Full text: Hessenland (8.1894)

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Otto Wachs, Kleinasien aus der Vogelschau. - 
Das erste Heft der von Karl Siegen heraus 
gegebenen „Westöstlichen Rundschau" vom 
1. Januar 1894 enthält obigen Aussatz aus der 
Feder unseres Landsmannes, des Majors a. D. 
Otto Wachs in Charlottenburg, und wir möchten 
an dieser Stelle um so lieber davon Notiz nehmen, 
als der Verfasser auch seinerseits in der Ferne 
unseren hessischen Verhältnissen die sorgfältigste 
Aufmerksamkeit widmet. Otto Wachs hat sich, 
seitdem er den praktischen Dienst verlassen hat, der 
theoretischeil Seite der Militärwissenschaft aus 
schließlich zugewandt und hat in beit letzten Jahren 
eine Reihe von Aussätzen und Broschüren ver 
öffentlicht, welche bei ihrem Erscheinen oft nicht 
geringes Aufsehen erregten, so u. a. seine Schrift 
„Die Weltstellung Englands, militärisch-politisch 
beleuchtet. Kassel 1886" und „Der Kamps um 
Konstantinopel" (Internationale Revue über die 
Armeen und Flotten, Jahrg. VI, Heft 5). 
Alle jene Schriften, welche meist die Tendenz 
haben, aus das drohende Uebergewicht des russischen 
Reiches hinzuweisen und dessen Machtmittel im Ver 
gleich zu denen seiner muthmaßlichen Gegner im 
nächsten Orientkriege zu beleuchten, haben namentlich in 
England nicht selten einen die gesummte dortige Presse 
beschäftigenden Erfolg gehabt. Den nämlichen Zweck, 
Rußlands Angriffsstellung vom militärischen Stand 
punkte aus zu würdigen, hat der von uns an 
geführte Aufsatz. Diesmal ist es Kleinasien, das 
der Verfasser zunächst in anregender Weise voll 
allen Seiten beleuchtet, um sodanil die Möglichkeit, 
ja Wahrscheinlichkeit eines russischell Angriffs aus 
diesen Theil des Türkenreiches sowie die Aus 
sichten auf den Erfolg, den beide Gegner eventuell 
haben können, allseitig zu erörtern. Der Auf 
satz ist von hohem Interesse, die Zeitschrift selbst, 
in deren erster Nummer er sich befindet, zählt 
eine lange Reihe der vorzüglichsten Mitarbeiter 
aus, sodaß sie, — wenn diese wirklich halten, was 
sie versprochen, — bald zu unseren anziehendsten 
periodischen Blättern gehören dürste. Ihr aus 
gesprochener Zweck ist, den Interessen des Drei 
bundes zu dienen. 
K. Wr. 
H. Warlich. Wie kann ein gesunder Körper 
und ein gesunder Geist bei der Erziehung der 
deutschen Jugend gebildet werden? Eine 
praktische Lösung der Frage. Kassel (E. Huhn) 
1894. 34 S. 8o. 
Dr. Warlich, seit längeren Jahren Vorsteher 
eines Privatpädagogiums in Kassel, hat den Plan 
gefaßt, aus Wilhelmshöhe eine neue Erziehungs 
anstalt zu gründen, welche nach den Grundsätzen 
sorgfältigster hygienischer Pflege des Geistes unb 
Körpers geleitet werden soll. Welches diese 
Grundsätze sind, hat der Verfasser in der uns 
vorliegenden Schrift eingehend entwickelt. Da 
die Anstalt zur Ausnahme solcher Knaben be 
stimmt ist, deren Entwickelungsgang durch irgend 
welche Einflüsse gehemmt worden ist, namentlich 
aber zur Aufnahme solcher Kinder, die bei wenig 
entwickelten Körperkräften und Angesichts der 
einer genügenden körperlichen Ausbildung wenig 
günstigen Schulverhältnisse der großen Städte 
nothwendig entweder zurückbleiben oder unter 
der geistigen Ueberanstrengung Schaden nehmen 
müßten, so darf man dem Unternehmen gewiß 
von Herzen Gedeihen wünschen. Die Anstalt steht 
unter der unmittelbaren ärztlichen Aussicht der 
derzeitigen Leiter der Wiederhold'schen Kuranstalt 
aus Wilhelmshöhe, der Herren Dr. Wied er hold 
und Dr. Brunner, und bietet daher alle Ge 
währ für eine sachgemäße hygienische Pflege der 
Zöglinge. Aber mich abgesehen von dem prak 
tischen Zwecke, den die vorliegende Broschüre im 
Auge hat, ist diese an sich lesenswert!) namentlich 
wegen der darin (wenn auch nicht zuerst) 
gethanen Vorschläge für Beseitigung mancher 
Mißstände in unserem höheren Schulwesen, die 
sich, trotzdem sie lange erkannt sind, mit eiserner, 
vom Bureaukratismus festgehaltener Zähigkeit 
weiterschleppen. 
Das Leben der Prinzessin Charlotte 
Amalie de l a Tremoille, G r ä s i n 
von Aldenburg. Erzählt von ihr selbst, 
übersetzt und erläutert von Dr. Reinhard 
M o s e n, Großherzoglich Oldenbnrgischem Ober 
bibliothekar. Oldenburg und Leipzig, Schulze'sche 
Hofbuchhandlung. 
Wenn eine Frau, ausgerüstet mit Schätzen 
des Herzens und Geistes, deren langes Leben 
reich an merkwürdigen Schicksalen und Verkettungen 
war, es unternimmt, niederzuschreiben, was sie 
äußerlich und innerlich erlebt hat, so sind solche 
Aufzeichnungen um so dankenswerter für die 
nachgeborenen Geschlechter, je umfangreicher und 
bedeutender der Kreis war, den sie in den Bereich 
ihrer Betrachtungen zu ziehen vermochte. 
Amalie de la Tremoille, die Tochter des Herzogs 
de la Tremoille, Prinzen von Tarent und der 
Prinzessin Emilie von Hessen-Kassel, die Enkelin
	        

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