Full text: Hessenland (8.1894)

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Mundart auf die andere zur Geltung gelangt, und 
besonders in den Grenzorten lassen sich solche in 
ziemlicher Menge nachweisen. Einige solche ans 
dem fränkischen Orte B a l h o r n, der 8 /4 Stunde 
von dem sächsischen Istha entfernt ist, mögen hier 
aufgeführt werden. Da ist zunächst die Fornr 
blutt (blott) für oberdeutsches bloß. Sie findet 
sich auffallender Weise auch in Schwaben, z. B. in 
Reutlingen, ist aber zweifellos niederdeutsch. Das 
Bruch (Bruech), gedehnt gesprochen, bedeutet wie 
im Westfälischen eine sumpfige Wiese (auch in der 
Wetterau noch gebräuchlich), S o p p e (Suppe) hat 
die oberdeutsche Form „Saufen" verdrängt, letztere 
ist nur in „Sures Suffen" (d. h. saure Milch) 
erhalten. Strotte (Gurgel) für Strotze (von 
strotzen), Schnutte (Schnauze) sind allein herrschend. 
Littch oder littich hat ebenfalls niederdeutsches 
Gepräge; die im Oberdeutschen übliche Form hat in 
tz weiterverschoben (Lützelsachsen). S ch r e b b (englisch 
shrew), mager, dürr, hört man öfter als die fränkische 
Form „schroh". Kreppeln, Verkleinerungswort aus 
mittelniederdeutsch Krupen, wovon auch Krüppel, 
ist gleich kriechen, mit der besondern Bedeutung: 
sich kümmerlich fortbewegen (auch tropisch). Ein 
kleiner Bauer, der mit Kühen sein kärgliches An 
wesen bestellt, heißt ein Kreppelbure. „Kriechen" 
in eigentlicher Bedeutung ist das oberdeutsche 
krufen. Das eine oder andere von sächsischer Seite 
empfangene Wort ließe sich noch anführen. In 
andern Grenzorten ist zweifellos die gleiche Er 
scheinung zu beobachten und es wäre angezeigt, 
wenn von Denjenigen, die Sinn und Verständniß 
für unsere Stammesmundart haben, solche Ausdrücke 
gesammelt würden. Die Fachgelehrten auf dem 
Gebiete der Sprachforschung wie der Geschichte sind 
ja für derartige Beiträge immer dankbar. 
Etwas von Marie Seebach. Der seiner 
Zeit vielgenannte Theateragent Heinrich in 
Berlin erhielt eines Tages von Marie Seebach 
aus Danzig, wo sie bei Genöe engagirt war, einen 
Brief, worin sie -ihren Besuch mit dem Bemerken 
ankündigte: sie komme, „um endlich (!) das 
Antlitz des Mannes von Angesicht zu Angesicht 
zu sehen, in dessen Händen das Schicksal so vieler 
armer Sterblichen ruhe". Heinrich, der einen be 
sonderen Werth aus seine geschäftliche Verbindung 
mit dem kurfürstlichen Hoftheater in Kassel legte, 
empfahl die Seebach unterem 26. Februar 1850 
nach Kassel als ein „talentvolles, junges und 
hübsches Mädchen". Da jedoch damals Fräulein 
Lembke, mit einer Gage von 800 Thalern, als 
„jugendlich erste Liebhaberin" an der kurfürstlichen 
Hosbühne thätig war, so schrieb Oberinspektor 
Flach am 13. März nach Berlin zurück, es frage 
sich vor Allem, ob Marie Seebach im Stande sei, 
das „jugendlich-naive Element" zu vertreten? 
Die schon am 17. März erfolgte Antwort lautete 
dahin: daß Fräulein Seebach in Danzig nicht 
nur muntere Rollen spiele, sondern auch die der 
„jugendlich-tragischen Liebhaberinnen". Als Hein 
rich hieraus lange nichts hörte, wiederholte er 
seine Empfehlung am 21. April 1850 und be 
zeichnete die junge Künstlerin als „höchst talent 
voll und beachtenswerth". Auch hieraus wartete 
Heinrich vergebens auf eine Antwort. Da ihm 
jedoch daran lag, den aufgehenden Stern am 
dramatischen Himmel in die richtigen Bahnen zll 
leiten und ihm hierfür das Kasseler Kunstinstitnt 
ganz besonders geeignet erschien, so sandle er 
Marie Seebach gleich persönlich nach Kassel, mit 
dem Bemerken, er habe der jungen Künstlerin vier 
Gastspiele zugesagt. Dem Generalintendanten, 
Oberhosmarschall von Heeringen war natürlich 
diese eigenmächtige Zusage seines Agenten sehr 
befremdend, aber: Marie Seebach kam, sah Herrn 
von Heerillgen und — siegte. Schon am 4., 7., 
14. und 16. Mai absolvirte sie ihr Gastspiel, und 
bereits unterm 17. Mai konnte Herr von Heeringen 
bei dem Kurfürsten ben Antrag stellen, diese „sehr 
talentvolle lind gewandte Schauspielerin" mit einer 
Gage von 700 Thalern zil engagiren, ein Antrag, 
der nach den großartigell Erfolgen der jungen 
Künstlerin sofort genehmigt wurde. Tempora 
mutantur! Als das in jeder Rolle durchschlagende, 
strebsame Talent es, trotz aller Unterstützung seitens 
einer begeisterten Kritik, nicht dahin bringen konnte, 
sich auch nur ausnahmsweise in geeigneten, tragischen 
Rollen zu zeigen, was für die Verhältnisse der 
kurfürstlichen Hofbühne geradezu unbegreiflich 
klingt, bat Marie Seebach, sie für den 1. Ok 
tober 1852 wieder zu entlassen, unb Herr von 
Heeringen, der sie als „sehr talentvoll" engagiren 
zu dürfen gebeten hatte, berichtete unter'm 19. April 
1852 an den Kurfürsten: Da auf das „Hierbleiben 
der Bittstellerin während der Monate August und 
September ld. h. nach den Ferien!) kein großer 
Werth zu legen sei, so möge man, um die Gage 
während der Ferienzeit (!) zu ersparen, sie schon 
am 16. Juni (Beginn der Ferien!) entlassen. 
Und — Marie Seebach wurde entlassen, weil Herr 
von Heeringen „keinen großen Werth" auf sie 
legte. Sie gab doch erst mit 28. September 1852 
ihre Abschiedsvorstellung, und am 27. September 
1854 begeisterte sie schon in dem kaiserlichen 
Hofburg-Theater ganz Wien mit ihrer Margarethe 
im „Faust". Durch ganz Deutschland drang die 
Kunde von ihrem Ruhm. r.
        

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