Full text: Hessenland (8.1894)

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Kirbeslikdep 
von A. T r a b e r t. 
I. 
H komme vald! Ich rufe Pich. 
Daheim! Daheim! O süßer Laut — 
Und jetzt so wonneleer, 
So öd' und einsam, daß mir graut; 
Wie drückt mich das so schwer! 
Mein Weib ist todt in's siebte Jahr, 
Und, was von ihr mir blieb, 
Mein Kind, das meine Freude war, 
Hat mir entführt die Lieb'. 
So ward zum Friedhos mir geweiht 
Mein einst so heit'res Haus; 
Nur Schatten der Vergangenheit 
Geh'n traurig ein und aus. 
O komme, die mein Herz begehrt 
Als heißersehnten Gast. 
O komm' und mache Du mir werth 
Des Lebens müde Last. 
Du, die so hold mich angelacht 
Und jetzt mir weilt so fern, 
O komm'! Erleuchte mir die Nacht 
Als meiner Hoffnung Stern. 
O komme bald! Ich rufe Dich, 
Du Ende meiner Noth; 
Komm'! Plaudre, kose, rette mich, 
Sonst sehn' ich mich zu Tod. 
II. 
Lieve sei Pein Levenslauf. 
Freunde bei den Aktenfächern, 
Zecher bei den vollen Bechern, 
Grüß' Euch Gott! Mir schmeckt's nicht mehr. 
Seit ich, wo sie wohnt, gefunden, 
Wandr' ich alle Tag und Stunden, 
Sie nur suchend, hin und her. 
Braune Aeuglein, hell und munter, 
Grüßen gar so hold herunter 
Und ich selber grüß' hinauf. 
All' mein Denken, all' mein Sinnen 
Ist ein einzig süßes Minnen, 
Liebe ward mein Lebenslauf. 
Wenn Ihr Nachts, vom Weine trunken, 
Singt und lärmt in den Spelunken, 
Geht das Pförtlein dort mir auf; 
Und im Arme meiner Trauten 
Horch ich nur den süßen Lauten: 
„Liebe sei Dein Lebenslauf!" 
Nennt Ihr mich darum den Thoren, 
Fühl' ich mich wie neugeboren, 
Fröhlich rufend mein Glückauf! 
Und in allen meinen Liedern 
Will ich jubelnd ihr erwidern: 
Liebe sei Dein Lebeslauf! 
III. 
Eifersucht. 
Wie glitzert's da droben Stern an Stern 
lind alle küssen mein Liebchen so gern. 
Sie küssen's mit gold'nen Strahlen 
Allnächtlich zu tausend Malen. 
Ihr Sternlein da droben, treibt's nicht zu toll! 
Sonst zieh' ich de» Vorhang vor im Groll 
Und küsse statt Eurer Strahlen 
Sie heimlich zu tausend Malen. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Das Kadettenhaus zu Kassel. Nach der 
im Jahr 1806 erfolgten Auflösung der alten 
Kadettenanstalt, welche sich in dem am Steinweg 
gelegenen, spater „das Kunsthaus" genannten Hause 
befand, wurde im Jahr 1809, unter der Leitung 
des westfälischen Artilleriegenerals Mir, das 
Gebäude in der unteren Königstraße, jetzt Proviant- 
magazin, als Deolo d'Artillerie erbaut und im 
Jahr 1815, neu hergerichtet, zum Kadettenhaus 
bestimmt. Als solches hat es 51 Jahre hindurch 
gedient, und findeil diese Auszeichnilngen daher 
wohl einiges Interesse bei denjenigen, welche selbst 
oder deren Vorfahren ihre militärische Ausbildung 
in dieser Anstalt genossen haben. 
Zum ersten Kommandeur wurde damals Oberst 
von Cochenhausen ernannt. Verwaltungsoffizier 
war Hauptmann Ruperti. Unterricht ertheilten: int 
Planzeichnen: Hauptmann Wiegrebe; in der 
Mathematik: Hauptmann von Radowitz; in der 
Geographie: Rath Glaß; in der Geschichte: Hof 
rath Professor Niemeier; in der deutschen Sprache: 
Kantor Vogt; in der französischen Sprache: 
Mr. Hodiesne; im Fechten: Mr. Labassée; im 
Reiten: Mr. Credo; im Tanzen: Balletmeister 
Brümer. Das Exerziren dirigirte Oberst von 
Cochenhausen persönlich, Ehrenches der Anstalt war 
der Generaladjutant des Kurfürsten, General- 
lieutenant von Thümmel. 
von Cochenhausen galt als ein sehr gelehrter 
Offizier; ein von ihm erfundener Globus befindet 
sich im Kasseler Museum. Wiegrebe und von 
Radowitz waren Eleven der westfälischen Artillerie- 
schule gewesen, sie trugen Artilleriennisorm tutb
        

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