Full text: Hessenland (8.1894)

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haben sollte; Verachtung des Artikels vom 
Sakrament; Verletzung der Hoheit des Kaisers 
durch Zusendung eines Religionsbüchleins nach 
Italien. Ueber diese Anklagepunkte rechtfertigte 
sich Philipp auf das Beste. Den Evangelischen 
wurde vom Kaiser die Annahme einer sogenannten 
Widerlegung ohne weitere Antwort geboten und 
eine Friedenskommission eingesetzt. Der Landgraf, 
der den trostlosen Ausgang des Reichstages 
voraussah, kam um seine Entlassung ein auf 
Grund von Briefen, worin die Krankheit der 
Landgräfin angezeigt uttb er deshalb zur Abreise 
gedrängt wurde. Auch gab Philipp als Grund 
seiner nachgesuchten Entlassung an, daß er, als 
einer der Jüngsten und am Verstand der Geringste, 
dem Kaiser doch nichts nützen könne. Auf dieses 
Gesuch wurde keine Antwort und so zog der 
Landgraf ohne Urlaub fort. Zurückgelassen wurden 
mit Weisungen bezüglich ihres Verhaltens vom 
Landgrafen Friedrich Trott von Sulz, Georg 
Nußbicker, Nikolaus Mayer, Erhard Schnepf und 
der Kanzler Johann Feige. Karl V. nahm die 
Apologie der Evangelischen nicht an, verband sich 
öffentlich mit den Anhängern des alten Glaubens, 
legte einstweilen ein Interdikt auf die ganze 
evangelische Sekte (wie sie genannt wurde) und 
gab ihr eine Frist bis zum 15. April des folgenden 
Jahres mit dem Bedeuten, daß, wenn sie diesen 
Abschied nicht annehme, er seine weltliche Macht 
gebrauchen werde. 
Schon gelegentlich des Religionsgesprächs zu 
Marburg war ein Bündniß des Landgrafen mit 
den evangelischen Schweizern beschlossen worden. 
Gegen die Anhänger des Evangeliums hatten 
sich die fünf katholischen Orte Uri, Schwyz, 
Unterwalden, Zug und Luzern mit Erzherzog 
Ferdinand verbunden. Zürich, Bern, Basel, 
Schaffhausen und Mülhausen im Elsaß standen 
an der Spitze der Reformirten, ebenso Glarus, 
Appenzell, St. Gallen. Zur Förderung göttlicher 
freier Lehre und eines christlichen, einhelligen 
Wesens, zum gegenseitigen Schutz der Unterthanen 
gegen Gewalt oder Verführung wurde zu Basel 
durch die Abgesandten Philipp's, Siegmund von 
Boyneburg und Georg von Kollmatsch, mit 
Zürich, Bern, Basel und Straßburg ein Religions- 
bündniß verabredet und auf sechs Jahre geschlossen. 
Vom Papst unterstützt, griffen die katholischen 
Orte zu den Waffen (1531). In der Nähe von 
Kappel stießen die Gegner auf einander. Zwingli, 
der sich bei den Zürichern befand, wurde tödtlich 
verwundet, sein Leichnam verstümmelt und ver 
brannt. Luzern erfocht noch einmal einen Sieg 
über die Verbündeten, da nahm Zürich den ge 
botenen Frieden an, ihm folgte Bern. Beim 
Friedensschluß wurden die alten Bünde der Eid 
genossen erneuert, die Religionsfreiheit festgestellt, 
die neuen Burgrechte und Einigungen mit aus 
ländischen Städten und Herren abgethan, die Ur 
kunden des Landgrafen nach abgerissenem Siegel 
durchschnitten und überliefert. Auch Basel schloß 
einen Frieden. 
Im Dezember 1530 hielt der Landgraf mit 
dem Kurfürsten und anderen evangelischen Stünden 
eine Zusammenkunft zu S ch m a l k a l d e n. Hierzu 
sandten Nürnberg, Reutlingen, Kempten, Heilbronn, 
Windsheim und Weißenburg ihre Bevollmächtigten, 
auch die von Straßburg, Konstanz, Lindau, 
Memmingen, Ulm, Biberach, Magdeburg, Bremen 
erschienen ans Bitten des Landgrafen. Hier 
wurde beschlossen, dem Kaiser Vorstellung zu 
machen wegen des auf dem letzten Reichstage 
gegen die Evangelischen aufgebotenen Reichs 
beschlusses. Sollten die Kammergerichts-Prozesse 
in Religionssachen fortschreiten, dann wolle man 
sich gegenseitige Hilfe leisten. Abgeordnete wurden 
an den Kaiser gesandt, um demselben Vorstellung 
zu machen gegen die Aufbietung des Reichsfiskals. 
Karl V. entließ die Abgeordneten ohne Antwort, 
begab sich nach Brabant und warb dort Truppen, 
von denen man nicht wußte, ob sie gegen die 
Evangelischen bestimmt waren. 
(Fortsetzung folgt.» 
Geschichte der Familie HiUe. 
Von Dr. med. Fried r. Hille. 
(Schluß.) 
36. Auguste Karoline Wilhelmine 
Emilie Hille, geb. den 1. April 1815 zu 
Marburg. Pathen waren Frau Advokat Sippel, 
die Ehegattin des Amtmanns Hille des Jüngern 
Jungfrau Strack und Frau Referendar Ober- 
gethmann. Vermählte sich 1845 mit dem Rentner
        

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