Full text: Hessenland (8.1894)

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seinen Vizekanzler Dr. Walter, die Theologen 
Korvinus, Kymeus, Draconites, Meleander und 
Bucer. Von 300 Reitern umgeben ritt er selbst 
von Marburg aus über Würzburg und Nürn 
berg nach Regensburg. Im Namen des Kaisers 
wurde der Landgraf empfangen von Granvella, 
Raves und dem Herrn von Breda. Von Seiten 
des Kaisers wurden zu dein theologischen Gespräch 
gesandt die Katholiken Johannes Eck, Johannes 
Gropper und Julius von Pflug, drei Evangelische, 
Melanchthon, Bucer und Pistorius von Nidda. 
Dem Gespräch ließ der Kaiser eine christliche und 
vermittelnde Darstellung zu Grunde legen. Auf 
diesem Reichstage hatte Philipp öfters Unter 
redungen mit dem Kaiser, wobei er dem Kaiser 
rieth, die verglichenen und die unverglichenen 
Artikel den Reichsständen vorzulegen. Drei ver 
mittelnde Gutachten der Kurfürsten, der Städte 
und der protestantischen Stände verwarf der 
Kaiser. Im Reichstagsabschied verwies er die 
streitigen Punkte sammt der ganzen Religions- 
Verhandlung auf ein allgemeines oder Nation- 
Konzilium, mit der Bestimmung, daß, wenn 
binnen 18 Monaten kein Konzilium zu Stande 
kommen würde, die Sache ans einem Reichstag 
verhandelt werden sollte. Der Nürnberger Friede 
erhielt die Bestätigung des Kaisers, die Auf 
hebung der Achtserklärung gegen Minden und 
Goslar wurde bestätigt, eine gleichmäßige Be 
setzung und unparteiische Visitation des Reichs 
kammergerichts verheißen, die Protestanten zur 
Reform ihrer Stifter und zur Aufnahme von 
Proselyten ermächtigt und ihnen der ungestörte 
Besitz der geistlichen Renten, Zinsen und Gülten 
gesichert. Philipp erwarb auch ans diesein Reichs 
tage die kaiserlichen Privilegien für die 
nengestiftete Universität Marburg. 
Herzog Heinrich von Braunschweig-Wvlfen- 
büttel hatte die Rechte der Stadt Braunschweig 
verletzt und die Vollziehung der Acht, die vom 
Reichskammergericht über die Stadt Goslar aus 
gesprochen, aber vom Kaiser auf dem Reichstage 
zu Regensburg aufgehoben war, fortgesetzt. Auf 
Bitten dieser beiden Städte kamen die beiden 
Häupter des Schmalkaldischen Bilndes zu Eisenach 
zusammen (13. Juli 1542). Hier verabredeten 
sie sich wegen der gegen Herzog Heinrich zu 
ergreifenden Maßregeln und beschlossen gegen 
denselben vorzugehen. Mit 2500 Mann wurde 
Bernhard von Mila nach Braunschweig gesandt, 
der Landgraf sowie der Kurfürst von Sachsen 
folgten mit 4000 Reitern und 15000 Fuß 
gängern. Philipp nahm seinen Weg von Mar 
burg aus über Beverungen, Höxter, Holzminden. 
Das Land, mit Ausnahme der Festen Schöningen, 
Steinbrück und Wvlfenbüttel, eroberteil sie inner 
halb vierzehn Tagen. Heinrich floh mit seinem 
Kanzler nach Laudshut. Nach und nach wurden 
auch die drei genannten Festen eingenommen. 
Die vor zehn Jahren uilterbrochenen evangelischen 
Unterhandlungen mit Hildesheim knüpfte Philipp 
wieder an, durch Buchenhagen und Korvin re- 
formirt, trat die Stadt dem Schmalkaldischen Bunde 
bei. In Wvlfenbüttel wurde Beutegroscheu aus 
getheilt. Auf den Siegesinünzen des Landgrafen, 
die aus den Einkünften der herzoglich Goslar'- 
schen Bergwerke geschlagen wurden, stauben die 
Worte: Parcere subjectis et debellare superbos. 
Auf des Kurfürsten Siegesmünzen standen die 
Worte: 8c>Ii ckeo victoria. 
Auf einem Reichstage zu Wvrlns stellte der 
Schmalkaldische Bund das eroberte Herzogthum 
Braunschweig vorläufig unter die Hand des 
Kaisers. Dein Herzog wurde vom Kaiser be 
fohlen, sich den getroffenen Maßregeln zu fügen. 
Von König Franz I. von Frankreich erschlich sich 
der Herzog mehrere tausend Goldgulden, mit denen 
er ein Heer warb von 8000 Landsknechten und 
1500 Reiterll. Mit diesen erschien er plötzlich 
im Lande Hadeln und im Gebiete feines Bruders, 
des Erzbischofs von Bremen und Verden. Nach 
dem sich ihn: die Feste Steiilbrück ergeben hatte 
stießen Graf Otto von Rittberg, ein abtrünniger 
Vasall des Landgrafen Philipp, und Alhard von 
Hörde mit 3000 Fußgängern und 1000 Reiterir 
zum Herzog. Der Herzog rückte vor Wvlfenbüttel. 
Gegen ihn zog, mit Genehmigung des Bundes, 
der Landgraf an der Spitze von 7000 Hessen, drei 
Fähnlein besoldeter Landsknechte, 1600 Reitern, 
23 Stücken schwerer und leichter Artillerie. 
In dem Medemer Feld stieß im Namen 
des Kurfürsten von Sachsen der junge Herzog 
Ernst, der Sohn Philipp's von Braunschweig- 
Grubenhagen, mit Truppen zu ihm. Herzog 
Moritz stand mit 1000 Reitern und 5000 Lands 
knechten in Mühlhausen. Am 16. Oktober 1545 
kam es zum Zusammenstoß mit Heinrich bei 
Nordheim und nach mehrfachen Unterhandlungen, 
die sich jedoch zerschlugen, am 21. Oktober zur 
Schlacht bei Kahlfeld. Die Schlacht endete mit 
der Gefangennahme des Herzogs Heinrich nebst 
seinem Sohne. 
„.. .. Und als der Hertzog wieder kam 
Ueber drey Jahr mit einem Heer, 
Wolt seines Landts nicht sein flüchtig mehr, 
Sondern das haben mit eim Streit, 
Landgraf Philipp ward bald bereit, 
Mit seinen Hessen kam zur Statt, 
Den Vatter und Sohn gefangen hat,
        

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