Full text: Hessenland (8.1894)

erkennunq seiner werthvollen Dienste gegen die 
Sachsen. 
Halten wir nun hiergegen die sagenhafte Ueber 
lieferung, so sehen wir, daß das Andenken an das 
Schwert Attila^s in dem guten Gedächtniß des 
Volkes einen Zeitraum von über 800 Jahren 
überdauert hat, wenn auch die mündliche Ueber 
lieferung das geschichtliche Ereigniß umgestaltet 
und dem volksthümlichen Geschmacke mehr an 
gepaßt hat. V>lj. L. W. 
Aus dem Jahre 1806. Der Grenadier 
Johannes Re über von Niedervelmar berichtet 
in seinem Tagebuch über die Auflösung der 
hessischen Armee im Jahre 1806 wie folgt: 
Dem zum Gouverneur von Hessen ernannten 
General La Grange war viel daran gelegen, aus 
dem trefflichen Material, welches die ausgelöste 
hessische Armee darbot, für den Dienst seines 
Kaisers neue Regimenter zu bilden. Am 16. De 
zember wurden deshalb die beurlaubten Hessen 
wieder einberufen, aber es erschien Niemand außer 
den Alten, oft Fünfzigjährigen, die die Franzosen 
doch nicht brauchen konnten. Das Garde-Grenadier- 
regiment erhielt seinen Sammelplatz zu Kirch 
ditmold bei Kassel angewiesen. Am folgenden 
Tag erschien schon La Grange und ließ die 
wenigen Mannschaften, welche sich gestellt hatten, 
auf dem Kirchhof antreten, als er aber die alten 
Leute sah, so schüttelte er den Kopf und ritt 
wieder nach Hause. Bei dieser Gelegenheit nahm 
sich einer der Offiziere heraus, einen Unteroffizier, 
der die Mannschaft nicht schnell genug in Ord 
nung bringen konnte, zu fuchteln (mit der Degen 
klinge zu schlagen). General La Grange gab in 
Folge hiervon den Befehl, daß kein Soldat mehr 
geschlagen werden sollte, denn im französischen 
Heer war die körperliche Züchtigung längst ab 
geschafft. Am 25. Dezember erhielten alle Die, 
welche sich gemeldet hatten, ihren Abschied und 
hiermit endete auch die dreißigjährige Dienstzeit 
des Grenadiers Johannes Reuber. Z. 
Aus Aeimath und Fremde. 
Wir erhalten folgende Mittheilung: „Freitag 
den 23. November Mittags fand aus Schloß 
Ru mp enh eim die feierliche Taufe des am 20. Oktober 
daselbst geborenen zweiten Sohnes des Prinzen und 
der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, 
Prinzessin Margarethe von Preußen, statt. Bon 
Pathen des erlauchten Täuflings waren anwesend: 
Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich, Landgräfin- 
Mutter von Hessen, Erbprinz und Erbprinzessin zu 
Sachsen - Meiningen, Erbprinzessin Leopold von 
Anhalt, Prinzessin Sibylle von Hessen, Prinzessin 
Adolf zu Schaumburg-Lippe; außerdem zugegen 
waren: der Landgraf von Hessen, Großherzogin 
Viktoria Melitta von Hessen, Prinzessin Louise von 
Preußen und andere hohe Fürstlichkeilen. Von ab 
wesenden Pathen sind zu nennen: Ihre Majestät 
die Kaiserin Augusta Viktoria, vertreten durch 
ihren Obersthofmeister von Mirbach; Ihre Majestät 
die Königin von Dänemark; Ihre Majestät die 
Kaiserin Alexandra Feodorowna von Rußland; 
der Prinz von Wales, vertreten durch den englischen 
Geschäftsträger am Darmstädter Hose, Legations 
sekretär G. W. Buchanan; der Herzog von 
Cambridge; der Prinz und die Prinzessin Heinrich 
von Preußen; der Großherzog von Sachsen; der 
Großherzog von Luxemburg; der Prinz Johann 
zu Holstein-Glücksburg; der Prinz Maximilian 
von Baden; der Prinz Eduard von Anhalt. — 
Der neugeborene Prinz erhielt die Namen: 
Maximilian Friedrich Wilhelm Georg Eduard." 
Notizen Das Berliner Nationaltheater bringt 
in dieser Saison das Drama „Konrad von 
Marburg" von Ludwig Wolfs-Kassel, das 
u. A. vorigen Sommer am Königstädter Theater 
in Kassel mit Erfolg gegeben wurde, zur Aus 
führung. — Anläßlich des 50jährigen Jubiläums 
der Alterthumsgesellschast „Prussia" wurde benx 
Professor Dr. Bezzenberger zu Königsberg 
(Sohn des am 24. Januar 1892 in Kassel ver 
storbenen Geheimen Regierungsraths Dr. Bezzen 
berger jvergl. „Hessenland", VII. Jahrgang, 1892, 
S. 39]) der Kronenorden III. Klasse verliehen. — Am 
19. November Abends wurde von Seiten sämmt 
licher studentischen Korporationen der Universität 
Marburg dem Rektor des abgelaufenen Universitäts 
jahres und jetzigen Prorektor, Professor Dr. theol. 
Gras Baudiss in ein großartiger Fackelzug gebracht. 
Oskar Henschel i. Am Sonntag, den 
18. November, Abends 10 Uhr, ist der Chef 
der weit über Hessens, ja Deutschlands Grenzen 
hinaus bekannten und berühmten Maschinenfabrik 
Henschel & Sohn aus dem Leben geschieden. 
Oskar Henschel war geboren zu Kassel am 
19. Juni 1837. Er genoß seine erste Schnl- 
bildung, sowie die Vorbereitung zum technischen 
Studium auf der alten Kasseler Realschule in der 
Hedwigstraße, in die er am 15. April 1844 ein 
getreten war und der er bis Ostern 1852 als 
Schüler angehört hat. Noch sehr jung an Jahren 
wurde er in Folge des Verlustes von Vater und 
Großvater an die Spitze des damals schon recht 
bedeutenden Etablissements gestellt, das sich unter
        

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