Full text: Hessenland (8.1894)

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unsern Bock haben, eh's ein Donnerwetter giebt! 
Ueberm Wald sieht's höllisch munkelig aus." 
„Ich danke! Mit solchem Blitzableiter in der 
Faust am Waldrande sitzen, ist ein schlechter 
Spaß", seuszt der Rath. 
„Baumbach! Eine halbe Minute!" Der 
Schaffner reißt die Thür aus. 
„Alle Hagel, da sind wir ja! Wünschen Sie 
uns um Gottes Willen kein Glück, meine Damen, 
lieber Arm- und Beinbruch!" schreit der Major. 
Walburg überläuft eine Gänsehaut ob solchen 
Frevels. Gerta aber sagt lachend: 
„Im Gegentheil, wir wünschen Waidmannsheil!" 
„Ah! Das Fräulein kennen den Jagdkomment?" 
fragt der Assessor erstaunt. 
„Schnell, schnell!" drängt der Schaffner. Die 
Thür schlägt zu, die Maschine stampft weiter. 
Der Kandidat ergeht sich in erbitterten 
Sticheleien über Jagdfanatismus und Rücksichts 
losigkeit. Walburg assistirt getreulich. Gerta 
blickt sinnend nach den Waldbergen. Noch wenig 
Minuten, und die Damen steigen aus, um mit 
des Forstmeisters harrendem Jagdwagen in den 
sommerlichen Wald zu fahren. — 
(Schluß folgt.) 
per Hessen Weibertreue. 
Singt immer Bürger's Hochgesang 
Der Weibertreu in Schwaben; 
Auch einen Ruf vom besten Klang 
Die Hessenfrauen haben, 
Der dauern wird, so lang ein Stein 
Ter Weidelsburg wird übrig sein. 
Es schwur int Zorn der Hessen Fürst: 
„Willst Du Dich nicht ergeben, 
Dann, Reinhard, merk' es Dir, Du wirst 
Mir's büßen mit dem Leben. 
Die Weidelsburg zerbrech' ich schier 
Zu abertausend Stücken Dir." 
„„Hoho!"" rief da vom Thurme der, 
„„Du willst die Burg mir brechen, 
Du blinder Hess' ? Laß Dir vorher 
Den Staar der Augen stechen. 
Auch denk' an Nürnberg, an die Stadt, 
Tie keinen hängt, den sie nicht hat!"" 
So zankten sich die Herren aus, 
Die wuthentbrannt in Fehde; 
Der Landgraf vor betn festen Haus, 
D'rauf DallwigUs Fähnlein wehte, 
Des Ed'len, der ein Feuerbrand 
Und Schrecken war dem Hessenland. 
D'rauf schloß der Landgraf und sein Heer 
Noch enger ein die Feste, 
So daß nicht Korn und Klaue mehr 
Gekonnt zum Felsenneste, 
Darinnen Durst und Hungersnoth 
Mehr würgten, als der Schlachtentod. 
z Als nun das letzte Mehl zu Brot 
Vom Boden war verbacken, 
Und auch der Speicher nichts mehr bot 
Zn beißen und zu knacken; 
Der Rauchfang lag, als wie gekehrt, 
Und auch der Keller war geleert: 
Sprach ernst der Reinhard: ,, „Liebe Frau, 
Was nützt dies Lungerleben? 
Das Korn ist all', der Himmel blau 
Und will kein Wasser geben. 
Entzieh'n wir uns der schweren Noth 
Und Knechtschaft durch vereinten Tod!"" 
„Vereinten Tod?" frug derb die Frau, 
„Wenn Du sprichst, wie im Spittel 
Ein Weib, das altersschwach und grau, 
Schwatzt von dem Sterbekittel; 
Dann, nimm's nicht krumm, thu' ich dem Herrn, 
Wie Judith einst an Holosern." 
Gesagt, gethan. — Sie ging zur Truh 
Und nahm die Prachtgeschmeide 
Aus ihrer jahrelangen Ruh' 
Zusammt dem besten Kleide. 
Das war das stolze Brautgewand, 
In dem sie vor dem Altar stand. 
Dann fügte sie das Seidenhaar 
Zn losen, leichten Ringen, 
Die auf den Nacken wunderbar 
Wie güld'ne Schlänglein hingen, 
Die Schultern hüllte sie in Flor 
Und schritt so aus dem dunk'len Thor.
	        

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