Full text: Hessenland (8.1894)

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Uff eemttol rieft des Aimemorth: 
„Ne Panne äß dos Düngen! 28 ) 
Mit Kreire äß's Gesicht * 2 * *) gemolt, 
Den Karle muß me fangen!" 
De Angst äß nü die allen weck, 
Se stürzen üß der Dhähre 22 ) 
Un stulpern iwwern Bäsen glich, 
Der leiht 28 ) durt än der Quäre. 
Do, uff der Stroße gitt's „Trapp-trapp", 
Un Schwuppdich, im de Ecken. 
De Mähre fluchtig 2 ^) hingerdränn, 
Mit Bäfen un mit Stücken. 
Mit eeng's 25 ) gitt's dann en groß Hallvh, 
Se kann nit weirer kummen, 
En jerer 28 ) Borsch kreit eengs bim Orin, 
Hot Mailercher 27 ) genummen — — —. 
Der ahle Grebe kimmt nü heem, 
Wäll sich ünns Bette läh'n 28 ). 
Do stitt 29 ) de Dhär bis hingen uff, 
King Mächen äß ze säh'n. 
Hä kratzt den Kopp un denkt derbi: 
„De Ahle üß noch wäcken. 8 °) 
Wißt ,säh bos hie färrn 87 ) Unglick wir, 
Se langte sich den Stücken!" 
Güngz düsig 82 ) ginn de Mähre rün», 
Un hingennoh de Borsche. 
Un wie de Ahle heeme kimmt, 
Schnarcht fchunt ähr ahler Schvrsche. 
De Mähre fpänn 88 ) wie ungescheit, 
De Borsche röchen Piffen. 
De Spülen sing binnoh 34 ) schon vull, 
Do gitt's brov obzewiffen 8 "). — 
I-rida Storck. 
') Spinnstube. ä ) sind heute. 8 ) ihre ¡Kutte. 4 * ) Räder. 
5 ) Hans in der Schmiede. 6 ) Spule. 7 ) Steige Leinen 
(©teige soviel als 20 Ellens. 9 ) Tage. 9 ) spinnen. 
10 ) heute Abend freie Bahn. “) Ofen. la ) Luft. ganz 
genau. tüchtigen Stein. recht erschrecken. ihr 
Kinder. ”) Geist geht draußen 'rum. I8 ) schlovß- 
weiße Augen. 12 ) Ding. 20 ) Eine Pfanne ist das Ding. 
**) Kreide ist das Gesicht. 22 > Thüre. 88 ) liegt. 24 ) flink. 
2 ) mit einem Male giebt es. 2 “) jeder Bursch kriegt eins. 
Küsse. ”) legen. 29 ) steht. so ) noch fort. *') für 
ein. 3a ) ganz still. 8# ) spinnen. 84 ) beinahe. sr> ) ab 
zuhaspeln. 
Aus alter und neuer Jett. 
Ein Apothekerprivilegium vor 111 Jahren. 
In Nr. 19 des „Hessenlandes" von 1890 ver 
öffentlichte Herr W. Rogge-Ludwig einen interessanten 
Aufsatz über „Die ältesten Apotheken der Stadt 
Kassel und ihre Besitzer". Dem geschätzten Herrn 
Verfasser sind damals wohl nicht alle bezüglichen 
Quellen zugänglich gelvesen, weshalb ich mir hier 
einige Zeilen zur Ergänzung gestatte. 
In meinem Besitze befinbet sich, aus dem Nach 
lasse des Professors Dr. Schaub, des späteren 
Besitzers der Apotheke, stammend, eine Urkunde 
betreffend das dem Apotheker Karl Wilhelm 
Fiedler zu Kassel unter dem 19. Dezember 1783 
verliehene Privilegium, welches sich zuvor in dem 
Besitz des Apothekers H u n d e r t m a r k befunden 
hatte. Fiedler scheint die Apotheke bis zum dem 
Jahre 1792 besessen zu haben, wo sie aus den 
Apotheker Delkeskamp überging, wie in dem 
Aussatz des „Hessenlandes" steht. 
Wie es zugeht, daß Herr Rogge-Ludwig den 
Karl Wilhelm Fiedler gar nicht erwähnt, weiß ich 
nicht, möglicherweise war dieser ein Bruder des 
Joachim Gottlieb Fiedler, des (seit 1780) Be 
sitzers der Apotheke zum goldenen Hirsch. 
Da für manche Leser der Wortlaut des Privi 
legiums vor! Interesse ist, lasse ich ihn hier folgen. 
„Von Gottes Gnaden Wir, Friedrich, Land 
graf zu Hessen, Fürst zu Hersfeld, Gras zu 
Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda, Schaum 
burg und Hanau, Ritter des Königlich Groß- 
britanischen Ordens vom blauen Hosenbande, 
wie auch des Königlich Preußischen Ordens 
vom schwartzen Adler re. 
Thun kund, und befeunen hiermit: Nachdem 
Uns der Apotheker Carl Wilhelm Fiedler all- 
hier unterthänigst suppilando zu vernehmen 
gegeben, wasmaßeil der Apotheker Hundertmark 
in hiesiger Unter-Neustadt Alters halber, durch 
Datalitäton und aubcre häusliche Unglückssälle 
so zurückgekornmen sehe, daß derselbe eine ord 
nungsmäßige Apotheke zu unterhalten, urtb die 
fehlenden Material-Söaamt anzuschaffen sich gantz 
außer Stande gesetzt finde, aus diese Art aber 
Unsere gnädigste Absicht, daß die Unter-Neustadt, 
wenn sie durch Wasserfluthen die Commmrioation 
mit der Alt-Stadt verliehret an pharaia66utisoh6r 
Hülfe keinen Mangel haben solle, nicht erreicht 
werde und er daher besagtem Hundertmark dessen 
privilegirte Apotheke, sämmtliche Vasa und vor- 
rüthige Materialien nach dem beygefügten vor 
läufigen Verkaufs-Instrument für Zwölfhundert 
Rthlr. abgekauft habe,mit unterthänigster Bitte, Wir 
ihm zur Fortsetzung der Apotheke und Materialien-
	        

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