasium zu 
Rinteln „Bikarius des Lehramts der neueren 
Sprachen" und nach feiner im November desselben 
Jahres bestandenen praktischen Prüfung zum Hilfs 
lehrer befördert. Im Oktober 1838 wurde er 
an das Gymnasium zu Kassel versetzt itnb 1839 
zum ordentlichen Gymnasiallehrer ernannt. Im 
März 1842 wurde er an das Gymnasium in 
Fulda versetzt und am 3. Dezember 1846 schied 
er aus dem kurhessischen Staatsdienste, um einem an 
ihn ergangenen Ruse als Lehrer der Gelehrtenschule 
zu Bremen zu folgen. In den Jahren 1851 —1871 
unternahm er Kunstreisen nach Oberitalien, nach 
Dresden und Wien, nach Rom und Neapel, nach 
London, Paris, Florenz und anderen Kunststädten 
Mittelitaliens. Als Kunstschriststeller hat er sich 
einen sehr geachteten Namen erworben. Es er 
schienen von ihm folgende Werke: „Die Museen 
und Kunstwerke Deutschlands", 2 Bände, 1857 
und 1858; „Archäologisches Wörterbuch der Kunst", 
2 Bände, 1877 und 1878; „Biographisches 
Künstlerlexikon der Gegenwart", 1882; „Lexikon 
der bildenden Künste", 1883, re. 
Zu Ostern 1879 ist Dr. H. A. Müller als 
Gymnasiallehrer in den Ruhestand getreten, nach 
dem er vierzig Jahre im Schuldienste thätig ge 
wesen war. 
In Kurhesseil löste er in Kassel wie in Fulda 
seinen Kollegen Franz Dingelstedt als Gymnasial 
lehrer ab und unterrichtete an beiden Gymnasien 
in den gleichen Gegenständen wie dieser, in der 
französischen, deutschen und lateinischen Sprache 
sowie in der Geschichte. Während seiner suldaer 
Zeit hat der gründliche Gelehrte auch eine größere 
französische Grammatik versaßt, die 1843 in Jena 
erschien. Sie hat bei allen Vorzügen doch einen 
gewaltigen Fehler, nämlich den, daß sie selbst für 
die damaligen Schüler der obersten Klassen der 
Gymnasien zil gelehrt ist. Größere Verbreitung 
hat das Werk deshalb auch nicht gesunden. 
O st e r p r 0 g r a m m e. Unsere hessischen höheren 
Schulen werden ihren diesjährigen Osterprogrammen 
die folgenden wissenschaftlichen Abhandlungen bei 
geben : 
1. Kassel, Friedrichsgymnasiuln: Der Historiker 
Friedrich Wilken. Von Adolf St oll. 
2. Kassel, Realgymnasium: Rückschau aus die 
25jährige Geschichte der Anstalt. Von 
Wilhelm Wittich. 
3. Kassel, Oberrealschule: 1) Anschauliche 
Darstellung non Bau und Laub der Holz 
gewächse. Von Karl Völker. — 2) Ueber 
Schulmünzen im ehemaligen Kurhessen. Von 
Karl Knabe.
        

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