Volltext: Hessenland (8.1894)

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„Gutes Kind", entgegnete er ihre Hand er 
greifend. „Nein, das ist es nicht, ich habe eine 
Gattin mitgebracht, der ich einen freundlichen 
Empfang in ihrer künftigen Heimath sichern 
möchte." 
Das Mädchen schnellte von dem Sitz empvr, 
ihm ihre Hand entreißend, griff sie damit »ach 
dem Herzen. Einen Augenblick war es ihr, als 
drehe sich alles mit ihr im Kreise herum, aber 
sie gewann ihre Fassung wieder, bevor ihr Nachbar 
gewahren konnte, wie jäh und tief er ihr Herz 
mit seiner Mittheilung verwundet hatte. 
„Du brauchst nicht sv sehr zu erschrecken," fuhr 
der Offizier fort, „ich führe Euch nicht etwa eine 
Schwarze oder Rothhaut zu. Alice ist eine voll 
kommene Lady aus vornehmer englischer Familie, 
vielleicht reichlich verwöhnt für die beschränkten 
Verhältnisse von Münikerode. Ich habe gedacht, 
wenn Mutter einverstanden wäre, da Tankmar 
nicht heirathet, ..." 
„Du irrst," entgegnete Fräulein von Loßberg, 
„Ohm Tankmar wirbt um mich, und ich stehe 
im Begriff, ihm mein Jawort zu geben." 
(Fortsetzung folgt.) 
Isis rille Miillerlein. 
Ich ging einmal spazieren 
Im hellen Frühlingsschein, 
Da saß an grüner Hecke 
Ein altes Mütterlein. 
„Freut Ihr Euch auch der Blüthen? 
So hab' ich sie gefragt, 
Da lächelte sie müde , 
lind hat zu mir gesagt: 
„Ich freu’ mich nicht der Blüthen, 
In iitir ist's todt und still, 
Ich bi» allein auf Erden, 
Möcht' sterben —, wenn's Gott will. 
Es sind gestorben alle, 
Die ich geliebet hab', 
Zuletzt bei Gravelotte 
Da legte man in's Grab 
Mir meinen Sohn, den letzten. 
Nun seh' ich jede Nacht, 
Wie seine Brust durchschossen 
Ward einst in wilder Schlacht, 
Und wie er liegt verlassen 
Aus blut'gem Feld, mein Bub', 
Bis man ihn mit den Andern 
In einer Gruft begrub. 
Ich wollt', ich wär' im Himmel 
Bei meinem lieben Sohn, 
Ich glaub', die Wunden heilten 
Ta oben lange schon." — 
Und heute schallen Glocken 
Mit lautem, hellen Klang. 
Sie dringen durch die Lüste 
Wie froher Siegessang. 
Das macht sie läuten endlich 
Zur- Ruh' das Mütterlein. 
Das mag nun wohl im Himmel 
Bei seinem Sohne sein.. 
Haina. Hmikie Schect. 
Nr Kon- sll mirh bie die Dann. *) 
. (Schwälmer Mundart.) 
Gesah höt fället die Sonn 
Dott hengerm Hollerbüsch stieh 
Ee Poor bie Annleis ö Kon. 3 ) 
Dos harr 4 ) ööch gor net gestieh 5 ). 
Dos wor dos Poor net gewohnt; 
Dos lüß sich sah nür vomm Mond. 
Dr Mond sit mieh bie die Sonn. 
Os Kammerfänster bei Dük, 
Ha, stehj dr Külle 6 ) noch nie. 
Bei Nücht em gor naut dro lük. 
Om Blüumebrät 7 ) saß sich's so schie 8 ). 
Seng Steihje wvddööch belohnt; 
Doch eemol sah es dr Mond. 
Dr Mond sit mieh bie die Sonn. 
Grod höt dr Källe in Monz 10 ) 
Vom Annleis häzhaft gekrecht; 
Do schmonzt 1X ) dr Mond : „Na, die kvnns! 12 ) 
Bann Kon de Hals nür net brecht! 
Dos Bläumebrüt es scho mosch ls ). 
Es wär doch schvd fer de Bosch u |! 
Ha, ich sah mieh bie die Sonn!" 
*) Der Mond sieht mehr als die Sonne. 2 ) Gesehen 
hat selten, 3 ) dort hinter dem Holunderbusche stehen ein 
Paar wie Anna Elisabeth und Konrad, 4 ) hätte, 5 ) nicht 
gestanden (wäre unpassend gewesen), 6 ) stieg der Kerl, 
7 ) Blumenbrett, 8 ) schön. 9 ) Sein Steigen wurde, 
einen Kuß, li ) lächelte, 12 ) können es, 13 ) morsch, 
") Burschen. 
Kurt Hlutzn.
        

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