Full text: Hessenland (8.1894)

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aus nach Kassel au Unkosten durch fürstliche 
Unterstützung gleichgemachte Transport der bremer 
und holländischen Waaren von Karlshafen nach 
der Hauptstadt erleichtert vieles und ersetzt der 
Stadt zum Theil den Schaden, den ihr Münden 
durch sein Stapelrecht thut. Ein ähnlicher Vor 
theil für Handel und Wandel sind die wöchent 
lich seit 1765 nach Hersfeld zweimal abgehenden 
Marktschiffe. 
„Das Kommerzkollegium arbeitet jetzt an Be 
förderung eines Speditionshandels in Kassel, 
welches den Messen helfen könnte. Eine so 
genannte seit 1724 unter einem sachverständigen 
Direktor und solchen Mitgliedern bestehende Wege 
kommission, mit ehren durch das ganze Land ver 
breiteten Oberwegc- und Brückenbau-Ingenieurs 
kommt unter dein jetzigen Landgrafen, durch seine 
mit den Landständen genommenen besten Ver 
anstaltungen eigentlich erst zu ihrer mit dem 
besten Erfolg begleiteten Zweckmäßigkeit. Die 
größere Durchfuhr durch Kassel aus einem Kreise 
in den anderen, besonders aus dem niedersächfischeu 
von Lübeck, Hamburg und Braunschweig nach 
Frankfurt wird täglich sichtbarer." 
Der Polizei Kassels wird in der Beschreibung 
mit folgenden Worten gedacht: „Eine aus dem 
Gouverneur, dem Kommandanten und Mitgliedern 
der Regierung, der Kammer, anderer Kollegien, 
der Stadtobrigkeit, dem Stadtrath und sogenannten 
Kommissarien der Oberneustadt zusammengesetzte 
Polizeikommission hat jede Ordnung, Sicherheit 
und Bequemlichkeit zur Absicht, welche Polizei- 
sache ist und heißt. Sie würde aber vielleicht 
zu noch größerem Vortheil der Stadt gereichen, 
wenn sic einige wenige Mitglieder hätte, die mit 
gehörigen Ansehen sich, ohne andere Geschäfte zu 
haben, bloß mit eigentlicher Polizei beschäftigen 
könnten." 
Auch eiu „Gesundheitskollegium" hatte man zu 
damaliger Zeit schon in Kassel. Der Verfasser 
entwirft folgende Schilderung davon. „Ein 
Collegium medicum und medico-chirurgicmn, 
das jetzt einen Chirurgum als Generalchirurguni 
zum Direktor, sechs von den Kassel'schen Aerzten 
als Mitglieder, auch einen Rechtsgelehrten zum 
Mitglied und Unterbediente hat, führt die Auf 
sicht über den Gesundheitszustand der Stadt, und 
von ihr aus durch die nun im ganzen Lande 
angestellten Physici über den im Lande. Es 
prüft alle Aerzte, Wundärzte und Apotheker, 
welche in Stadt und Land praktiziren wollen, 
nach der Absicht und dem Beruf eines jeden. 
Diese Anstalt ist durch die bekannte Hofmann'sche 
Medizinalordnnng in Deutschland bekannt ge 
worden. Die Frage, ob ein Findclhaus für eine 
solche Stadt, auch für Land uud Volk nützlich 
oder schädlich sei, hat der heutige Landgraf durch 
die Aushebung des Kasselischen an seinem Theil 
entschieden. Noch möchte zu Anstalten für den 
Gesundheitszustand in Kassel die auch ihrem 
Gebäude nach ansehnliche vor der Unterneustadt 
liegende Charite, ein großes Krankenhaus für 
iu- und auch nötigenfalls ausländische Kranke 
und Verwundete in Stadt und Land, gehören. 
Denn sie nimmt jeden aus, der solche im Land 
erreichen kann, weil Stadt und Land etwas zu 
ihrem Auskommen beitragen. Aufnahme von 
kranken Ausländern, die im Lande krank werden, 
gebietet die allgemeine Menschenliebe. Die Anstalt 
hat den Minister der Fundation, einen Rechts- 
gelehrten, Aerzte, Wundärzte, den Baudirektor 
und obrigkeitliche Personen der Stadt zu 
Direktoren, dabei aber einen eigenen Arzt, Wund 
arzt und Apotheker. Landgraf Friedrich II. 
stiftete sie. Ihre Lage außer der Stadt in der 
freien offenen Gegend des Forstes ist zweckmäßig, 
nicht zu nahe an der Stadt, auch nicht ganz 
nahe dem Dorfe. Dieses Gebäude, sowie die 
ganze Einrichtung verdient gesehen zu werden. 
Alle übrigen öffentlichen Anstalten Kassels zur 
Bildung von Aerzten, Wundärzten und Hebammen 
sind vom jetzigen Landgrafen nach der Universität 
Marburg verlegt worden." 
Nach Uebergehung minder wichtiger Angaben 
sagt die Beschreibung weiter: „Noch verdient von 
Kassel bemerkt zu werden eine durch wohlhabende 
Privatpersonen unter fürstlicher Autorität durch 
Zusammenschießnng eines großen Kapitals auf 
Aktien entstandene Leihbank oder das sogenannte 
Lombard, als eine Leih- und Kommerzienbank. 
Die Interessenten genießen jährliche Zinsen. Jeder 
mann kann gegen tarirte Unterpfänder und fest 
gesetzte Zinsen hier kleinere und größere Summen 
Geldes bekommen. Wenn die festgesetzte Zeit der 
Bezahlung verflossen ist, werden nach vorheriger 
Ankündigung, auch immer noch zuni Besten des 
Eigenthümers, die Unterpfänder an den Meist- 
bietenden verkauft. Das Heilsame dieser öffent 
lichen Anstalt rechtfertigt das Verbot, daß Niemand 
weiter in Kassel ans Unterpfänder etwas entlehnen 
und ausleihen darf. Im siebenjährigen Kriege 
unterstützte sie bei ausgeschriebenen feindlichen 
Kriegsgeldern die Stadt durch ihren Kredit und 
ist immer in den besten Umständen. 
„Kassel besitzt eine Stadtpflasterkommission. 
Dieselbe steht unter sachverständiger und obrig 
keitlicher Direktion und verschafft der Stadt zum 
Theil aus herrschaftlicher, zum Theil aus eigener 
Kasse, die aus dem Beitrag von Eigenthümern 
der Häuser und aus Stadtzuschüssen gespeist wird,
        

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