Full text: Hessenland (8.1894)

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Postoffizianten enthielt, durften keine Aenderungen 
ohne landesherrliche Genehmigung vorgenommen 
werden. Zur Besetzung der Poststellen durften 
nur Landeseingeborene dem Landesherrn in Vor 
schlag gebracht werden, deren Bestätigung er sich 
vorbehielt, auch die Verleihung der Titel war 
lediglich seine Sache. Alle Administrations- 
Transport-, Unterhaltungs- rc. Kosten (einschließlich 
der Besoldungen und Pensionen der Beamten 
und Unterbeamten) sowie die Entschädigungs 
beträge für in Verlust gerathene Sachen hatte 
der Erblandpostmeister zu bestreiten. Zum Schluß 
wurde vonr Kurfürsten dem unter der neuen 
Verwaltung stehenden Postwesen der landesherrliche 
Schutz und alle bisherigen Begünstigungen zu 
gesichert. Als staatliche Kontrolbehörde wurde 
die „Kurfürstliche General-Post-Inspection" in 
Kassel eingesetzt. 
Es dürfte hier noch zu erwähnen sein, daß der 
Erblandpostmeister im Laufe der Zeit noch weitere 
Verpflichtungen zu übernehmen hatte, insbesondere 
die Zahlung der Pensionen, welche auf Grund 
des im November 1836 zwischen der kurfürstlichen 
Staatsregierung und dem Fürsten Erblandpost 
meister verabredeten „Pensions-Regulativ für die 
Kurhessischen Postbeamten, sowie deren Hinter 
bliebenen Wittwen und Waisen" festgesetzt wurden. 
Die Privilegien der Fürsten von Thurn und 
Taxis, welche ihnen ungeheuere Reichthümer ein 
brachten, fanden in den 60er Jahren ihr Ende: 
Nach dem von Preußen glücklich beendeten Krieg 
von 1866 wurde das gesammte fürstlich Thurn 
und Taxis'sche Postwesen von diesem Staate in 
Administration genommen, und ging dasselbe dann 
nach dem zwischen dem preußischen Staat und 
dem Fürsten Maximilian Karl von Thurn und 
Taxis am 28. Januar 1867 abgeschlossenen 
Vertrag in seinem ganzen Umfange mit allen 
Rechten und allem Zubehör an unbeweglichem 
und beweglichem Eigenthum, Inventarien, Uten 
silien rc. in das Eigenthum, den Besitz und Genuß 
des preußischen Staates über. Als Entschädigung 
erhielt der genannte Fürst 3 Millionen Thaler. 
Ohm und Onkel. 
Erzählung von C. von Dincklage-Campe. 
(Fortsetzung.) 
^l er Oberst war so sehr in seine eignen Ange- 
l| legenheiten vertieft, daß ihm das anfängliche 
Schweigen seiner Zuhörerin nicht aufgefalleit 
war. Jetzt, wo sie sprach, erschrak er fast vor dem 
herben Klang ihrer Stimme, der wie einer ge 
sprungenen Glocke alle weichen Akkorde fehlten. 
Von seinem Sitz gleichfalls aufspringend rief 
er: „Agnese! das willst Du thun?" 
„Was ist da zu verwundern? Ohm Tankmar 
ist der klügste und edelste Mensch, der jemals 
ein treues Herz in der Brust trug; warum sollte 
ich ihn nicht glücklich machen?" 
Eckebrecht biß sich auf die Lippen. Die lang 
jährige Gewohnheit, Agnese als ihm verbunden 
anzusehen, hatte ihn hingerissen, bis er sich be 
wußt ward, daß er selbst jedes Anrecht an das 
Mädchen verloren hatte. 
„Ich verstehe durchaus nicht," nahm Fräulein 
von Loßberg wieder das Wort, „was mir dies 
alles soll, warum Du nicht freimüthig vor Deine 
Mutter hintrittst, ihre Vergebung zu erbitten. 
Die alte Frau sehnt sich längst danach, Dich in 
die Arme zu schließen." 
„Weiß Gott, Agnese, daß ich nicht feige bi», 
habe ich bewiesen, aber mit dem Bekenntniß 
meiner ohne ihre Zustimmung eingegangenen 
Ehe vor sie hinzutreten, fehlt mir der Muth. 
Ich hoffte, Du würdest es übernehmen, Mama 
vorzubereiten und sie zu überzeugen, daß die 
Verhältnisse mich zu ungesäumtem Handeln 
drängten. Wenn Du mich anhören willst, wirst 
auch Du vielleicht das harte Urtheil ändern, 
welches in Deinen Zügen geschrieben steht." 
„So rede," lautete ihre Antwort, „aber mache 
es kurz und sei wahr, sofern ich Dir beistehen soll." 
„Liebe kleine Agnese!" begann er weich. „Immer 
hat mein Herz Dir angehangen, und wenn es 
auch, leicht entflammt, für die wechselnden Ein 
drücke weiblicher Schönheit nicht unempfindlich 
war, immer kehrte es zu Dir zurück." 
„Das habe ich nicht zu hören verlangt", schaltete 
das Mädchen ein. 
„Nein, aber Du willst Wahrheit." 
„Komm zu Deiner Heirath, das andere ist 
Nebensache." 
„Wohl! Bei Lady Hemfort vereinten sich dem 
Reize einer bestrickenden Erscheinung Geist und 
Herzensgüte. Wenigstens durfte ich auf letztere aus 
der sorgsamen Pflege schließen, durch welche sie in 
Philadelphia mein Leben rettete. — Was soll
        

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