Volltext: Hessenland (8.1894)

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Wilhelm IV., der Weise, Landgraf von Hessen. 
1567 — 1592. 
Von H. Metz. 
(Fortsetzung.) 
eit der Hülfeleistung König Heinrich's II. von 
Frankreich an Philipp den Großmüthigen war 
Landgraf Wilhelm den französischen Herrschern 
freundlich zugethan. Er stand aber auch in enger 
Verbindung mit den Häuptern der Hugenotten. 
Diesen sandte er 1568 dreitausend Mann Hülss 
truppen unter Christoph von Malsburg und Dietrich 
von Schönberg, eitlem Vetter des französischen Mar 
schalls von Schömberg. — Nachdem Katharina 
von Medici, als Vormünderin Karl's IX., ihre 
Geneigtheit zum Abschlüsse eines Religionssriedens 
zu erkennen gegeben hatte, wurde eine Gesandtschaft 
fast aller evangelischen Fürsten Deutschlands an 
die Königin abgesandt, welche wesentlich zum Er 
laß des Edikts voll St. Germain en Laye (August 
1570) beitrug. Der hessische Gesandte, Rudolph 
Wilhelm Meckbach, begab sich zu den Häuptern 
der Hugenotten nach Rochelle. Diese versprachen 
die Rückerstattung des von Landgraf Philipp 
erhaltenen Darlehens und theilten dabei dem 
Landgrafen Wilhelm vertraulich brieflich mit, daß 
der König wie dessen Brüder und Mutter zur 
Erhaltung des Friedens ernstlich geneigt, aber 
vom Haupte der Guisen, dem Kardinal von 
Lothringen, heimliche Nachstellungen oder ein 
greulicher Krieg zu erwarten seien, fast alle ge 
heimen Räthe ständen auf seiner Seite; durch 
Unterhaltung des Zwistes unter den Lutheranern 
und Kalvinisten suche er die Verbindung der 
deutschen Fürsten mit Frankreich zu verhindern. 
Karl IX. schlug dem Kurfürsten Friedrich von 
der Pfalz und Landgraf Wilhelm ein Ver- 
theidignngsbündniß mit den evangelischen Fürsten 
vor (1572). Die Hauptverhandlung hierüber 
wurde zu Kassel bei der Taufe des Prinzen 
Moritz geführt (Juni 1572). In dieser Ver 
handlung wurde bestimmt: daß von beiden Seiten 
monatlich 50 000 Thaler hinterlegt werden sollten 
daß das Bündnis; auf einige Jahre abgeschlossen 
werden und eine „freundliche Korrespondenz" heißen 
sollte. Ehe aber die Verhandlungen zum Abschluß 
kamen, trat die Pariser Bluthochzeit ein, von 
welcher Landgraf Wilhelm durch Schreiben des 
Königs und der Königin in Kenntniß gesetzt wurde. 
Diese gaben an, der Tod Coligny's sei durch 
politische Nothwendigkeit herbeigeführt worden, und 
man werde das Religionsedikt einhalten. 
Als Kaspar von Schömberg Landgraf Wilhelm 
gegenüber den Charakter Coligny's verdächtigen 
wollte, bemerkte der Landgraf: er solle sich er 
innern, daß er ein Deutscher sei, und daß Colignh 
ihn zum Manne gemacht habe. Wilhelm wies 
die Königin auf die Pläne der römischen Partei 
hin, welche nicht das Wohl des Reiches und des 
Königs im Auge hätten. Er erklärte dem König, 
es seien hinlängliche Beweise vorhanden, daß dieser 
Schlag gegen die evangelische Religion gerichtet sei. 
Dem Kurfürsten von der Pfalz schrieb er: „jetzt sei es 
hohe Zeit, nicht nur die betrüglicheu Sitten und Ränke 
der leichtfertigen Welschen zu fliehen, sondern sich 
wieder der alten deutschen Sitten, der Tugend 
und Mannheit ihrer Vorfahren zu besteißigen". 
Das Bündnis; mit Frankreich kam unter diesen 
Verhältnissen nicht zu Staude, obgleich Karl IX. 
es noch weiter betrieb. 
Die Rücksicht auf Spanien hielt die evangelischen 
Fürsten ab, gänzlich mit Frankreich zu brechen, 
weil sie fürchteten, daß Frankreich bei gänzlicher 
Jsvlirung an Spanien sich anschließe, oder daß 
Spanien nach Beendigung der belgischen Händel 
sich gegen Frankreich wenden und dieses in Folge 
der inneren Uneinigkeit überwinden werde. 
Nach der Erledigung des polnischen Thrones 
in Folge des Todes des letzten Jagellonen, 
Sigmund's I., bewarben sich verschiedene Fürsten 
um die Krone, unter ihnen Heinrich von Anjou. 
Landgraf Wilhelm wurde durch den Marschall 
von Schömberg ersucht, sich für ihn zu verwenden. 
Anfangs lehnte er aus Rücksicht für den Kaiser 
und auf die unsicheren französischen Verhältnisse 
ab. Doch fand sich ein Auskunftsmittel (1573). 
Sophie von Wolfenbüttel wünschte, daß ihre 
jüngste Schwester Anna, — beide waren Schwestern 
des letzten Königs von Polen —, durch Ver 
mählung mit dem zu erwählenden König auf 
bett polnischen Thron komme. Sophie empfahl 
auf Veranlassung Landgraf Wilhelnt's den Herzog 
von Anjou den polnischen Stündeit, daß sie 
diesen unter der Bedingung der Gewährung freier 
Religionsübung erwählten. Als Gegendienst erbat 
Wilhelm von Karl IX. die Wiedereinsetzung der 
in Savoyen gefangen gehaltenen Wittwe sowie 
der Kinder und Verwandten Coligny's in iher 
Güter und Rechte und einen Schutzbrief zum 
freien Güterverkauf für den berühmten Rechts 
gelehrten Franz Hotomann. Letzterer wurde sofort
        

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