Full text: Hessenland (8.1894)

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starke Niederlage. Das Grenadierbataillon von 
German verlor seine Kanonen, das Leibregiment 
hatte einen Verlust von 14 Offizieren, 1 Feld- 
scheer, 5 Tambouren und 233 Mann. Die 
Arniee kehrte in ihre alte Stellung bei Tournay 
zurück, wo sie am 22. von Neuem heftig an 
gegriffen wurde, aber die Hannoveraner und 
Kaiserlichen schlugen den dreimal wiederholten 
Angriff glücklich zurück. 
Am 16. Juni 1794 hatte Prinz Friedrich 
von Oranien zwischen Mons und Brüssel (f>ct 
Charelo) einen bedeutenden Vortheil über die 
Franzosen gewonnen, 7000 Gefangene gemacht 
und 20 Kanonen erobert. Zur Feier dieses 
Sieges wurde am 18. abermals Viktoria ge 
schossen. In derselben Nacht kam Ordre zum 
Aufbruch, um einen zweiten Versuch zum Entsatz 
von Dpern zu inachen, allein noch ehe der Marsch 
angetreten war, traf die Nachricht ein. daß Dpern 
über sei. Es hatte sich nach heldenmüthiger 
Gegenwehr ergeben müssen. 
Am 21. Juni traf auch General von Wurmb, 
der bei Orche am 15. heftige Kämpfe zn bestehen 
gehabt hatte, mit den übrigen Hessen vor Tournah 
ein. Am 24. wurde Tournay geräumt und der 
Rückmarsch nach der holländischen Grenze an 
getreten. Von hier ans bestand sodann der noch 
übrige Feldzug ans lauter Rückzugsgefechten, die 
erst in Ostfriesland mit betn Friedensschluß 
endeten. 
Am 27. Juni wurde das Grenadierbataillon 
German nebst deni Leibregiment nach der kleinen 
Festung Udenan (Oudenarde) detachirt, um die 
daselbst liegenden hessischen Jäger und Füsiliere 
zu unterstützen, am 3. Juli aber wurde Udenan 
schon wieder geräumt. Die unglückliche Schlacht 
bei Fleurus, in welcher der Prinz von Koburg 
von Jourdan geschlagen wurde (26. Juni), 
nöthigte auch die englisch-hessische Armee bis nach 
Breda zu retiriren. Ans diesem Rückzug hatte 
das Bataillon German, welches am 15. No 
vember 1794 durch den Wechsel seines Koin- 
mandeurs den Namen Löning erhielt, eine Menge 
hitziger Gefechte zu bestehen, z. B. am 15. Juli 
bei Mecheln, wo es den Rückzug deckte. Von 
Breda ging der Marsch am 29. Angust nach 
Herzogenbusch, wo man die Maas passirte. Am 
25. September kam das Bataillon in die 
Andreasschanze zwischen Maas und Wal zu 
liegen, welche es aber schon am 5. Oktober wieder 
räumte. Nachdem Herzogenbusch durch Verrath 
gefallen war, zog sich die Armee nach Nymwegen 
zurück, welches alsbald von den Franzosen be 
lagert und beschossen wurde. Am 6. November 
eröffneten die Franzosen die Laufgräben. Am 
8. wurde es von den alliirten Truppen geräumt 
bis uns zwei Bataillone Waldecker, welche in 
holländischen Diensten standen. 
Das Bataillon Löning kam nun ans Kom 
mando hinter die Wal. Das Land wurde 
überall durch Oesfnung der Schleusen unter 
Wasser gesetzt, svdaß die Franzosen nicht weiter 
vordringen konnten. Allein in der Nacht vom 
24. auf den 25. Dezember trat eine solche Külte 
ein, daß alle Flüsse und Kanüle zufroren. Die 
Franzosen überschritten daher das Eis und 
zwangen die englisch-hessische Armee immer weiter 
zu retiriren. Alls dem Marsch litt die schlecht 
gekleidete und genährte Mannschaft furchtbar 
von der Kälte. Am 15. Januar allein erfroren 
auf dem Weg 55 Mann, 3 Weiber und 5 Kinder. 
Man passirte erst den Rhein, dann die Mel, 
fortwährend von den nachdrängenden Franzosen 
verfolgt. Am 1. März kamen die Hessen in der 
Grafschaft Bentheim an. Bei Schüttrupp verlor 
das Bataillon wieder eine von den Kanonen, 
welche es statt der bei „Lönncway" verlorenen be 
kommen hatte. Major Leuning aber, sein 
Kommandeur, wurde verwundet. Am 14. kamen 
die Hesseil nach Meppen, wo sie von den Preußen 
abgelöst wurden, und bezogen Quartiere in der 
Umgegend. Hier erreichte sie am 20. April die 
Nachricht, daß der König von Preußen mit den 
Franzosen Frieden geschlossen habe und daß die 
Hessen mit in den Frieden eingeschlossen seien. 
Dennoch machten die Franzosen an demselben 
Tag noch einen Angriff «ns die Vorposten an 
der Ems und verwundeten einen Grenadier vom 
2. Grenadierbataillon von Baurmeister in die 
Hand. Am 2. Mai wurde der Rückmarsch in 
die Heimath angetreten. Am 30. September 
erhielt das Bataillon neue Uniformen. Es war 
nöthig, denn der lange Feldzug hatte das Aeußere 
der Leute sehr reduzirt. Nun ging es über 
Osnabrück, Paderborn und Arolsen der hessischen 
Heimath zu. In Zwesten angekommen, wurde 
die Mannschaft (1. Dezember) bis aus 30 Mann 
die Kompagnie entlassen. Diese marschirten in 
die ihnen angewiesene Garnison Ziegenhain.
        

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