Full text: Hessenland (8.1894)

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Handlung in der Unter-Neustadt ein Privilegium 
zu ertheilen gnädigst geruhen wollten, daß wir 
demnach diesem seinem unterthänigsten Suchen 
nach zuvor seiner Geschicklichkeit halber überreichten 
Testimonio von Unserem Collegio medico in 
Gnaden statt gethan, thun das auch und er 
theilen ihm solches hiermit dergestalt und also, 
daß er in sothaner Apotheke die Apotheker- 
Kunst ohne Jemandes Eintrag nach seinem besten 
Verstand treiben mögen, solche aber nicht nur 
mit allen zu einer wohlbestallten Apotheke ge 
hörigen Materialien Handel und Niederlage 
anlegen, nnb beständig führen, mithin zu aller 
ltitb jederzeit seine Officin und Handlung mit 
tüchtigen Medicamenten unterhalten und selbige 
in billigen Preißen geben, nicht weniger sich in 
Allem unserer Medicinal-Ordnnng gemäß be 
tragen und daraus die gewöhnliche Pflichten 
ablegen auch andere ihm obliegende Praestanda 
praestiren solle. 
Deßen zu Urkund haben Wir Uns eigenhändig 
unterschrieben unb Unser Fürstliches Secret 
Jnsiegel beydrucken lassen. 
So geschehen Cassell, den 19**» Deebr. 1783. 
(gez.) Friedrich, L. Z. Hessen. 
(L. 8.) 
vt. Fleckenbühl gt. Bürgel. 
Gnädigstes Privilegium vor den Apotheker Carl 
Wilhelm Fiedler allhier." 
Ans dem Aufsatz in Nr. 19 des „Hessenlandes" 
von 1890 geht hervor, daß die vorstehend erwähnte 
Apotheke die 1802 „Hygiea" genannte, nunmehr 
wieder mit ihrem alten Namen „Adler-Apytheke" 
aufgeführte Offizin ist. 
Der geringe Preis von 1200 Thaler für die 
Einrichtung (ohne Hails und Privilegium) kann 
nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, daß, 
wie aus dem Wortlaut des Privilegiums hervor 
geht, das Geschäft sehr zurückgegangen und nicht 
mehr lebensfähig war. 
Es kamen damals aus eine Kasseler Apotheke 
durchschnittlich 2500 Seelen, auf die des Hundert 
mark wegen ihrer ungünstigen Lage jedenfalls aber 
viel weniger, vielleicht nur 1000 Seelen. 
S. __ W. S. 
Welch' großes Vermögen Kurfürst Wilhelm II. 
besaß, geht daraus hervor, daß er seiner Tochter 
aus der Ehe mit der Gräfin Reichenbach, der 
Gräfin Emilie Reichenbach-Lessonitz 8 Millionen 
Mitgift gab, als sie den Grafen Felix Zichy- 
Ferrari heirathete. Dieses Vermögen hatte der 
Graf zum großen Theil in kurzer Zeit verausgabt. 
Eine Tochter aus dieser Ehe ist die Fürstin 
Pauline Metternich in Wien. A. S. 
Aus Hermath und Fremde. 
Am Montag den 26. Februar fand in der Aula der 
Oberrealschule zu Kassel die regelmäßige Monats 
versammlung des Vereins für hessische 
Geschichte und Landeskunde statt. Dieselbe 
wurde durch den Vorsitzenden, Landesbibliothekar 
Dr. Brunner, mit geschäftlichen Mittheilungen 
eröffnet. Danach gingen dem Verein 19 neue 
Mitglieder zu, dagegen verlor er durch den Tod 
6 Mitglieder, darunter den Bischof Dr. Weyland 
von Fulda und den Präsidenten von Schmerseld 
zu Kassel. Landesdirektor von Hundelshausen 
theilte dem Verein in einem Schreiben mit, daß 
der 19. Kommunallandtag die Uebernahme eines 
Viertels der Kosten für Herausgabe der von 
Major a. D. H. von Roques kopirten Urkunden 
des Stiftes Kaufungen genehmigte, bis zum Höchst 
betrag von 800 Mark. Der Vorstand ersuchte 
beu Herrn Landesdirektor, dem Kommunallandtag 
für die bewiesene Munifieenz herzlichsten Dank zu 
sagen. In Schriften-Tauschverkehr trat der Verein 
mit dem kurländischen Literatur- und Kunstverein 
in Mitau und dem genealogischen Institut zu 
Kopenhagen. An Geschenken erhielt der Verein 
von Generalsekretär Gerland dessen Publikation 
über das althessische Gestüt Beberbeck, von Lehrer 
Lohe eine Reihe werthvoller Akten betreffend die 
Kolonieen Gewissensruhe und Gottstreu, welche ein 
treffliches Licht aus die Gründung dieser Waldenser- 
Ansiedelungen werfen. Bankier Fiorino hat 
mehrere alte Abbildungen, die hessische Geschichte 
betreffend, erworben, darunter Bildnisse des Land 
grafen Philipp und der Landgräfin Hedwig Sophie 
nnb eine Darstellung des Leichenkondukts des Land 
grafen Wilhelm VI. Letztere war im Saale zur 
Ansicht aufgehängt worden, und Dr. Grotesend 
übernahm die Erklärung derselben. Der Leichenzug 
ging vom Schloß aus und endete am Portal der 
St. Martinskirche. Vier Kompagnien zu Fuß und 
die Leibkompagnie zu Pferde eröffneten denselben. 
Sodann folgten die Schüler der Kasseler Lehr 
anstalten, von ihren Lehrern angeführt, die Opfer 
männer der Kasseler Kirchen, die Prediger vom 
Lande, die Mitglieder des geistlichen Ministeriums, 
die mittleren fürstlichen Beamten, ein Musikkorps, 
die fürstlichen Pagen, die höheren fürstlichen Be 
amten, die hessische Ritterschaft, die Fahnen der 
hessischen Landestheile und je ein schwarzbehangenes 
Pferd mit dem Wappen des betreffenden Landes 
theiles. Den Schluß dieser Abtheilung bildete 
das Wappen des Gesammtfürstenthums. An der 
Spitze der folgenden Abtheilung ritten zwei Ge 
harnischte. Hinter ihnen wurde die Trauerfahne 
getragen unb das Trauerpferd geführt. Sodann
        

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