Volltext: Hessenland (8.1894)

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und betraust fürder bestehet, das loir gen 
Marckburg komm sollen, guter Hoffnung es 
solle Eintrechtigkeit daraus folgen, so wollen 
wir auch gerne und geneigtes Willens das 
unser dazu thuen, und nach Gottes Gnaden 
auf bedeute Zeit, so wir gesund und leben, 
zu Marckburg erscheinen. Der Vater aller 
Barmherzickeit und Einickeit gebe seinen Geist, 
das wir ja nicht umsonst, sondern zu Nutz 
und nicht zu Schaden ztl samen komen Amen. 
Christus sey E. F. G. Regierer und Leiter- 
Amen. 
VIII. Julii 1529. 
unterthenige 
Martinas Luther. 
Philippus Melanchthon. 
Dem durchleuchtigen Hochgeborenen Fürsten 
und Herrn, Herrenn Philipps Landgraven zu 
Heßen, Graven zu Catzenelnbogen, Ziegenhayn, 
Dietz tmd Nidda, meynem gnedigen Herrn." 
Zwingli war von Zürich über Basel und 
Straßburg, wo sich Oekolampadius, Bucer, Hediv 
und Jakob Sturm ihm anschlossen, über St. Goar 
in Marburg angelangt. Wohnung war den Ge 
ladenen auf dem Schlosse eingeräumt worden. 
In Gegenwart des Landgrafen, des vertriebenen 
Herzogs Ulrich von Würtemberg, der Gesandten 
des Kurfürsten von Sachsen, der Theologen der 
Universität und anderer vornehmer Herren fand 
das Gespräch über den streitigen Punkt der 
Abendmahlslehre int Schloßsaale statt. Die Ver 
sammlung eröffnete der Kanzler von Hessen, 
Johann Feige; er setzte den Wunsch des Land 
grafen, Einigkeit der Lutheraner und Zwinglianer 
tit der Lehre vom Abendmahl, auseinander. 
Hierauf begaitit die dreitägige Verhandlung, ohne 
in Sachen des streitigen Punktes zur Eiitigung 
zu führen. Zum Schluß unterschrieben alle 
sächsischen und schweizerischen Gottesgelehrten, 
unter ihnen auch Luther, nach vierzehn einstimmig 
gebilligten Glaubensartikeln, folgende Worte: 
„Zum fünfzehnten glauben und halten wir alle 
voit dem nachtmahle unsers lieben Hernt Jesu 
Christi, das man beide gestaldt nach der einsatzung 
Christi prauchen solle, das auch das Sacrament 
des Altars Jhesu Christi und die geistliche nießung 
desselbigen leibs und bluts einem jdeit Christenit 
sürnemblich vonnöthen, deßgleichen der Brauch 
des Sacraments wie das wortt voit Gott deut 
Allmechtigenit gegeben und geordnet sey, damit 
die schwächeren gewissenn zu glaubenn zu bewegen 
durch den heiligenn gaist, und wiewohl aber wir 
unns, ob der war leib und blutt Christi leiblich 
int Brott uitdt wein sey, dießer zeit nicht ver 
gleicht haben, so soll doch ein theil jegenn dem 
andereit christliche liebe so fer Jdes gewissenn 
Immer leidenn kann, ertzeigen, unndt bede theil 
Gott dein Almechtigen vleissigk bitteitn, das er 
uns durch seinen gaist denn rechtenn Verstandt 
bestettigen wolle, Amen." Nachdem die Ver 
sammelten noch ein vom Landgrafeit gegebenes 
Gastmahl vereinigt hatte, gingen sie, einander 
segnend, auseinander. 
Von Bologna aus berief Kaiser Karl V. einen 
Reichstag nach Augsburg in Sachen der Religion, 
auf welchem alle evangelischen Fürsten, unter 
ihnen auch Landgraf Philipp, erschienen. Am 
12. Mai ritt er, nach Voraussendung des Kanzlers 
Johann Feige, des Hofpredigers Erhard Schnepf 
und des Grasen Philipp von Waldeck, an der 
Spitze von 120 Reitern tu Augsburg ein. Mit 
Urbanus Regins hielt er eilte Uttterredung über 
die Abendmahlslehre und brachte dem sächsischen 
Theologeit noch einmal die Grtutdsätze der Refor- 
mation in Erinnerung, die sie hinsichtlich der 
Schweizer vergessen hatten. Am 20. Juni fand 
die Eröffnung des Reichstags statt. Auf ihnt 
wurde das öffeittliche Bekenntniß des cvaitgelischeit 
Glaubens nach tnannigfacheitt Streite zugelasseit, 
das Melanchthon in einfacher Kürze und mit 
großer Mäßigung aufgesetzt tiitb der Landgraf, 
unter der ausdrücklichen Erklärung, daß ihnt der 
Artikel vont Abendmahl nicht genug scheine, 
uitterschrieben hatte. Vorgeleseit wurde dieses Be 
kenntniß in deutscher Sprache ans Antrag des 
Landgrafeit am 25. Juni in einer Versammlung 
von zweihundert Reichsgliedern in der Kapelle 
der bischöflichen Pfalz. Ein in lateinischer Sprache 
abgefaßtes Exemplar des Bekeitntnisses wurde in 
der Versammlung deut Kaiser übergeben, das ihn 
so bewegte, daß er dem Vermittelungsvorschlag 
Gehör gab, wodurch das Abendmahl in beiderlei 
Gestalten, die Ehe der Priester und die Freiheit 
der Fasten zugelassen wurde; von Graitvella und 
Campeggi aber wurde die Einführung hintertrieben. 
Das evattgelische Glaubensbekeitntniß wurde att 
neunzehn Theologen zur Beurtheilung und Wider- 
leguttg vom Kaiser übergeben. Diese Widerleguitg 
fiel so heftig aus, daß der Kaiser selbst Milderung 
gebot. 
Bezüglich des Landgrafen Philipp hatte der 
Kaiser sich vorgenommen, ihn selbst zu prüfen und 
wegen früherer Handlungen zur Rechenschaft zu 
ziehen. Als Philipp von diesem Vorhaben erfuhr, 
meldete er sich selbst beim Kaiser. Wegen vier 
Handlungen sollte der Landgraf vernommen 
werden: freventliche Handlung gegen das Wormser 
Edikt; Empörung und auswärtige Bündnisse, 
die er während des Kaisers Abwesenheit angefangen
        

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