Full text: Hessenland (8.1894)

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Regierungsreferendar bei der Regierung in Kassel; 
Referendar von Byren zum Gerickstsassessor; die Rechts- 
kandidaten Krebs und von Christen zu Referendaren. 
Beauftragt: der Pfarrer Most in Allendorf 
a. d. W. mit Versetzung der Metropolitanatsgeschäfte der 
Klasse Allendorf. 
Uebertragenr dem Postmeister Dornte in Witzen- 
Hausen die Vorsteherstelle des Postamts \ in Hechingen. 
Versetztr Postdirektor Schlitter von Mühlheim 
(Ruhr) nach Marburg; Postmeister Schönknecht 
von Ziegenhain nach Witzenhausen; Gymnasialdirektor 
Di-. Heldmann von Bückeburg nach Rinteln. 
Verliehen: Dem Privatdozenten in der theologischen 
Fakultät der Universität Marburg Lic. Dr. Johannes 
Werner das Prädikat „Professor". 
Wiederaufgenommen: Referendar Goebels in 
den Justizdienst. 
Entlassen: Notar Dr. zur. Wolter in Rinteln 
aus dem Amte als Notar; Schatzzahlmeister Klopfer 
bei der Landesdirektion; die Oberförster Wachsmuth in 
Dodenhausen und von Stiernberg in Haina. 
Geboren: Ein Sohn: Herrn L. Schomburg 
und Frau Anna, geb. Flacke, in Halle a. S. 
Verlebt: Frl. Marie Wichmann (Salzwedel) 
mit Architekt Jean Spindler (Kassel). 
Vermählt: Dr. inecl. Gg. Slemon, prakt. Arzt, 
mit Dora, geb. Kratz (Wildungen). 
Gestorben: Privatmann Karl Warnstorff 
(Kassel, 10. Oktober); Cäcilie Schultze, geb. von 
Heppe, Gattin des Oberlandesgerichtsrath Alexander 
Schultze (Kassel, 10. Oktober); Rechnungsrathswittwe 
Luise Heer, 67 Jahre alt (Kassel, 11. Oktober); 
Regierungs- und Banrath a. D. Wilhelm Landgrebe, 
91 Jahre alt (Kassel, 12. Oktober); Forstreferendar 
Karl Coester (Hann. Münden, 13. Oktober); Rent 
meister z. D. Wilhelm Reinhard Hassel, 88 Jahre 
alt (Kassel, 15. Oktober); Anna Dorothea Gertrud 
von Hartem, Gattin des Landraths Dietrich von 
Hartem (Ottweiler, 17. Oktober); Christine Hassen- 
pflug, geb. von Toden Warth, Wittwe des Professors 
Hassenpflug (Kassel, 18. Oktober); Apotheker Georg 
Stamm, 46 Jahre alt (Glauchau, 22. Oktober); 
Valeska Hartmann, geb. Ey len stein, Gattin des 
königl. Kammermusikers Wilhelm Hartmann (Kassel, 
23. Oktober); Wilhelm Krapf, Einjährig-Freiwilliger, 
18 Jahre alt (Wehlheiden, 23. Oktober); Karl Katzen 
stein, 40 Jahre altlCarnaroon in Südafrika, 24. Oktober); 
königl. Banrath a. D. Kntlman n (Rinteln, 24. Oktober); 
Henry Moesta, aus Kassel gebürtig, 66 Jahre alt 
(Detroit, Mich., 1. Oktober). 
Hessische Bücherschau. 
William Pierson, Preußische Geschichte. Ber 
lin (Gebr. Paetel.) - Bd. II, 1894. 
Bon Seite 374 an hat der Verfasser diesem 
Bande seiner preußischen Geschichte eine „Uebersicht 
der Geschichte der neuen Provinzen" angehangen; 
Hessen wird daselbst von Seite 403 dis 412 
abgehandelt. Was Unkenntniß und An 
maßung zu leisten im Stande sind, ist 
hier geleistet. Von den Landgrafen Karl, 
Friedrich I., Wilhelm VIII. und Friedrich II. 
weiß der Verfasser nichts weiter als den Soldaten 
handel zu berichten, ob dessen er sich über die vier 
um das Hessenland so hochverdienten Fürstell in 
den gröbsten Schmähungen ergeht. Ein jeder 
Hesse weiß, welche Fürsorge Landgraf Karl wäh 
rend seiner fast sechszigjährigen Regierung seinem 
Lande zu Theil werden ließ, wie er unausgesetzt 
auf Verbesseritllg der Verwaltung, Hebung der 
Industrie, der Landwirthschaft u. s. w. bedacht 
war. Wer es nicht weiß, der werfe einen Blick tu 
Bd. 3 der hessischen Landesordnungen, wo die von 
Landgraf Karl erlassenen 1006 Verordnungert ttub 
Gesetze ein schönes Denkmal seiner landesväterlichen 
Thätigkeit bilden. Von diesem trefflichstell Fürsten 
seiner Zeit, der noch jetzt im lebendigen Andenken aller 
Hessen steht, sagt der prellßische Geschichtsschreiber, 
zu seiner Ehre sei es bekannt, daß er sein Werk 
llllr aus Quellen dritter und vierter Hand auf 
baut, — Folgendes: „Die Gelder, welche Landgraf 
Karl aus diesem Geschäft (dem Soldatenhandel) 
bezog, vergeudete er größtenteils in Pracht 
bauten und für Gunstdamen; Nützliches ward 
nur wenig geschassell, wie der Ball voll 
Karlshasen, die Ansiedelung verjagter Hugenotten 
ll. a. Noch weniger (!) leistete dem Lande 
seill Sohll und Nachfolger Friedrich l. ll. s. w." 
Voll dem menschenfreundlichen mtb milden, 
der Wissenschaft imb Kunst huldigenden, auch 
dein Subsidienvertrage mit England durchaus ab- 
geneigten Landgrafen Friedrich ll. weiß Herr 
Pierson nur zll berichten, daß er feinen Vater 
Wilhelm VIII. noch a n nichts w ü r d i g e r 
Tyrannei überboten habe! — jenen Wil 
helm VIII., der im Verein mit seinem Bruder- 
Friedrich sein Land durch die im Jahre 1739 
erlassene „Grebenordnllng" zll einer Zeit „tyran- 
llisirte", wo man in andern Ländern von einer 
Gemeindeverfassllng noch keine Ahnung hatte; jenen 
Wilhelm VIII., voll dem Friedrich der Große bei 
der Nachricht von dessen Tode sagte, daß er seinen 
besten Freund und Delltschland einen seiner treff 
lichsten Fürsten verloren habe. 
In dem geschilderten Tone geht die Sudelei 
weiter. Kurfürst Wilhelm I. ist der „böse" Kurfürst, 
der „Landesvater mit dem dicken Kops und langen 
Zopf", den die Ballern wieder haben wollten, 
trotzdem er „ein alter Esel" war. Und 
dies Alles wagt man dem prellßischen Volke als 
hessische Geschichte aufzutischen. Gewiß wird das 
Buch viel gekauft und viel gelesen werden. Trösten 
wir uns mit der Thatsache, daß im Lande des 
Soldatenhandels der „böse" Kurfürst Wilhelm I., 
als er im Jahre 1814 seine Landstände einberief 
unb auch die Bauern als vierten Stand mit 
hinzilzog, um aus freien Stücken den Entwllrs einer 
Landesverfassung vorzulegen, feststellen konnte, daß
        

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