Full text: Hessenland (8.1894)

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Der Feldzug in Flandern. 
nach dem Tagebuch des hessischen Grenadiers Johannes Reuber von Niedervellmar 
mitgetheilt von W. Junghans. 
(Fortsetzung von Nr. 17, S. 223 des Jahrgangs 1893.) 
^Mandgraf Wilhelm IX. hatte gleich nach 
M. Beendigung des Feldzugs von 1793 mit 
Cj der Krone von England einen neuen Ver 
trag geschlossen, wodurch er derselben ein Heer 
von 6000 Mann kriegsgeübter Truppen zur 
Fortsetzung des Kriegs in Flandern überließ. 
Am 14. Oktober (1793) wurden diese Truppen 
von einem englischen Kommissär ans der „Kessel 
städter Haide", hinter dem Schloß Philippsruhe 
gemustert, am 17. marschirte bereits das Gre 
nadierbataillon German über Wiesbaden, Nassau, 
Koblenz, Bonn, Köln, Jülich und Aachen in das 
Brabanter Land. Am 11. November langten 
sie in Löwen, am 12. in Brüssel, am 16. in 
Tournay an. Hier rückten sie sogleich in die 
Linie ein. Die Oesterreicher unter dem Herzog 
von Koburg bildeten den linken, die Engländer 
unter General Port den rechten Flügel. Das 
Grenadierbataillon von German kam auch gleich 
auf Vorposten tind stand bei Albek den Franzosen 
gegenüber bis in den Dezember. Von beiden 
Seiten geschah nichts Bedeutendes, die Engländer 
zogen sich vielmehr in die Winterquartiere nach 
Gent zurück, nach Toumhout und Düxmütten (?), 
wo das German'sche Grenadierbataillon bis zum 
1. März ruhig lag. Die in die Stellung der 
Hessen eingerückten Oesterreicher versahen den 
Vorpostendienst. Am 21. März setzte sich die 
Armee wieder in Marsch. Das Grenadier 
bataillon von German marschirte über Ppern, 
Mönen (Men in?), Courtray, Tournay bis 
Valenciennes. Am 14. April erschien der junge 
Kaiser Franz selbst bei der Armee, um durch 
seine Gegenwart den Muth der Truppen zu 
erhöhen und den Krieg nach einem neuen von 
General Mack entworfenen Plan wieder zu 
erneuern. Am 17. rückte die gesammte alliirte 
Armee vorwärts, um die beiden französischen 
Festungen Cambrais und Landrecies aufzuheben. 
Deshalb mußte das hessische Korps zur Ver 
stärkung der Kaiserlichen vor Landrecies rücken. 
Am 24. machten die Franzosen einen gleich 
zeitigen Ausfall aus beiden Festungen, der aber 
glücklich abgeschlagen wurde. Am 26. wieder 
holten sie denselben, wurden aber wiederum mit 
großem Verlust zurückgetrieben. Die Hessen 
standen mit zwei Regimentern Engländern und 
drei ungarischen Grenadierbataillonen im Zentrum, 
vor der Front der Kaiser und der Herzog von 
Port. Die Franzosen standen in einem Wald, — 
Reuber nennt ihn den Anreißer Wald, es ist aber 
der Wald von Arouaiz, zwischen Oisy und 
Vasigny —, und das Regiment Gardegrenadiere 
wurde befehligt, sie daraus zu vertreiben. Dies 
gelang ihnen zwar, aber mit großen Verlusten. 
Am 27. April machte die ganze Armee ob dieses 
Erfolges ein Freudenfeuer. Am 30. mußte 
Landrecies kapituliren. Nichtsdestoweniger trat die- 
Armee am 1. Mai den Rückmarsch nach Tournay 
an, da die Franzosen Courtray und „Mönen" 
genonunen hatten und dadurch die Flanken der 
englisch-hessischen Armee bedrohten. Auf dem 
Rückmarsch kam in stockfinsterer Nacht bei Sturm 
und Regen die ganze Armee auseinander, sodaß 
sich die einzelnen Truppentheile erst am Abend 
des 2. Mai wieder zusammenfanden. Von fünf 
Bataillonen Hessen waren kanin noch hundert 
Mann beisammen. Am 3. bezog die Armee ein 
festes Lager vor Tournay, wo sie täglich von 
den Franzosen angegriffen wurde. Von hier 
aus machte man eine Diversion, um das von 
den Hessen besetzte und hart bedrängte Ppern zu 
besetzen, aber auf dem Marsche dahin erlitt die 
alliirte Armee bei Lönneway (Lonnay?) eine
        

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