Full text: Hessenland (8.1894)

Das „Hrlfrnland" erscheint am 1. und 15. jedes Monats 1 x /a bis 2 Bogen stark und kostet vierteljährlich 
1 Mark 50 Pf., die einzelne Nummer 30 Pf. Auswärts kann das „Hessenland" durch die Post (Postzeitungsliste 
Nr. 3031) oder durch den Buchhandel oder auch direkt von der Expedition unter Streifband gezogen 
werden; in Kassel nimmt die Expedition (Buchdruckerei von Friedr. Scheel, Schloßplatz 4, Fern 
sprecher Nr. 372) Bestellungen entgegen. Anzeigen werden mit 20 Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet. 
An mein Zimmer. 
LT^rautes Zimmer, so bescheideil, 
Hast doch dieses mich gelehrt: 
Daß, was Menschen nicht beneiden, 
Einzig ihres Neides werth! 
Von der Stadt nicht allzu ferne, 
Doch in Gärten halb versteckt, 
Blick' ich hier iil's Grüne gerne, 
Das die Häusermasse deckt; 
Und vom Lärm nicht mehr berühret, 
preis' ich dankbar mein Geschick, 
Das der Dichtung Reigen führet, 
Sanft begleitet von Musik. 
Schweigend grüßen mich die Wände, 
Aaum gestreift vom Sonirenschein, 
U)o sich Bände dicht an Bände, 
Bilder sich an Bilder reih'n. 
Und luich grüßen die Genosseir, 
Eine liebe, stumme Schaar 
Aus den Zeiten, die verflossen, 
Als noch ringsum Frühling war. 
Gleicht die Zugend nicht deur Walter, 
Der auf Blumenau'n sich wiegt? 
Endlich koinmt es doch, das Alter, 
Und der holde Traum entfliegt. 
Aber gute Mächte gönnen 
Uns, wenn wir an sie geglaubt, 
freunde, die ilicht sterben können, 
Freuden, die kein Herbst entlaubt; 
Gönnen uns am frohen Tage 
Schaffend unsre Pflicht zu thun, 
Und am Abend ohne Alage 
Von der Arbeit auszuruh'n. 
Julius Itodenöerg.
	        

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