Full text: Hessenland (8.1894)

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von ihm erbauten katholischen Kapelle. Die noch 
von den ehemaligen Klöstern in Kassel übrigen 
Gebäude sind außer dem gewesenen Nonnenkloster 
zum Ahnaberge, Angnstinerordens, Beweise, daß 
die Stadt zur Zeit frommer Stiftungen keine der 
reichsten war, sowenig von Seiten der Stiftenden, 
als derer, welche den Genuß von jenen hatten. 
Es schildert auch Mittelalter und neue Zeit, wenn 
das angeführte Kloster jetzt eine Kaserne für des 
Landgrafen Leibgarde zn Pferde und zn Fuße 
ist. Das Hofhospital ist eine Stiftung von Land 
graf Heinrich I., 1297 der heiligen Elisabeth ge 
widmet, das Gebäude aber ist neuer. Von später 
errichteten Gebäuden ist das Zeughaus ans dem 
16. Jahrhundert seiner Größe nach dem kriegerischen 
Geiste Hessens angemessen; der siebenjährige Krieg 
raubte ihm viele Denkmale von: bewiesenen Muthe 
der letzteren. Der sogenannte Renthof, zum 
Theil das ehemalige Karmeliterkloster, ist wenigstens 
so räumlich, das die meisten hohen Landeskollegien 
darin ihren Platz haben. 
Betrachtungswürdiger sind einige neue Gebäude 
in und bei der Stadt, alle von Zeiten Karl's 
an bis auf die von Friedrich II., zumal da sie 
den Kenner der Wissenschaft beschäftigen und 
unterhalten können. Nach der Zeitrechnung darge 
stellt sind sie ein Beitrag zur Geschichte neuer 
Literatur und Kunst, doch mehr zu dieser, als 
jener. Entweder liegt's iin Geiste der hessischen 
Fürsten oder ihres Volkes, der in beiden kriegerisch 
ist und bleibt, daß Kassel niemals ununterbrochen 
ein Sitz der Wissenschaften blieb. Meßkunst und 
die damit verwandten Wissenschaften, Astronomie 
besonders, sind ausgezeichnete Liebhaberei eines 
Landgrafen nach dem anderen gewesen, in neuester 
Zeit Kriegswissenschaft, mit solcher schöne Kunst. 
Mich deucht, daß man dies einem Fürstenhause 
und einem deutschen Volke zum Verdienste an 
rechnen sollte, sobald es fester Charakter ist. 
Karl's und Friedrich's II. Kassel ist und bleibt 
eine neue Schöpfung, die Wilhelm IX. allem 
Ansehen nach vor dem Ende des XVIII. Jahrhunderts 
vollenden wird." 
•——• 
Me hohen Feiertage in Marburg vom 15. bis 23. Juni 
1653. 
Von G. Th. Dithmar. 
^Dach einer großen Muth, welche guten Erd- 
Ty boden weggeschwemmt, tiefe Rinnen und 
&} Spalten gerissen und allerlei Gerölle in den 
Weg geworfen, giebt es Arbeit, wenn man die 
angerichteten Schäden heilen und den früheren 
Zustand wieder Herstellen will. Ebenso bedurfte 
es auf dem höheren Gebiete der Kunst, Wissen- 
schaft und Sitte einer heilenden Thätigkeit in den 
deutschen Landen, nachdem der zerstörende dreißig 
jährige Krieg in dem westfälischen Frieden sein 
Ende gefunden hatte. 
In der Landgrafschaft Hessen war es die Wittwe 
Wilhelm's V., Amalie Elisabeth, welche, 
soviel in ihrer Macht stand, für ihr Volk 
Sorge getragen hatte, welche, als der Friede 
geschlossen war, nun mit der Absicht umging, 
die vom Landgrafen Philipp gegründete Universität 
als eine Helle Leuchte für Land und Volk wieder 
in das Leben zu rufen. Heil erblühte dem 
Hessen lande durch Mutter und Sohn, und 
das getreue Hessenvolk hat es an Dank und 
Nachruhm nicht fehlen lassen. 
Seit dem Jahre 1624, also während des 
dreißigjährigen Krieges, bestand zwar noch die 
Universität zu Marburg, allein Marburg und 
ganz Oberhessen, das einst durch seines Vaters 
Testament Ludwig IV., genannt Testator, zugefallen 
war, war Hessen-Darmstädtisch geworden, und die 
Universität war zu einer streng lutherischen 
gemacht worden. In Kassel sollte eine höhere 
Schule, das Mauritianum, vom Landgrafen 
Moritz gegründet, einen Ersatz für die verloren 
gegangene Universität leisten, und seit 1633 wurde 
dasselbe 20 Jahre lang eine aber nicht ge 
nügende Universität. 
Auf die Regentin Amalie Elisabeth folgte ihr 
Sohn Wilhelm VI., der Gerechte genannt, der 
den Gedanken seiner im Jahre 1651 verstorbenen 
ruhmwürdigen Mutter, eine Universität zu schaffen, 
verwirklichte, so daß er der zweite Gründer genannt 
wird. Aber so leicht ging die Sache doch nicht 
von statten. Für das erste bedurfte es der 
kaiserlichen Bestätigung. Diese für Hessen-Kassel 
zu erlangen schien nicht leicht. Hatte im dreißig 
jährigen Krieg Hessen-Darmstadt aus österreichischer 
Seite gestanden, so war ja im Gegentheil Hessen- 
Kassel Gegner des Kaisers gewesen. 
Eine andere Schwierigkeit war: an welchem
        

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