Full text: Hessenland (8.1894)

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Dort würd' ich mich in mich zurückversenken, 
Bergessen Alles, was mir draußen drohte, 
Und meiner todten Träume still gedenken 
UndJiüt den Todten leben — bis zum Tode. 
Das Bändchen schließt mit einigen formvollen 
deten Uebertragungen spanischer Balladen. — Die 
einfach bescheidene Ausstattung der Gedichte thut 
einem wohl neben all' dem Prunk der Weihnachts- 
bücher, die schon in den Schaufenstern die Augen 
blenden. I. W. 
Blumen am Wege. Gesammelte Gedichte voll 
H e r m a n u H a a s e. Marburg. Druck und 
Verlag der Universitätsbuchdruckerei von 
Joh. Aug. Koch. 1894. 
Die vorliegende Sammlung ist in ihrem In 
halte nicht gleichwertig. Sie zerfällt, dem Stoffe 
nach geordnet, in sechs Abtheilungen: Natur, 
'veimath, Vaterland, Sprnchweisheit, Fabeln, Ge 
legenheitsgedichte. Von diesen enthält die erste die 
unmuthigsten Stücke; die Frühlings- und Herbste 
lieber sind da am besten gerathen, wo der Dichter 
aller Tendenz und allem Lehrhaften aus dem Wege 
gegangen ist. — Auch in dell anderen Abtheilungen 
findet man Gelungenes, doch läuft auch gereimte 
Prosa mit unter, und Manches kann eben nur im 
engsten Kreise interessiren. Gut gefallen hat uns 
dagegen wieder die Spruchweisheit. Es seien 
einige der Sprüche hier aufgeführt: 
Gar Mancher meisterlich versteht, 
Sich durch das Leben durchzulügen, 
Bis es mit ihm zu Ende geht, — 
Der Tod, der läßt sich nicht betrügen. 
Aus dem Munde Vieler kann man weise Lehren hören, 
Doch meist erst dann, wenn sie die Kraft, zu sündigen, 
entbehren. 
Tröst' Dich in jeder Noth und Pein 
Damit — es könnt' noch schlimmer sein. 
Das sind die schlimmsten Schmerzen: 
Lachen mit den Augen, weinen mit dem Herzen, 
Wir wünschen dem kleinen Buche viele Käufer, 
schon um deßwillen, weil der Verfasser, der 
körperlich schwer leidend und von materiellen 
Sorgen bedrängt ist, durch die Herausgabe der 
Gedichte, die bisher nur zerstreut in Blättern 
(auch im „Hessenland") erschienen sind, sein Loos 
zu erleichtern hofft. Möge die Erwartung nicht 
getäuscht werden. — a — 
Von Erscheinungen, die nicht zur hessischen 
Litteratur gehören, aus die wir aber gleichwohl 
unsere Leser aufmerksam machen wollen, seien hier 
erwähnt: Das „U ni v e rs u m", Jllustrirte 
Familien-Zeitschrift. Dresden unb Wien. Ver 
lag von Alfred Hauschild. Die namhaftesten 
Ailtoren auf dem Gebiete der Roman- und Novellen 
dichtung, der lyrischell und humoristischen Poesie, 
sowie des wissenschaftlichen Feuilletons finb ver 
treten. Vorzügliche Illustrationen ititb prachtvolle 
Kunstbeilagen stehen dem Texte würdig zur Seite. 
In Nr. 1 des eben begonnenen neuen Jahrgangs 
— des elften — begegnen wir übrigens einem 
prächtigen, tief empfundenen Gedicht unseres Lands- 
mannes Julius Rodenberg, betitelt: „Andie Ein 
samkeit".— Die von Professor Nägele in Tübingen 
herausgegebenen „Blätter des Schwäbisch eit 
Alb Vereins" sind eine vortrefflich redigirte, mit 
reichhaltigem Material und guten Zeichnungen 
ausgestattete Monatsschrift, die zunächst die 
touristischen Zwecke zu fördern bestimmt ist, aber 
darüber hinaus gehend Vieles bringt, was auch 
von litterarischem Interesse ist. Wir haben 
manche Anregung durch das Blatt, das ja eben 
falls die Vaterlandskunde pflegt, empfangen. 
— a — 
Personalien. 
Genanntr Oberregierungsrath von Altenbvckum 
in Kassel zum Direktor des Königlichen Konsistoriums 
daselbst unter Verleihung des Charakters als Konsistorial- 
präsident; Landrath Wender hold in Simmern zum 
Regierungsrath und Landrath Fliedner in Fulda zum 
Oberregierungsrath in Kassel; die außerordentlichen 
Pfarrer Vater zum Pfarrgehilfen des Metropolitans 
Endemann in Borken und Witt ich zum Hilfspfarrer in 
Niederaula; Forstassessor Rumpel zum Oberförster in 
Rotenburg-West; Rechtskandidat Paehl er zum Referendar. 
Verliehen: der Charakter als Landgerichtsrath den 
Landrichtern Schneider in Kassel und Wurz er in 
Marburg, der Charakter als Amtsgerichtsrath dem Amts 
richter Schnurre in Gelnhausen; den königlichen 
Domainenpächtern Johann Pestalozzi zu Domaine 
Heydau (Kreis Melsungen) und Karl Otto in Blanken 
heim (Kreis Rotenburg a. F.) der Charakter als „könig 
licher Oberamtmann". 
Versetzt: Gerichtsassessor Bobrik aus dem Bezirk 
des Oberlandesgerichts zu Naumburg a. S. in den zu 
Kassel; der königliche Rentmeister Uffelmann vom 
1. Januar 1895 ab von Rodenberg nach Eschwege; Ober 
förster Baumann in Rengshausen nach Bodland im Re 
gierungsbezirk Oppeln. 
Gestattet wurde dem früheren kurhessischen Garnisons- 
auditeur, Amtsgerichtssekretär a. D. Flohr in Hilders, 
den Titel „Vormaliger kurhessischer Garnisonsauditeur" 
zu führen. 
Pensionirt: der Forstmeister Suabedissen in 
Rotenburg vom 1. Januar 1895 ab; der Bergrevier 
beamte Oberbergrath Richter in Schmalkalden. 
Geboren: Ein Sohn: dem Dr. Fr. Schaum- 
burg und Frau Emmy, geb. Sachs, in Kassel; dem 
Lehrer C. Wörner und Frau Luise, geb. Vater, in 
Kassel; dem Amtsrichter Groß und Frau in Großenlüder. 
Verlobt: Fräulein Franziska Kaiser mit Herrn 
Hermann B.orchardt (Kassel und Jastrow).
        

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