Full text: Hessenland (8.1894)

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in Gottes Hand. Jetzt halte den Kopf hoch, 
Eckebrecht, es kann noch alles gut werden." 
Einige Wochen nach biefeu Ereignissen erhielt 
Agnese einen Brief mit mächtigem rothen Siegel 
verschluß, darin das Wappen Derer von Loßberg 
ausgeprägt war. Er datirte aus dem Stift 
Fischbeck und kam von Tante Klementine. Nach 
cnblofeu üblichen An- und Vorreden äußerte sich 
die gute alte Dame also: „Da ich nach Kassel 
gereiset war, um allda im Hause meines lieben 
Vetters, Sr. Excellenz von Loßberg, einmal nach 
dein Rechten zu sehen, wllrde mir daselbst eine 
Kunde, so ich mit Indignation vernommen habe. 
Nämlich, daß dem Herrn Oberisten a. D. von 
Münikerode seine Ehefrau davon gelaufen sei. — 
Bei dieser höchst pitoyabelen affaire gedenke 
ich mit Wehmuth der desperaten Lage, in der 
sich Dein Herr oncle befinden, und wodurch ihm 
zu helfen sei. Da ich nun mit so viel devoue- 
ment in Deines Herrn Vaters Witthum represen- 
tiret habe, könnte ich mich entschließen, sothanen 
Herrn Vetters, in seiner desolaten Verlassenheit 
mich anzunehmen und die lionnenrs in seinem 
Hause zu machen." 
Als Agnese dem zu Beglückenden diesen Theil 
des langen Schreibens mittheilte, brach er, trotz 
aller Bitterkeit seines Gemüthes, in helles Lachen 
aus und rief: „Da käme ich doch wahrhaftig aus 
dem Regen in die Traufe. Um Gottes Willen, 
Agnese, schreibe sofort der alten Schachtel ab. 
Ich hätte die Blattern — oder mich mit meiner 
Frau ausgesöhnt, was Du am Abschreckendsten 
findest." 
(Schluß folgt.) 
Aikbrslitder 
von A. T r a b e r t. 
IV. 
Menschenliebe, Freundesliebe, 
Freiheitsliebe, ernst und still, 
Gvttesliebe, heil'ge Liebe, 
Du bist's, der ich dienen will. 
Du bist's, die mich drängt zum Kampfe 
Für das Schöne, für das Recht; 
Die mich treibt, daß ich zerstampfe 
Jeden, der des Schlechten Knecht. 
Du bist's, die mich hat geboren: 
Du bist all mein Hab' und Gut. 
Sei nur du mir u »verloren, 
lind ich kämpfe wohlgemutst. 
Nur für's Höchste leb' und streb' ich; 
Liebe, dn bist mein Panier. 
Alles opsr' ich, alles geb' ich, 
Ideal des Lebens, dir! 
Was find Erdenleid und Schmerzen, 
Wenn in mir die Liebe loht? 
Und einst mit der Lieb' im Herzen 
Fallen, das ist Heldentod. 
tNiederhesstsch, unteres Schwalmgebiet.) 
Bie ahlen Greben, on der Bach, 
Sing hirre 2 ) Spällcgäste, 
De Mahd hutt ähre Nutte P dränn, 
Do fchnurr'n de Rärer^) feste. 
Ahl' Grebe sitzt bim Schmettenhaus 5 ), 
litt „ßä" gung än de Schule. 
„Hä" dreht en Seel tut röcht derbie, 
IIn „Sä" dreht flink de Spüle"). 
Zähn Stigge 7 ) Düch fing noch nit vull, 
Un's wäll fchunt Frijohr wären. 
De Doge 9 ) sing fchunt höllisch laang, 
Drimm hilft sä spänn 9 ) den Mähren. 
Die Hun Hitt Obed frige Bohn 79 ) 
litt säugen brov tut lachen. 
Der Oben 71 ) gliht güngz fieerroth, 
Un Loft 72 ) äß nit ze machen. 
De Fünfter die fing güitgz un gor 
Geschwätzet un verquullen. 
De Borsche säh'n je doch derdärch 
Gängz enken 7 P, bos fe Wullen. 
„De Ahlen sing, weeß Gott, nit do, 
Do kaitn mes mol räskieren! 
Me werfen itzt en düchtgen Steng 74 ), 
Deß fe sich rächt verfiehren." 7 °) 
Rum —■ bum! Dos dicht en hellschen Schlog! 
De Rärer flieggen imme. 
„Ähr Känge 7 ")! herzenlieber Gott! 
En Geest gett drüssen rimme 77 )!" 
Dann kloppt drei mol on's Fenster glich, 
En schwarzer Kopp, bin Deller groß. 
Schlooßwisse Ögen 79 ) hott dos Düng 79 ), 
Äß iwwerhöbt närrsch un kvrrjos.
        

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