Full text: Hessenland (8.1894)

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die alma mater Philippina steht, die Einigkeit zwischen 
den Hochgeehrten Herren Professoren unb der Studenten 
schaft unverändert fortdauern wird. 
Möge es Ihnen, Hochgeehrter Herr Prorektor und 
Professor, beschieden sein, noch lange der Marburger 
Universität zum Ruhme zu gereichen, zu Ehren der Wissen 
schaft, zu Nutz und Frommen der Studirenden. 
Die Korporationen an der ahna mater Philippina. 
Es folgen die Unterschriften der Chargirten. 
Todesfälle. Am 12. d. M. verschied zu 
Montreux iu der französischen Schweiz an den 
Folgen einer Lungenentzündung im 79. Lebens 
jahre der königliche Eisenbahndirektions-Präsident 
a. D. Sigmund von Schmerfeld. Der Ver 
blichene, geboren am 1. Oktober 1815 zu Kassel, 
war vor 1866 oberster Leiter des Eisenbahn- und 
Postwesens des Kurfürstenthums Hessen, später 
Eisenbahndirektor in Schlesien und zuletzt Präsident 
der königlichen Eisenbahndirektion in Hannover. Mit 
hervorragenden Geistesgaben ausgestattet, hat er 
sich in seinem Amte als oberster Betriebsleiter 
außerordentliche Verdienste erworben, die durch 
Ordensauszeichnungen re. auch von allerhöchster 
Stelle anerkannt wurden. Als von Schmerseld 
am 12. Oktober 1887 in Hannover sein 50jähriges 
Dienstjubiläum feierte, hatte er sich ganz besonderen 
Ehrungen von den hohen Staatsbehörden sowie 
seitens der ihm unterstellten Beamtenschaft zu er 
freuen. Nach seiner erst vor wenigen Jahren 
aus seinen Wunsch erfolgten Pensionirung kehrte 
er in seine Vaterstadt Kassel zurück, welcher er 
stets ein warmes Herz bewahrt hatte, um hier 
seinen Lebensabend zu verbringen. Ein Herz- und 
Lungenleiden veranlaßte ihn, sich nach dem Süden 
zu begeben, nach dem Kurorte Montreux, wo ihn 
der Tod ereilte. Sein Andenken wird stets ein 
gesegnetes bleiben. 
Am 14. Februar verschied zu Fulda nach 
langem schweren Leiden im 81. Lebensjahre der 
hochwürdige Domdechant und Generalvikar Karl 
Kalb. Das Domkapitel der Diözese Fulda widmet 
dem verblichenen Jubelpriester in der „Fuldaer 
Zeitung" einen warmen Nachruf, in welchem ihm 
das ehrenvolle Zeugniß gegeben wird, daß er stets 
durch echt priesterlichen Wandel, gewissenhafte 
Pflichttreue und Hingabe in allen seinen kirchlichen 
Amts- und Berussstellungen sowie durch große 
Freigebigkeit für kirchliche und wohlthätige Zwecke 
sich ausgezeichnet hat. Geboren war Kalb am 31. 
Januar 1813 zu Fulda, er besuchte das Gymnasium 
und Lyzeum seiner Vaterstadt, studirte dann Theo 
logie an der theologischen Lehranstalt zu Fulda 
und wurde am 20. Mai 1837 zum Priester geweiht. 
Nachdem er einige Zeit die Stelle als Religions 
lehrer an der städtischen Knabenschule zu Fulda 
versehen, wurde er am 29. August 1840 zum 
Stadtkaplan in seiner Vaterstadt ernannt und am 
12. Mai 1849 zum Dompräbendar und Kapitels 
sekretär befördert. Am 16. April 1868 erfolgte 
seine Ernennung zum Domkapitular, und am 12. Mai 
1882 wurde ihm das hohe kirchliche Amt des 
Domdechanten und Generalvikars der Diözese Fulda 
übertragen. Am 30. Mai 1887 feierte er sein 
fünfzigjähriges Priesterjubiläum. R. i. p. 
Hessische Bücherschau. 
Eine Frühlingsfahrt nach Malta, mit 
Ausflügen in Sizilien, von In l i u s Roden- 
berg. Berlin, Gebrüder Paetel. 1893. 
Das Buch bietet weit mehr als eine unserer land 
läufigen Reiseskizzen, denn der Verfasser verbindet 
mit seiner bekannten seinen Beobachtungsgabe eine 
außerordentliche Belesenheit und verfügt über reiche 
literarische Kenntnisse. Trotzdem die Schilderung 
der Insel Malta noch nicht die Hälfte des Ganzen 
einnimmt, enthält sie eine Fülle neuen Stoffs und 
ist sicher dazu angethan, viele zu einer Reise nach 
jenem paradiesisch schönen und verhältnismäßig 
bequem zu erreichenden Eiland zu verlocken. Sehr- 
lehrreich sind besonders Rodenberg's Mittheilungen 
über die Bewohner Maltas, denen er gerade kein 
gutes Zeugniß ausstellt. Die Insel „bildet heute 
ein völkergeschichtliches Unikum oder Fragmellt", 
denn ihre Einwohner sind wahrscheinlich semitischen 
Blutes, sprechen eine durch das Arabische stark 
beeinflußte Mundart, gehören durch Bildung und 
Verkehr zu Italien und sind englische Unterthanen. 
Rechnet man die Reste der alten Ordensherrschast 
hinzu, so ist einleuchtend, wie viel kulturgeschichtliches 
Material sich hier dem Reisenden aus Schritt und 
Tritt aufdrängt. Die anderen Theile des Werks 
schildern die schönsten Punkte Siziliens: Syrakus, 
Taormina, Aci Reale, Girgenti und Palermo. 
Auch hier beschränkt sich der Verfasser nicht auf 
eine Darstellung moderner Verhältnisse, die er 
übrigens vom wirthschaftlichen Standpunkte aus 
durchweg richtig aufsaßt, sondern die Geister Homerts, 
Goethe's, Platen's umschweben ihn. Daß Inhalt 
und Stil des Buches edel und vornehm sind, braucht 
wohl nicht weiter hervorgehoben zu werden. Das 
versteht sich bei unserem verehrten hessischen Lands 
manne Julius Rodenberg von selbst. (V. Z.)
        

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