Full text: Hessenland (8.1894)

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Posten, Couriers und Estafetten; die §§ 7, 8, 
12, 60 handeln von den Posthäusern und 
Passagierstuben, von der äußeren Bezeichnung 
der ersteren. In den §§ 13—22, 24, 40, 42—45, 
47, 50, 51, 53, 54, 58, 61, 63, 75, 76, 77 
sind die Vorschriften enthalten über die einzelnen 
Dienstzweige, über die Versendungsgegenstände, 
als Briefe, Packete, Geld- und Werthsendungen, 
über Passagiere und Extrapostreisende nebst deren 
Gepäck, über die Poststraßen re. lind der Nest, 
nämlich die 88 22, 28—33, 36—39, 46, 68, 
69, 72, 79 enthält die Vorschriften über den 
Postzwang, über Inhalt und Beschaffenheit der 
aufgeliefert werdenden Gegenstände, über verloren 
gegangene Sachen, über Aushülseleistung der 
Pferdebesitzer in besonderen Fällen re. 
Dem Landgrafen war es hoher Ernst, daß die 
fahrenden Posten sicher überkamen und die zu 
befördernden Sachen nicht geraubt oder verun 
treut wurden, denn im 8 58 heißt es: „Ueber- 
haupt wollen Wir, daß den Posten auf Straßen 
und Wegen Sicherheit geleistet werde und befehlen, 
daß sich bey Lebens- und Leibesstrafe niemand an 
den sauf den Postens befindlichen Personen, Sachen 
und Paqueten vergreifen, oder solchen einigen 
Schaden und Nachtheil zufügen soll." Das Post 
institut und die Beamten desselben sowie die 
Postillone werden außerdem unter den besonderen 
Schutz des Landesherrn gestellt, auch den Post- 
häusern, den Beamten und Postillonen von dem 
selben besondere Vorrechte gegeben, damit das 
Volk den nöthigen Respekt habe. Alle Zuwider 
handlungen gegen die ergangenen Vorschriften 
werden in jedem einzelnen Falle unter hohe Strafe 
gestellt. 
Diese Postordnung behielt Geltung bis zur 
Errichtung des Königreichs Westfalen unter 
Jöröme, welcher die hessischen Posten mit denen 
der Posten in den anderen Gebietstheilen verband 
und für dieselben gemeinsame Vorschriften erließ. 
Nach der Rückkehr des angestammten Herrschers, 
nun (seit 1803) Kurfürsten Wilhelm I. in 
seine Lande erhielt die von ihm erlassene 
Postordnung ihre Geltung wieder; derselbe er 
gänzte sie noch durch das am 14. Oktober 1815 
herausgegebene Reglement über die Extraposten, 
Couriers und Estafetten. Dies Reglement be 
stimmt die Entfernungen auf den Haupt- und 
Nebenkursen iin Lande von Ort zu Ort nach 
Meilen, dann die Taxen pro Pferd und Meile 
bei Extraposten, Courieren und Estafetten, die 
Taxen für die bedeckten und unbedeckten Post 
kaleschen pro Meile, die Höhe des Pvstillvns- 
trinkgeldes und des Schmiergeldes. 
Der Kurfürst mochte aber doch wohl einsehen, 
daß es besser sei, wenn das hessische Postwesen 
dem eines anderen größeren Postgebiets eingefügt 
werde, und daß dies den Unterthanen sowohl als 
der Staatskasse große Vortheile eintragen würde. 
Ein Anerbieten des Hauses Thurn und Taxis 
zur Uebernahme der hessischen Posten kam ihm 
daher ganz gelegen, und so entschloß er sich denn 
im Jahre 1816, dieselben in die Verwaltung 
jenes Hauses zu geben und zwar gegen Zahlung 
eines jährlichen Kanons von 40 000 Thalern. 
Die vom Kurfürsten erlassenen Vorschriften be 
hielten zwar ihre Geltung, allein die Thurn und 
Taxis erlangten nun doch das Postwesen, nach 
welchem die Ahnen über 300 Jahre lang gestrebt 
hatten, und das in dieser langen Zeit von den 
Landesherren gehütet und gepflegt üwrden war. 
In dem am 29. Juni 1816 abgeschlossenen 
Vertrag heißt es: „ zur Erreichung einer 
dem handelnden und correspondirenden Publico 
vortheilhaften, sowie den allgemeinen Verkehr be 
fördernden Gleichförmigkeit (übertragen Wir) dem 
Fürsten Carl Alexander von Thurn und Taxis 
für ihn und seine männlichen Nachkommen die 
Würde eines kurhessischen Erblandpostmeisters, 
auch damit als eigentliches Erb-Mann-Thronlehn 
das nutzbare Eigenthun: und die Verwaltung 
sämmtlicher Posten in Unserem Kurstaate. — 
Das Postregale mit allen seinen Ausflüssen, 
das Obereigenthum der Posten, sowie alle Hoheits 
rechte über dieselbe, namentlich: die Ergreifung 
jeder Maßregel, welche die Sicherheit und das 
Wohl des Staates und des Publikums erfordern 
können, die Ausübung der Postpolizeigewalt und 
das uneingeschränkte Gesetzgebungsrecht in Post 
sachen und alle dahin einschlagende Gegenstände 
bleiben Uns und Unseren Nachfolgern in der 
Regierung als Landes- und Lehnsherrn lediglich 
vorbehalten." 
Demzufolge unterlagen die Pvrtotaxen bei den 
reitenden und fahrenden ordinären Posten und 
die Taxe für Beförderung der Extraposten, Couriers 
und Estafetten, ferner Verträge und Konventionen 
über Anknüpfung und Verbindung der Posten 
mit denen anderer Staaten der landesherrlichen 
Genehmigung; die vorhandenen Postordnungen 
und Reglements verblieben in voller Kraft und 
waren zukünftig nur vom Landesherrn zu erlassen; 
Postbeamte und Postoffizianten hatten nur die 
vom Landesherrn verordnete Uniform und die 
Unterbeamten die verordnete Livree, die Postsiegel 
aber die Aufschrift „Kurhessisches Postamt" 
(Verwaltung, Station re.) zu tragen, die Post- 
häuser und Postcomtoirs als äußeres Erkennungs 
zeichen das kurhessische Wappen zu führen; in 
der Eidesformel, welche die Dienstinstruktion der
        

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