Full text: Hessenland (8.1894)

Landgraf Wilhelm's V. und der bedeutendsten Fürstin, 
welche je in Hessen regierte, der Landgräfin Amelie 
Elisabeth, ruhmreichen Angedenkens, ward 1652 
zu Thouars geboren. 
Einem der vornehmsten Fürstengeschlechter 
Frankreichs angehörend, welches sich früh zur 
Lehre Ealvin's bekannte, brachte ihre hohe Stellung 
wie ihre altfürstliche Abkunft, verbunden mit den 
Wirren der Zeit, welche sie bald an den fran 
zösischen Hof, bald nach den Niederlanden, dem 
dänischen Hos, oft nach Kassel führten, sie in Be 
rührung mit den hervorragendsten Erscheinungen 
des Jahrhunderts. 
Ueberaus fesselnd und lehrreich ist es, die Aus- 
zeichnungen einer Frau von solch' hoher gesell 
schaftlicher Stellung zu lesen, in welchen neben 
bedeutenden Menschen und Begebenheiten auch die 
äußeren Verhältnisse des Lebens jener fernen Zeit 
nicht übergangen sind, und die so ungeahnte kultur 
historische Einblicke in das häusliche Treiben der 
Vornehmen des XVII. Säkulums gewähren. 
Die Aufzeichnungen der Herzogin sind für ihren 
Sohn Anton II. von Aldenburg bestimmt, für 
den sie als nachmalige Gräfin von Aldenburg, 
in Barel residirend, tapfer verwickelte Erbstreitig 
keiten auskämpfte, „damit er im Falle ihres früh 
zeitigen Todes wissen möge, wie alles gekommen ist". 
Alles, was die Herzogin erzählt, ist einfach und 
wahr und erhält durch die familiäre Bestimmung 
ein überaus anheimelndes Gepräge. Wir lernen 
eine Fürstin kennen, deren intime Mittheilungen 
ihrer Beobachtungsgabe, ihrer Urtheilssähigkeit 
und der Festigkeit ihres tiefreligiösen Charakters 
ein glänzendes Zeugniß ausstellen. Dies und die 
Berührung der miterlebten geschichtlichen Ereignisse 
der Zeit, die unbefangene Wiedergabe der Ein 
drücke , welche hervorragende historische Persön 
lichkeiten auf sie gemacht, sichern dem seltenen 
Buche ansrichtige Theilnahme vom rein mensch 
lichen wie vom geschichtlichen intb kulturgeschicht 
lichen Standpunkte. 
Die sorgfältige Uebertragung durch Dr. Rein 
hard Mosen verleiht dem fesselnden Stoffe ein 
unmuthiges Gewand, sodaß die Lektüre überaus 
angenehm wird. 
Dem Herausgeber und Erläuterer der Hand 
schrift sei deshalb Dank für seine gewissenhafte 
und liebevolle Thätigkeit nicht vorenthalten, er 
hat unsere Literatur durch einen werthvollen Bei 
trag bereichert. F ü r uns Hesse n hat das 
Buch, dem ein Porträt der Herzogin beigefügt ist. 
noch ein ganz besonderes Interesse, da seine Helöin 
das Enkelkind des glorreichen Fürstenpaares Ist, 
welches im dreißigjährigen Kriege für das Heffen- 
land stritt und litt. 
Kranz Treter.. 
Im April d. Ji sind 25 Jahre seit der' Be 
gründung des R e a l g y m n a s i u m s zu K a s fei 
verflossen. Dieses Jubiläum beabsichtigen die 
früheren Schüler der Anstalt am 14. April durch 
einen Kommers im Stadtparksaal zu begehen. 
Auswärtige ehemalige Kasseler Realgymnasiasten 
bittet der Festausschuß Nachricht über ihren 
augenblicklichen Aufenthaltsort und ihre jetzige 
Stellung an die Adresse des Herrn Zahnarztes 
Carl Foerster, Kölnische Straße 27, gelangen 
zu lassen. Diese Notizen sollen zugleich als 
Material für eine zu veröffentlichende Lifte aller 
früheren und jetzigen Schüler dienen. — Die 
Vorbesprechungen für den Commers finden jeden 
Mittwoch Abend im R e st a u r a n t L u d o v i e i, 
Friedrichsplatz, statt. 
Briefkasten. 
Dr. W. Tr. u. J. Tr. geb. P. Wien. Herzlichsten 
Glückwunsch zur Vermählung. 
A. W., Kassel. Mit bestem Danke angenommen. 
G. v. P. Marburg. Ihr gütiges Anerbieten nehmen 
wir dankbarst an und sehen baldgefälliger Zusendung 
des Manuskriptes entgegen. 
E. B. Marburg. Zusendung erhalten, wird in 
einer der nächsten Nummern gebracht werden. 
Gr. 8. Marburg. Verbindlichsten Dank. 
W. S. Wiesbaden. Unmöglich. 
N. N. in B. Von 1889, 1892 und 1898 sind noch 
einige vollständige Jahrgänge zu haben, von 1891 nur 
ein Exemplar. D. V. 
Inhalt der Nummer 4 des „Hessenlandes": „Farben 
freude", Gedicht von M. Herbert; „Hessische Städte und 
hessisches Land vor hundert Jahren: II. Die Haupt- 
und Residenzstadt Kassel", von F. Zwenger (Fortsetzung); 
„Das hessische Postwesen unter Landgraf Wilhelm IX., 
nachherigem Kurfürsten Wilhelm I.", von Schwalm in 
Marburg; „Ohm und Onkel". Erzählung von C. von 
Dincklage - Campe (Fortsetzung); „Liebeslieder" von 
A. Trabert; Aus alter und neuer Zeit; Aus Heimath 
und Fremde; Hessische Bücherschau; Briefkasten. 
Den geehrten Abonnenten werden 
Wroßenummern zur gest. Weiter 
Verbreitung gern zur Verfügung 
gestellt vom ' Verleger. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwenger in Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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