Full text: Hessenland (8.1894)

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Auch eine Meise in's mittägige Frankreich. 
Bon Otto Gerland. 
(Fortsetzung.) 
vn den Pariser Sehenswürdigkeiten folgen wir 
rP unsern Reisenden nur zu dem Denkmal des 
Marschalls von Sachsen; es stand damals 
noch in der Werkstatt seines Verfertigers, des Bild 
hauers Pigalle, und man wußte nicht, wohin 
man mit dem Kunstwerk sollte; denn da der 
Marschall Hugenott war, so wollte man das 
Denkmal nicht in eine Kirche setzen. Man half 
sich später und stellte es in der protestantischen 
Thomaskirche zu Straßburg auf. Der Künstler 
zeigte damals das Werk in seiner Werkstatt 
gegen Erhebung eines Eintrittsgeldes. Den Aus 
flug nach Versailles mitzumachen, können wir 
uns aber nicht versagen. 
„Herr P. gab uns einen Brief an Frau 
v. M-, Beschließerin des Hotels de Soubise da 
selbst mit dem Auftrag an diese mit, uns Betten 
herzurichten, falls wir dort schlafen wollten, und 
einen andern an Herrn C., Kammerdiener und 
Leib-Perrückier des Herrn Grafen von Provence, 
in welchem er diesen bat, un§ Gelegenheit zu 
verschaffen, den Hof von Versailles zu sehen; wir 
fuhren mit Herrn und Frau F. Wir kamen 
um 11 Uhr an und stiegen im Hotel de Soubise 
ab, waren aber noch nicht in unser Zimmer 
hinaufgestiegen, als Herr C. schon ankam. Nicht 
zufrieden, uns einen Empfehlungsbrief mitgegeben 
zil haben, hatte Herr P. noch selbst mit ihm ge 
sprochen. Wir mußten unsere Kleider wechseln, 
beschlossen, uns in der Kapelle des Königs zu 
treffen, und machten uns langsam auf den Weg. 
Wir kamen an den Amtsräumen der auswärtigen 
Angelegenheiten vorbei; Herr F. hatte dort Be 
kanntschaften, sagte, er müsse dort vorsprechen, 
wir gingen mit hinein, und ich habe nicht bereut, 
daß wir es gethan haben. Man sieht dort eine 
stolze Reihe Schränke, alle mit karmoifinrothen 
Damast und feinen, kaum sichtbaren Vergitte 
rungen uinschlossen, nnb die Bilder aller regie 
renden Potentaten in ovalen Goldrahmen. Ich 
sah Ganganelli *), Mustapha, aber nicht sah ich 
den Landgrafen von Hessen. Man versicherte 
mir, er würde auch bald vorhanden sein, und ich 
sah wirklich seinen Namen in einem leeren 
Rahmen, deren sieben oder acht da waren, die 
man, bevor man die Bilder dazu erlangt hatte, 
mit dem Namen des Herrschers allsfüllte. Als 
wir in das Schloß von Versailles kamen, 
erfuhren wir, daß die Messe des Königs zu Ende 
gehe; wir begaben uns daher auf den Weg, den 
er kommen inußte; Herr C. kain zil uns und 
stellte uns so auf, daß wir ihn gut sehen konnten. 
Gleich daraus kam er vorüber, gefolgt von Seiner 
Königlichen Hoheit dem Dauphin und dem Herrn 
Grafen von Provence. Der König trug einen 
Rock von grünem Moiro, die Haare ziemlich ver 
nachlässigt; die beiden Prinzen waren in Grau 
gekleidet. Als sie vorüber waren, traten wir in 
die Kapelle und besahen dann die große Galerie. 
Dort sind alle Menschen gleich wie in einer an 
dern! Welt. Ich bewegte niich mit einem Gefühl 
vollster Sicherheit durch eine Menge von blauen 
Ordensbändern**), Bischöfen, Erzbischöfen, Damen 
und Herren, ein einfacher Lildwigsritter ist nur 
ein Atom, kurz, in der Galerie von Versailles 
sind die Großen recht klein. Wir stiegen wieder 
zum Hofe hinab, um den König zilr Jagd ab 
fahren zu sehen; durch die Fürsorge des Herrn C. 
waren wir Vortheilhaft aufgestellt. Der König 
hatte die Kleidung gewechselt, er trug einen Rock 
von grünem Tuch mit Goldbesatz, graue Gamaschen 
und war gepudert. Ich fand ihn heiter ans 
sehend. Er bestieg einen achtspünnigen Wagen. 
Der Dauphin und der Graf von Porvence be 
stiegen gleichfalls einen achtspännigen Wagen." 
Von den Merkwürdigkeiten im Schlosse mag 
*) Papst Clemens XIV. aus dem Hause Ganganelli, 
der kurz vorher die Jesuiten unterdrückt hatte. 
**) Dies war das Baud des damals so hoch geschätzten 
Ludwigsordens.
        

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