Full text: Hessenland (8.1894)

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ße toast er. 5. Heft. Hamburg 1894. Hersag 
von G ii st a v Fri tz s ch e. Druck von L. Doll 
in Kassel. 
Mit diesem 5. Hest ist das außerordentlich 
werthvolle Werk Lewalter's abgeschlossen. Wir 
werden dem Gesammttoerk noch besondere Würdigung 
angedeihen lassen und bemerken heute nur, daß 
Heft 5 mit der gleichen Sorgfalt und Sachkenntniß 
abgefaßt ist wie seine Vorgänger. Einer erfreu 
lichen Thatsache wollen wir ferner Erwähnung 
thun: Es wird manchmal geklagt, daß der Born des 
Volksliedes in Versiegen sei. Wer die Lewalter'sche 
Sammlung durchlieft, wird diese pessimistische An 
sicht ablegen. Die Formen mögen wechseln, aber 
die Volksseele wird immer im Lied den richtigen 
Ausdruck ihrer Gefühle finden. Und so werden 
auch spätere Geschlechtsfolgen noch singen, vielleicht 
anders, als unsere Altvordern gethan, aber so, wie 
ihnen um's Herz ist. So lange es Lieben und 
Leiden, Scheiden und Meiden geben wird, so lange 
wird auch die Volksweise erklingen. —a— 
Just noch rechtzeitig zum Weihnachtssest erscheint 
das durch unsere Zeitschrift wiederholt angekündigte 
„H e s s i s che Di ch t e r b it ch", herausgegeben von 
Valentin Traubt in Rauschenberg. (Selbst 
verlag — Preis Mt. 3.50.) Es ist eine stattliche 
Anzahl hessischer Dichter und Dichterinnen, die der 
Herausgeber um sich versammelt hat; die meisten 
Namen sind den Lesern dieser Blätter bekannt, 
denn das „Hessenland zählt ihre Träger zu seinen 
Mitarbeitern. Manche Dichtergabe ist reicher, 
manche bescheidener ausgefallen, diese Buntheit ge 
hört eben zum Wesen der Anthologie. Im Ganzen 
überwiegt der erfreuliche Eindruck, daß im Hessen 
land Sangesfreude und Sangeskunde noch nicht 
ausgestorben sind und daß die Liebe zur Heimath, 
die in unserem Volksstamme lebt, auch im Liede 
ihren Ausdruck findet. — Dem hübsch ausgestatteten 
Buche gereicht das beigegebene Portrait Carl 
Pr es er's zur besonderen Zierde. 
Der Kurfürsten tag zu Fulda im Jahre 
1 5 6 8. Von Oberlehrer Dr. P aut Guba. 
Osterprogamm der Drei - König - Schule (Real 
gymnasium) zu Dresden-Neustadt. 1894. 40. 
(18 Seiten.) 
Unmittelbar vor Ausbruch des zweiten Huge 
nottenkrieges in Frankreich hatten Gesandte und 
Agenten Condö's an den protestantischen Fürsten- 
hösen Deutschlands Hilfe für den bevorstehenden 
Glaubenskrieg erbeten. Bei dem Herrscher der 
Kurpsalz hatten Condö's Abgesandte sofort ge 
neigtes Ohr gesunden. Friedrich und sein jugend 
frischer Sohn Johann Casimir rüsteten ohne Zau 
dern ein Hilfsheer von 8000 Reitern und einem 
Regiment Fußvolk. Kaum war die Kunde hiervon 
zum Kaiser Maximilian gedrungen, als er sofort 
seinen Rath Dr. Jlsung nach Heidelberg schickte mit 
dem Auftrag, scharf gegen den Pfalzgras' vorzu 
gehen und namentlich diesem auszugeben, „bei des 
Kaisers und des Reiches schwerer Ungnad, Straf 
und Pön" das angeworbene Kriegsvolk zu ent 
lassen. Unser Pfälzer aber ließ sich nicht ein 
schüchtern, er rüstete ruhig weiter und sandte sein 
Heer nach Lothringen, und das war gemäß der 
„Libertät der Reichsstände" (Kriegsdienste im Aus 
lande anzunehmen) sein Recht. Nun ordnete der 
Kaiser eine Kurfürstenversammlung für den Drei- 
Königs-Tag des Jahres 1568 nach Fulda an, 
die sich u. A. mit den Wirren in Frankreich, sowie 
mit der Libertütsfrage beschäftigen sollte. Der 
Kaiser ließ seinen Standpunkt in diesen Sachen 
dahin präzisiren, daß es sich in Frankreich nicht 
um religiöse Dinge handle, sondern es lüge eine 
Rebellion der Unterthanen gegen ihren König vor, 
und in Betreff der „Libertät" müsse er den Kur 
fürsten gegenüber diesen Begriff dahin modifiziren, 
daß sie wohl Kriegsdienste bei auswärtigen Fürsten 
annehmen, nie aber rebellischen Unterthanen Hilfe 
leisten dürften. So wenig, wie mit der Zumuthung 
des Kaisers, gegen Friedrich von der Pfalz wegen 
seines Heereszugs vorzugehen, sich die Kurfürsten 
einverstanden erklärten, ebensowenig ließen sie sich 
die „Libertät" durch die kaiserliche Auffassung 
einschränken. Ein positives Resultat kam bei der 
ganzen Tagung nicht heraus, die Verhandlungen 
hatten nur ein tiefes Mißtrauen der protestan 
tischen Fürsten gegen die kaiserliche Politik ge 
zeitigt. 
Verfasser hat sich ein Verdienst erworben, die 
Verhandlungen des Fuldaer Fürstentags ein 
gehender, als es alle Geschichtswerke thun, dargelegt 
zu haben und uns damit einen genaueren Einblick 
in die damalige kaiserliche Politik zu gewähren. 
Seine Darstellung stützt sich im Wesentlichen aus 
die Akten des Hauptstaatsarchivs in Dresden, das 
gerade eine um so größere Vollständigkeit ausweist, 
als der von Protestanten wie auch vom Kaiser und 
den Katholischen viel umworbene Kurfürst August 
von Sachsen im Mittelpunkt fast aller politischen 
Verhandlungen stand. A.
	        

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