Full text: Hessenland (8.1894)

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Die Auswahl der abzuändernden Straßennamen 
wäre übrigens auch nicht leicht, manche Umtaufungen, 
z. B. Oberstegasse in Oberste Straße, würden sich 
auch schwerlich einbürgern können. — Wir können 
der Entscheidung der städtischen Behörden nur bei 
pflichten. Wo noch alte Namen in Geltung sind, 
hat man allen Grund, sie 511 erhalten und sie nicht 
einer ganz unberechtigten Geschmacksrichtung zu 
opfern. Früher ist in dieser Beziehung an vielen 
Orten arg gesündigt worden; an Stelle einge 
wurzelter und sinnvoller Namen sind vielfach Be 
zeichnungen getreten, die auf reiner Willkür beruhen; 
jetzt ist der historische Sinn glücklicher Weise wieder 
so stark, daß solche Mißgriffe nicht mehr oder doch 
nur selten vorkommen. Auch bei der Benennung 
neuer Straßen sollte man immer bemüht sein, 
Namen zu wählen, die in einem inneren Zusammen 
hang mit dem stehen, was sie bezeichnen sollen. — 
In Anknüpfung hieran sei mitgetheilt, daß der 
zur Freilegung der Kasseler Martinskirche her 
zustellende Platz die Bezeichnung „Landgraf 
Philipp-Platz" und die von hier nach der 
Königsstraße zu siihrende Straße den Namen 
„Philippstraße" führen wird. 
Universitätsnachrichten. Aus Marburg 
wird berichtet: Professor Richard Barth, der 
hiesige Universitäts-Musikdirektor, ist zur Leitung 
der Philharmonischen Gesellschaft in 
Hamburg, die in dem kommenden Winter ihr 
70jähriges Bestehen feiert, als Nachfolger des 
zurücktretenden Professors von Bernuth berufen 
worden. Herr Professor Barth gedenkt diesem Ruf, 
der für ihn einen großen Fortschritt in seiner 
Karriere bedeutet, zu folgen. Hoffentlich gelingt 
es unserer Universitätsverwaltung, recht bald einen 
Ersatz für Herrn Professor Barth zu gewinnen. 
Im hohen Alter von 82 Jahren verschied in 
Kassel in der Frühe des 24. September nach 
langem Leiden der Metropolitan a. D. August 
Friedrich Karff. Derselbe war am 21. März 
1812 zu Kassel geboren, studirte, wie wir dem 
„Kaff. Tagebl." entnehmen, 1831 bis 1833 
Theologie an der Universität Marburg, war dann 
in Kassel zunächst als Lehrer und sodann vom 
Jahre 1836 bis zum Jahre 1846 als Psarrverweser 
thätig. Im Jahre 1846 wurde ihm von dem 
zuständigen Patronate die erledigte Psarrstelle in 
Obermeiser übertragen, welche er bis zum Jahre 
1892 verwaltete. 1868 mit Bersehung des Metro- 
politanats der Klasse Zierenberg beauftragt und 
später, im Jahre 1873, zum Metropolitan definitiv 
bestellt, ist Karff während der ganzen Zeit seiner 
Anstellung im Psarramte auch im Schulaufsichts- 
dienste thätig gewesen. Der Verstorbene gehörte 
der ersten außerordentlichen Synode vom Jahre 
1884 in Kassel an, welche den Zweck hatte, die 
jetzige Presbyterial- und Synodalordnung vor 
zubereiten. Am 11. November 1886 vollendete 
derselbe in voller geistiger und körperlicher Frische 
und getragen von der Liebe und Verehrung seiner 
Gemeinde eine ununterbrochene fünfzigjährige Amts 
thätigkeit. Aus Anlaß dieses seltenen Jubiläums 
wurde ihm der Kroneuordeu III. Klasse mit der 
Zahl 50 verliehen. Nachdem er 1892 in den 
Ruhestand getreten war, zog er nach Kassel. Der Ver 
blichene hat stets mit Hingebung seines Amtes gewaltet 
und sich die Verehrung und Liebe der ihm an 
vertrauten Gemeinde und der ihm unterstellten 
Geistlichen erworben. Einem Wunsche des Ent 
schlafenen zufolge fand die Beerdigung in Ober 
meiser statt. — Am 22. September starb ebenfalls in 
Kassel in Folge eines Schlaganfalls der Amtsrichter 
a. D. Reinhard Dietz im 72. Lebensjahre. Der 
selbe war zu Schmalkalden am 12. Juni 1823 
geboren, hatte in Marburg die Universität besucht 
und war in verschiedenen hessischen Städten, wie 
Hersfeld, Fritzlar, Großalmerode, Meerholz rc., als 
Richter thätig gewesen, bis er vor einigen Jahren 
in den Ruhestand trat und seinen ständigen Aufent 
halt in Kassel nahm. — Der am 27. September 
im 79. Lebensjahre verstorbene Geheime Rechnungs 
rath Heinrich Gunkel wurde am 11. April 
1816 zu Hanau geboreu, besuchte das dortige 
Gymnasium und widmete sich dein Studium der 
Rechte au der Landesuniversität Marburg. Nach 
Absolvirung seiner akademischen Studien bestand 
Gunkel im September des Jahres 1838 die 
juristische Staatsprüfung mit Auszeichnung und 
wurde im November desselben Jahres als Rechts 
praktikant in den kurhessischen Justizdienst aus 
genommen. April 1840 erfolgte seine Ernennung 
zum Obergerichtsreferendar in Kassel, und nachdem 
er seit 1846 als Sekretariatsgehülfe bei dem Ober 
gericht thätig gewesen war, wurde er im Mai 1849 
zum Sekretär bei der Staatsprokuratur in Kassel 
berufen. Wegen seiner Schwerhörigkeit hat der Ver 
storbene von seiner Verwendung im Richterdienst 
absehen müssen. Er verblieb in seiner Stellung 
als Sekretär der Staatsprokuratur bis zum Jahre 
1867. Bei der Organisation in diesem Jahre wurde 
Gunkel zum Appellationsgerichts-Sekretär in Kassel 
ernannt. Dann einige Jahre der Oberstaatsanwalt 
schaft überwiesen, war Gunkel seit April 1885 bei 
dem Oberlandesgericht thätig, woselbst er als 
Bibliothekar fungirte. Bis vor wenigen Wochen 
hat der Verstorbene seines Amtes mit treuer Pflicht-
        

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