Full text: Hessenland (8.1894)

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gegenwärtig sein könnte, daß aber die Bvten, so 
seine Befehle an die Grenzen und in's Burgunder 
land tragen sollten, an keinem Wirthshaus vor 
beigehen könnten, ohne anzuhalten, dem Weine 
zu Liebe, auch sonst ihren Botendienst verab 
säumten und höchst unzuverlässig wären. Zur 
Abstellung der hervorgetretenen Itebelstände er 
theilte Maximilian an I. von Tassis in den 
Jahren 1496 und 1498 verschiedene Privilegien. 
Letzterer richtete in Folge dessen zunächst die 
Linie von Wien nach Brüssel mit berittenen 
Boten ein, welche die Briefschaften in einem 
Felleisen bei sich trugen. Diese erste Linie wurde 
sehr bald durch Zweiglinien nach Frankreich, 
Hamburg und im Süden nach Mailand, Venedig, 
ja bis nach Rom erweitert, und in den wich 
tigsten Städten und Grenzorten wurden Anstalten 
zum Sammeln und Ausgeben der Briefe wie 
zuin Wechseln der Pferde errichtet. 
Den für die Entwickelung des Postwesens 
grundlegenden Vertrag schloß Karl V. (1519 
bis 1556) mit I. und F. von Tassis ab. 
Der Zweck desselben war vorwiegend, das ge 
rammte Postwesen des weit ausgebreiteten Reiches 
ganz den Tassis zu sichern, und wurden beide zu 
Generalpostmeistern ernannt. Sie konnten in 
ihrem Verwaltungsgebiet frei schalten, mußten 
aber vorab die Beförderung sämmtlicher könig 
licher Briefschaften übernehmen. Der Vertrag 
trat am 15. November 1525 in Kraft. Inner 
halb 12 Tagen mußten die niederländischen Posten, 
innerhalb 20 Tagen die spanische, römische, 
neapolitanische, deutsche und französische Post in 
Thätigkeit sein. Die Fristen, in denen die Ent 
fernungen zurückgelegt werden mußten, waren 
gegen früher herabgesetzt; in mäßiger Entfernung 
wurden daher überall Stationen angelegt. 
Kaiser Rudolph II. befestigte durch ein 
Patent vom Jahre 1595 dem Hause Thurn 
und Taxis*) den Besitz der Postgerechtsame in 
sämmtlichen kaiserlichen Landen und ernannte 
das damalige Haupt des Hauses, Leonhard von 
Thurn und Taxis, wiederum zum Generalpvst- 
meister und seinem Nachfolger, Lamoral von 
Thurn und Taxis, wurde abermals durch ein 
kaiserliches Dekret die Belastung des Privilegiums 
„für sich und seine männlichen Erben zu Lehen" 
bestätigt. 
Weil allerlei Unzuträglichkeiten unter der Ver 
waltung der Thurn und Taxis entstanden, die 
Reichspostmeister sich übermüthiger Willkür und 
trotziger Ueberhebung schuldig machten, auch den 
*) Die ursprünglich italienischen Edelleute Tassis 
hatten sich inzwischen in Deutschland naturalisiren lassen 
und den Namen Thurn und Taxis angenommen. 
Portosatz nach Belieben hoch schraubten, ent 
standen viel Klagen aus dem Volke. 
Von den deutschen Reichsfürsten waren es die 
Regenten von Brandenburg-Preußen und 
die von Hessen, welche sich um die den Tassis 
ertheilten Privilegien micht kümmerten, vielmehr 
in ihren Staaten eigene Posten gründeten. Sv 
wurden z. B. unter den beiden Kurfürsten 
Joachim I. und II. (1499—1571) alle landes 
herrlichen und Privatbriefe durch 30 vereidete 
Boten bestellt. Sie besorgten gleichzeitig auf 
ihren Berufsgängen die Briefe in's Ausland, 
nach Böhmen, Sachsen, Oesterreich, ganz Süd 
deutschland, Holland, Dänemark re., sammelten 
und bestellten unterwegs, was ihnen eingehändigt 
wurde, und ließen sich dafür nach Willkür einen 
Bestellerlohn bezahlen. Unter dein Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm wurden statt der Botenposten 
Reitposten eingestellt, und 1646 wurden dergleichen 
Posten auch nach und aus Rußland eingerichtet, 
desgleichen auch nach Warschau. 
Von den Landgrafen von Hessen war es schon 
Philipp der Großmüthige (1509—1567), 
welcher wie die Kurfürsten Joachim I. und II. 
ein geregeltes Pvstwesen in seinen Landen ein 
führte. Dasselbe wurde im Laufe der Zeit von 
den Regierungsnachfolgern, gleich wie in den 
preußischen Landen, immer mehr vervollkommnet. 
Die letzte Organisation in Hessen unternahm 
Landgraf W i h e l m IX., indem derselbe ver 
altete Verordnungen aufhob und eine neue das 
gesammte Postwesen umfassende Postordnung 
unter dem 9. Mai 1788 erließ. 
Im Eingang dieser Postordnung wird gesagt: 
„um den richtigen Lauf und die Sicherheit 
der Posten, woran Staat, den: Cvmmerciv und 
einem jeden Reisenden und in Correspvndenz 
stehenden Particulier so sehr gelegen, zu erhalten 
und .... das lins zustehende Postregal in 
unseren Landen auf einen guten Fuß durchgängig 
zu setzen. . . ." Sie umfaßt 80 Paragraphen; 
die W 1, 3, 4, 8, 9, 11, 25, 26, 27, 34, 35, 
47, 49, 55, 62, 65, 66, 67, 70, 71, 73, 74, 
76, 77, 78, 80 handeln von den Beamten 
(Postmeister, Postverwalter und Posthalter) und 
Unterbeamten (Postbediente); von deren Unter 
ordnung unter das Oberpostamt und dessen 
Directorio, von ihren Rechten und Pflichten in 
ihrer dienstlichen und privatrechtlichen Stellung 
und von den einzelnen ihnen zufallenden Dienst- 
zweigen. Die 88 2, 5, 6, 10, 11, 14, 23, 41, 
47, 48, 52, 56, 57, 59, 64, 78 handeln von 
den Rechten und Pflichten der Postillone, von 
ihren Dienstverrichtungen bei Ueberführung der 
ordinären Posten nebst Beiwagen, der Extra-
        

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