Full text: Hessenland (8.1894)

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nur die Küsten der Adria kennen, aber trotz 
aller Herrlichkeit da draußen und allem Jubel 
in ihrem Innern, dachten die Gatten au ein 
einsames Grab in der fernen Vaterstadt, dessen 
Schneedecke heute mit italienischen Rose» geschmückt 
war. Auch heute lebte der alte Himmelsrest 
wieder in ihnen ans, aber er war größer ge 
worden, weiter, und viele helle Sternlein flim 
merten daran wie draußen an dem tiefblauen 
Firmamente. 
Christus ist da. 
Schalle nur, Glockenklang! 
Brause, du Festqesang: 
Christus ist da. — 
Heilige, stille Nacht, 
Hast uns so froh gemacht, 
Hast uns das Heil gebracht. 
Christus ist da. 
Engel verkünden schon: 
Kommen ist Gottes Sohn. 
Christus ist da. — 
Ehre sei Gott dem Herrn, 
Er hat die Menschen gern. 
Hell strahlt sein Morgenstern: 
Christus ist da. 
Jauchze nur, Christenheit! 
Freude wird alles Leid. 
Christus ist da. — 
Er, der den Frieden bringt, 
Sünde und Tod bezwingt, 
Finsterniß niederringt, 
Christus ist da. 
Kurt Kuhn. 
Der Kaum im Spätherbst. 
£ Baum, dein grün und schlicht Gewand, 
Wo ist es hingekommen? 
Du hast ein Kleid mit Flittertand 
Voll eitel» Sinns genommen. 
Mit Gold und Grau, mit Roth und Braun, 
Mit Litzen und mit Flöcklein, 
Doch möcht' ich dich am liebsten schau'» 
In deinem Werktagsröcklein. 
Da rauscht' der Baum mich an voll Leid 
Und that sich zu mir bücken: 
Es ist, v Freund, mein Sterbekleid, 
Mit dem sie heilt' mich schmücken. 
?. Saut. 
Aus alter und neuer Jett. 
Kleider machen Leut e. Dieses alte Sprich 
wort bewahrheitet sich bei einer Begebenheit, welche 
O. Melander in seinem Buche „Jocorum atque 
seriorum eenturiae aliquot, Francofurti 1617" von 
Professor B u s ch in Marburg mittheilt und welche 
in freier Uebersetzung wie folgt lautet: Nach Mit 
theilung gelehrter ltnb glaubwürdiger Männer ging 
der einst sehr berühmte Professor und Dichter- 
Hermann Busch in Marburg an einer großen 
Anzahl Bürger auf dem Markte vorüber, ohne daß 
ihm, der im Hauskleid sich aus die Straße be- 
I geben hatte, von irgend einem derselben die er 
forderliche Ehrenbezeigung zu Theil wurde. Als 
dies Busch wahrnahm, ging er sogleich in seine 
Wohnung zurück, vertauschte seine bequeme Kleidung 
mit seiner prächtigen Amtstracht und begab sich 
alsbald wieder aus den Marktplatz. Dort erhoben 
sich bei seinem Erscheinen Alle, entblößten ihren 
Kopf und erzeigten ihm ihre Ehrerbietung. Aber 
dieser gelehrte Mann achtete nicht auf diese Beweise 
der Hochachtung, begab sich vielmehr wieder in 
seine Wohnung zurück. Dort zog er sein Amts 
kleid aus, warf es auf die Erde, trat mit den 
Füßen darails und sprach ärgerlich und aufgeregt 
durch das eben Vorgefallene: Bist du, Kleid, der 
Busch oder bin ich es? Aeußerst ausgebracht war der 
Mann über die von ihm wahrgenommene verkehrte 
unb irrige Ansicht der Leute, nicht dem Manne, 
sondern der Kleidung kommen die Ehrenbezeigung zu. 
(Ludovicus Milichius in oratione contra im- 
moderatum vestitum.) 
S. 
Alundartliches. Die Mundartgrenze zwischen 
Chatten und Sachsen ist eine außerordentlich scharfe 
und ausgeprägte. Im Kreise Wolfhagen hat man 
aus fränkischer Seite für das Plattdeutsch-Sprechen 
der Sachsen den Spotlausdruck „quackeln", vielleicht 
ein Onomatopoietikon, gebildet, um das schwer 
Verständliche des Sächsischen zu bezeichnen. Nichts 
desto weniger sind im Lause der Jahrhunderte oder 
vielmehr Jahrtausende manche Einflüsse der eineil
	        

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