Full text: Hessenland (8.1894)

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Gulden. 
4. Gnadenverleihungm laus Gnade» vergeben) . 1000 
5. Für Kleinodien und Ringe 800 
6. Zehrungen (unb Diäten): a. Fürsten, b. Räthe 
und Edelleute, c. Gemeine, d. Reitende Boten 
und Lakaien, s. Waidleute, f. Wagenleute . 4120 
7. Herbergegeld und Hauszins 200 
8. Botenmeister zu Verlegung der Boten lPosten) 750 
9. Marschall und Gestüte (für Stahl und Eisen 
in die Hofschmiede, Beschlaggeld, Pferdeschäden 
und gekaufte Pferde) 1980 
10. Zeughaus l-Mohn, Nonnen-Seufzer und 
andere Sachen. Unter den seltenen Viktualien, 
die oft weither bezogen wurden, waren ostfriesische 
und holländische Butter. Aus einem Viertel des 
besten Korns wurden 240 Pfund, des mittleren 
220 Pfund und des geringsten 200 Pfund Brod 
gebacken. Für seine Mühe, Arbeit und das ge 
lieferte Holz erhielt der Bäcker 8 Albus unb 
4 Metzen Kleien. Das Kostgeld für diejenigen, 
welche durch Krankheit oder Unglück verhindert 
waren bei Hofe zu speisen, belief sich wöchentlich 
in der Regel auf Vs Gulden. 
Was den Weinverbrauch anlangt, so wurde 
von Landgraf Wilhelm durch eine Hofordnung 
angeordnet, daß diejenigen, die bei fremdem Be 
suche oder Fürstenlager die Aufwartung Hütten, 
den Wein so zu sich nehmen sollten, „daß er 
nicht ihrer, sondern sie desselben Meister würden". 
Als Getränk dienten Kirschenwein, aus schwarzen 
und rothen reifen Kirschen gefertigt, Eiubeckisches 
Bier und einheimische Weine. Junger Rhein 
wein wurde durch besondere Agenten angekauft. 
Spanischer Wein und Malvasier wurden nur bei 
Hochzeiten getrunken. Hofgesinde und Ritterleute, 
die am Hofe speisten, mußten sich mit inländischem 
Wein begnügen, wie es in einer Verordnung von 
circa 1570 ausgesprochen ist. „Dem Hofgesinde 
im gemeyn anzuzeigen, es habe uns unser Hauß- 
schenk angezeigt, daß sich etzliche unsers Hofgesinds 
den Wein, so uns Gott allhier im Lande wachsen 
lassen, und wir doch mit stärkerm Wein ver- 
beßert, alßv das er einem gemeinen Speisewein, 
wie er zu Heidelberg!, Studgardt, und Newburg 
zu Hoff verspeiset wirdt, beynahe gleich, wo nicht 
beßer, zu drinken verweigern, sondern nur Wickerer, 
Wallauer, Elsaßer, Obergawer und dergleichen 
Wein, so wir mit großen Kosten vor Frembde 
und nicht vor Hoffgesinde einkaufen lassen, ein 
geschenkt haben wollen. Nun befrembdet uns 
solches nicht wenig von Ihnen, als Ritter-Le'uthen, 
die, wan sie einen Trunk Wassers hetten, Gott 
darumb danken sollten, Es habe unser Herr 
Vater seliger vor Zeiten ein Hoff geführt, 
deren gleichen in Teutschland kein Fürst, haben 
so statliche Herrn und von Adel als Herzog Al 
brecht von Braunschweig, Herzog Adolf von Hol 
stein, Graf Georg Ernst von Henneberg, Rein 
hardt und Antonium von Eysenbergk, Gras 
Johann von Waldeck, Graf Albrecht von der 
Hoya, Gras Christoph von Beychlingen, Graf 
Siegmund von Gleichen, Herr Heinrich Rens; 
von Plauen unndt Andere, von Räthen und von 
Adel aber Hermann von der Malsburg u. s. w., 
die allzumal seindt mit dem gewechse, wie es 
Gott allhie zu Lande bescheret, gar woll zufrieden 
gewesen, dasselbig mit Freuden und Danksagung 
gebraucht, darum, nehme uns nicht wenig wunder, 
da sie wissen, das uns kein anderer Wein wechst, 
als etzliche Fuder in der Niedergrafschaft Catzenellen- 
pogen, welche wir für unsern und unser Kinder 
Mund, auch vor Frembde etwa ufhalten, das sie 
so leckermeulig und damit nicht so wohl wie jene 
ehrliche Leute (dero ihrer ein theils nicht würdig 
ihnen die Schuhriemen uffzulösen) zufrieden sein 
wollen. Darumb sollten sie solcher schmarotzerey 
sich in ihr Hertz hinein scheinen, das sie ihnen 
als Ritter-Leuthen solches lassen vor die Meuler 
kommen. Man könne in einer fürstlichen Hof 
haltung nit einem Jeden Lampreten kochen, und 
korckrislren und Kapaunen mit schwarzen Füßen 
speißen, oder Arboißen vorsetzen, denn darüber 
würden nit allein wir als ein Fürst, sondern 
wol ein großer Könnig verderben. Wir wehren 
ihnen nichts anderst zu geben schuldig, dan was 
uns wechst, wie unsere Vorfahren auch gethan, 
Wollen sie damit nit zufrieden sein, so mögen 
sie uns Ihren Dienst vermöge der Hofordnung 
uffsagen, und nach Außgang des Jahres ziehen, 
da wo sie Malvasier zu drinken haben, und ihre 
Schmarotzmenler wol erweiden könnn."
        

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